„Silencio“ bei „Baila España“ in Bremen

Die Ruhe nach der Spannung

Momente, in denen das Schwere leicht erscheint: „Silencio“ überzeugt in der Bremer Schwankhalle.
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Momente, in denen das Schwere leicht erscheint: „Silencio“ überzeugt in der Bremer Schwankhalle.

Bremen - Von Andreas Schnell. Spätestens seit Paul Simon wissen wir, dass auch Stille einen Klang hat. Ein Tanzabend, der „Silencio“, Stille, Schweigen, heißt, muss also keineswegs zwingend auch eine ruhige Angelegenheit sein. Daniel Abreus gleichnamige Choreografie scheint das zunächst dennoch so zu sein, zumindest auf den ersten Blick. - Von Andreas Schnell.

Es ist dunkel, an der Bühnenrückwand sitzt ein Mann, Abreu selbst, still, aber nicht lange. Als ertrüge er seine Situation nicht, bewegt er sich in den Raum hinein, zuckend, mit brechenden Bewegungen, heraus aus dem Schweigen des Körpers, aus der Isolation vielleicht.

Eine Frau (Dácil González), tritt heran, stellt sich auf die Zehen des Mannes, begibt sich in eine fragile Parallele, die die beiden in umgekehrter Konstellation wiederholen. Einer jener auch athletisch höchst anspruchsvollen, eindrücklichen Momente des Abends, in denen das Schwere leicht scheint.

Als in der zuvor eher flächigen Musik nervöse Beats auftauchen, synchronisieren sich die Bewegungen der beiden. Ein Moment der Ruhe nach großer Spannung, wobei die Klangspur, die als Kommentar über weite Strecken mitläuft, scheinbar immer wieder widerspricht. Einmal erklingt sogar in erhabener Lautstärke ein Pop-Song: „This is the rhythm of the night...“, währenddessen Anuska Alonso mit erhobenen Armen hinter einem Mikrofon auf einem Stativ steht – aber dazu schweigt.

Immer wieder aber gibt es auch Szenen, in denen die Bühne bis auf die wenigen Requisiten leer bleibt. In denen tatsächlich Stille eintritt, noch im Sprechen. Ein Monolog, kaum hörbar, erzählt von der wundersamen Wandlung eines Vaters, dessen Sohn sich nicht erklären kann, warum der einst aufbrausende Mann so ruhig geworden ist, seit er Alzheimer hat, bricht das Schweigen kurz vor dem stillen Ende des rund einstündigen Abends, der sich gleichsam über das ausschweigt, was er erzählt. Eine eher abstrakte Bilderfolge. Oder vielleicht doch ein Beziehungsdreieck, wie wörtlich man es auch immer nähme damit? Auch dort, in Beziehungen, verläuft Kommunikation schließlich nicht immer verbal, laut, ausdrücklich.

Diese Unschärfe wird noch durch das klug eingesetzte Licht verstärkt, das mal zwischen flackernden Hinterhoflaternen, Clubblitzen und Neonflackern erscheint, mal mit subtilen Verschiebungen arbeitet, vieles im Zwielicht lässt. Unzweideutig allerdings die enorme tänzerische Qualität der kleinen Compagnie, die den großen Anforderungen jederzeit gewachsen war.

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