Laura Berman ist neue Chefin in der Hannoverschen Staatsoper

Skandal mit Ansage? Liegt ihr nicht

Laura Berman rückt als Opern-Chefin „Diversität“ in den Vordergrund. Foto: franz bischof

Hannover - Von Jörg Worat. „Ich war ein Engel in einem Krippenspiel“, erinnert sich Laura Berman an einen sehr frühen Bühnenauftritt. „Und ich hatte die größten Flügel von allen.“ Im übertragenen Sinn ist dies immer noch so, allerdings hat in Sachen Spannweite ein Seitenwechsel stattgefunden: Seit 1. September hat der Ex-Engel, zuletzt als Operndirektorin in Basel tätig, die Intendanz an der hannoverschen Staatsoper inne.

13 Jahre lang hat Michael Klügl diese Funktion innegehabt, sehr erfolgreich sogar, und Laura Berman ist völlig klar, dass ein solcher Wechsel eine gewisse Eingewöhnungsphase seitens des Publikums mit sich bringt: „Es muss natürlich erst mit vielen neuen Gesichtern und mit einem neuen Stil vertraut werden. Ich glaube aber, unser Angebot ist so vielseitig, dass alle schnell einen Zugang finden können. Zumal ich die Hannoveraner als sehr offen erlebt habe.“

„Diversität“ ist ein Wort, das im Gespräch immer wieder auftaucht. Es bezieht sich auf das neue Ensemble („Das ist etwas internationaler ausgerichtet“) ebenso wie auf das Programm: „Bei uns wird man die verschiedensten Regiestile sehen können. Experimentelle und auch etwas konservativere.“ Als Beispiel für die letztgenannte Annäherung nennt die Intendantin die neue „Tosca“-Inszenierung: „Die hat aber natürlich trotzdem eine sehr eigene Handschrift.“ Auf der anderen Seite wird es mit „Der Mordfall Halit Yozgat“ von Ben Frost eine äußerst spezielle Uraufführung geben, nicht nur, weil diese Kooperation mit dem Schauspiel die NSU-Affäre behandelt, sondern auch wegen Frosts musikalischer Einflüsse, die unter anderem Elektronikklänge umfassen. Und so geht‘s weiter im Programm: „Nixon in China“ von John Adams ist etwas für Freunde der Minimal Music, Paul Abrahams „Märchen im Grand Hotel“ eine Operette, in der laut Intendantin auch gesteppt wird – kurz, es gibt hier so ziemlich alles. Mit einer Ausnahme: „Für den programmierten Skandal“, stellt Laura Berman klar, „bin ich nicht zu haben.“

Es hat also offenbar seine Gründe, dass Laura Berman sich unbekümmert als „musikalischer Allesfresser“ bezeichnet. Die Behauptung, irgendetwas müsse ihr doch prinzipiell missfallen, bescheidet sie abschlägig: „Früher mochte ich keine Country Music. Aber inzwischen schätze ich Willie Nelson sehr.“ Selbst mit dem Stichwort „Death Metal“ lässt sich die neue Intendantin nicht aufs Glatteis locken: „Attila Csihar, der Sänger von ,Mayhem‘, ist fantastisch. Mit ihm würde ich gern einmal zusammenarbeiten.“

Klarer Fall, dass man sich für den Start der neuen Intendanz etwas ganz Besonderes hat einfallen lassen: „La Juive“ („Die Jüdin“) von Fromental Halévy, 1835 uraufgeführt, ist gewiss alles andere als ein geläufiger Stoff. Im Gegensatz zu früheren Zeiten: „Im 19. Jahrhundert war die Oper sehr populär“, sagt Laura Berman, „und Hannover eine der ersten deutschen Städte, in denen sie gespielt wurde – ich glaube ohnehin, dass es hier eine sehr liberale Tradition gibt.“ Weitere Gründe für diese Auswahl waren inhaltlicher und formaler Natur: „Das Stück handelt davon, wie Feindbilder zum Zweck des Machterhalts erzeugt werden, ein nach wie vor aktuelles Thema. Und es ist eine ,Grand opéra‘, in der alle unsere Abteilungen, auch die Bühnen- und Kostümwerkstätten, gleich zeigen können, was sie draufhaben.“

Laura Berman ist 1959 in Boston geboren, auch nach vielen Jahren in Europa hat ihr – sehr gutes – Deutsch einen leichten US-Slang, und das „ü“ spricht sie immer noch wie „u“ aus. Bei den Eltern stammte der künstlerische Schub weniger vom Vater, einem Radiologen, als von der Mutter: „Sie hat als Schauspielerin angefangen und dann eine Schule geleitet, in der Kinder für andere Kinder gespielt haben. Sie hat mich gern zu Veranstaltungen mitgenommen, auch als ich noch zu jung war, um alles zu verstehen.“

Vielleicht tragen diese Erfahrungen jetzt auch noch auf unerwartete Weise Früchte. Laura Berman will in Hannover nämlich sogar eine Oper für Babys aufführen: „Das haben wir schon in Basel gemacht, und das Projekt ist genauso wichtig für die Erwachsenen. Die können dabei wunderbar erleben, wie früh Menschen intensiv auf Klang reagieren.“

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