Simone Kermes und Gregory Porter: Glocke Bremen schafft den Spagat zwischen überzogenen Künstlergagen und kleinem Budget

Kampf gegen die Explosion

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Gregory Porter tritt im Mai auf.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Künstler, deren Gagen mit zunehmendem Bekanntheitsgrad in exorbitante Höhe steigen: Über diese Entwicklung klagen bereits seit Jahren die Festivalveranstalter der Republik und es gibt mittlerweile einige, die das Wettbieten nicht mehr mitmachen. Doch nicht nur die Organisatoren der Freiluftspektakel müssen sich in diesen Tagen finanziell verbiegen, auch so mancher Geschäftsführer eines Konzerthauses, wie beispielsweise Jörg Ehntholt beobachtet die Preisspirale mit Sorge. - Von Mareike Bannasch.

Der Chef der Bremer Glocke präsentierte gestern Vormittag das Programm für die neue Spielzeit und zog eine positive Bilanz. So konnte er für die auslaufende Saison eine Zahl von knapp 217000 Besuchern verkünden, was eine Auslastung von 80 Prozent bedeutet. Aber Ehntholt machte auch eines deutlich: Es wird nicht einfacher, Hochkaräter zu verpflichten, besonders dann nicht, wenn der Glocke für die eigenen Konzertreihen nur ein Etat von knapp 100000 Euro zur Verfügung steht.

Umso bemerkenswerter ist die Reihe der Künstler, die Ehntholt und sein Team für die kommende Spielzeit engagiert haben, und dabei vor allem auf Wiederholungstäter zurückgreifen. So kommt eine der international gefragtesten deutschen Gesangsstars nach 2011 und 2014 erneut an die Weser: Simone Kermes. Gemeinsam mit dem Barockensemble „La Magnifica Comunità“ stellt die Koloratursopranistin am Freitag, 4. März, ihr neues Programm rund um die Liebe vor, das einen Bogen von 1580 bis 1700 schlägt.

Die großen Gefühle sind ebenfalls in der Reihe „Glocke Spezial“ Thema, allerdings auf ganz andere Art und Weise. So entblättern Roger Willemsen und Anke Engelke in einer dialogischen Lesung die groteske, amüsante und manchmal auch recht traurige Welt der Kontaktanzeigen. Wer noch nach einem Partner sucht, kann am Samstag, 12. Dezember, lernen, wie man es besser nicht machen sollte.

Dass die „Glocke Spezial“-Veranstaltungen nicht nur Lesungen umfassen, zeigt sich am Sonntag, 10. April. Dann steht der unangefochtene Botschafter der Balkan-Musik, Goran Bregovic, auf der Bühne. Mit im Gepäck hat er nicht nur sein aktuelles Album „Champagne for Gypsies“, das, der Name verrät es bereits, dem Volk der Roma gewidmet ist, sondern auch seine Wedding & Funeral Band. Gemeinsam rufen die Musiker mit schwindelerregenden Tempi und wehmütigen Melodien zu mehr Toleranz und einem friedlichen Miteinander auf.

Natürlich wäre ein Glocke-Programm ohne ein, zwei Jazzkünstler nicht komplett. In der kommenden Spielzeit sind es drei, die sich in Bremen die Ehre geben. Den Auftakt der Reihe übernimmt am 4. November der Pianist Michael Wollny, der als Solo, Duo und Trio das Unberechenbare zelebrieren wird. Im April folgt dann Randy Crawford, die auch nach dem Tod ihres langjährigen Freunds und Mentors Joe Sample weiter auf Tour geht und im kommenden Frühjahr in Deutschland Station macht. Der krönende Schlusspunkt erwartet das Publikum schließlich am 11. Mai, wenn Gregory Porter in der Glocke aus seinem bis dahin erschienenen Album singt. Nachdem er im vergangenen Jahr bereits beim Musikfest einen umjubelten Auftritt hatte, ist er nun erneut in Bremen zu hören – und macht damit eins deutlich: Auch mit einem kleinen Budget ist ein fabelhaftes Programm möglich.

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