Zum Geburtstag von Lucky Luke

Siebzig Jahre im Sattel

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Bremen - Die schwarze Weste über einem gelben Hemd, oben ein rotes Halstuch: Den Comic-Cowboy Lucky Luke erkennt nun wirklich jeder auf den ersten Blick. Und natürlich weiß man auch, dass er den Colt schneller ziehen kann als sein Schatten.

Seit 70 Jahren ist die Figur des Belgiers Maurice de Bevere, bekannter unter seinem Künstlernamen Morris, nun unterwegs. Der Ehapa Verlag, bei dem die Reihe auf deutsch erscheint, wird das mit Hommage-Bänden und Sonderausgaben würdig feiern. Den Auftakt des Jubiläumsjahres allerdings, den macht ganz bescheiden die Veröffentlichung von Band 94 der Alben-Serie: „Martha Pfahl“.

Der handelt dazu noch von „Lucky Kid“, einer Kinderversion des Helden, deren bisherige Auftritte von den Fans eher skeptisch aufgenommen wurden. Wie immer, wenn sich in Klassikern etwas ändert: Funktioniert es denn nicht seit Jahrzehnten, in Albenlänge typische Westernthemen vom Postkutschenüberfall bis zum Goldrausch zu erzählen – oder Lucky Luke auf historische Figuren wie Jesse James oder Billy the Kid treffen zu lassen? Stattdessen gibt es in „Martha Pfahl“ einseitige Kurzgeschichten mit schneller Pointe und scheinbar wenig Tiefe.

Und auch die vertrauten Bilder will man doch wieder sehen. Diesen eingängigen, präzisen Zeichenstil, mit dem erst Morris und nach dessen Tod auch seinem würdigen Nachfolger Achdé ein Künststück gelang: Karikaturenhaft überzeichneten Figuren Dynamik und Lebendigkeit zu verleihen. Selbst das kantigste Gesicht ist hier zu solch einer Mimik fähig, dass noch in der Parodie so richtige Westernstimmung aufkommt. Allerdings: Die Verwandlung der markanten Gesichter in Kinderversionen ist Achdé hervorragend gelungen – wie die Karikatur einer Karikatur.

Kinderkram? Erster Blick trügt

Überhaupt ist der Band weit aufregender, als der erste Blick verrät. Inhaltlich sieht es zwar nach Kinderkram aus, wenn die Gören da Äpfel klauen und Baumhäuser bauen, statt mit der Knarre gegen Banditen zu kämpfen. Doch um die Vorgeschichte der Figuren geht es nur zum Schein, wie kleine Widersprüche verraten: Da ist Klein-Lucky etwa mit einer ebenso kindlichen Calamity Jane befreundet, die er doch eigentlich erst als Erwachsener kennenlernen wird. Die Chronologie ist außer Kraft gesetzt, weil „Lucky Kid“ kein Sequel ist, sondern eine eingedampfte Version der Figur, ein Kommentar auf 70 Jahre Entwicklung und ein Wiedersehen mit alten Freunden.

Und mit schlechten Angewohnheiten. Da dreht sich der Cowboy ausgerechnet als Kind mal wieder eine Zigarette. Die erste seit Jahren, weil Lucky doch Anfang der 80er aus marketingtechnischen Gründen aufhören musste. Hier stürzt er nun mit einer kleinen Schatzkiste aus der Ranch, dreht wie früher drei Panels lang am Blättchen, zündet an – und bekommt postwendend den Hintern versohlt. Von Tante Martha, die mit hochrotem Kopf für die Holzhammer-Pädagogik steht.

„Statue Squaw“ heißt das Album im Original – und um den Status Quo der Langzeitserie geht es auch. Ein Hinweis, den der eher ungelenke deutsche Titel „Martha Pfahl“ leider vermissen lässt. So erweist sich das Album erst auf den zweiten Blick als ein subtil durchdachter Einstieg in den Geburtstagszirkus. Die Reflexion wird eben nicht in drögen Erklärvorworten mitgeliefert, sondern passiert genau da, wo sie im Comic auch hingehört: im Witz zwischen den Zeilen und den Panels.

Lucky Luke Bd. 94. „Martha Pfahl“, Egmont Ehapa, 2016, 48 Seiten, 12 Euro (Hardcover); 6,50 Euro (Softcover)

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