„Glückseligkeit und Kampfesmut“: Conrad Felixmüller im Hamburger Barlach-Haus

Selbstsuche zwischen Familie, Kunst und Politik

C. Felixmüller: Selbstbildnis mit Frau, 1927 ·
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C. Felixmüller: Selbstbildnis mit Frau, 1927 ·

Hamburg / Köln - Von Rainer Beßling. Im Jahr 1920 erhält Conrad Felixmüller für das Gemälde „Die Schwangere“ den Großen Staatspreis für Malerei des Freistaats Sachsen. Das mit der Auszeichnung verbundene zweijährige Stipendium in Rom tritt er nicht an. Er erwirkt eine Umwidmung in Studienreisen in die Steinkohlenbergbaureviere des Ruhrgebiets.

Der Künstler findet sich intensiv in die Arbeitswelt ein, durch Elternhaus, Krieg und Revolution ist er sensibilisiert für soziale Konflikte. Er solidarisiert sich mit den Dargestellten. Seine Bilder, die der Würde der Arbeiter und dem Wert ihrer Leistung Ausdruck verleihen, dokumentieren innere Aufwühlung und leidenschaftliches Engagement. Der politisierte Felixmüller gelangt vom kubo-expressionistischen Strich, der vor allem in Druckgrafik Niederschlag findet, zu einer realistischeren Bildsprache.

„Arbeit und Politik“ nehmen entsprechend in der Felixmüller-Ausstellung im Hamburger Ernst-Barlach-Haus, die das Schaffen des Künstlers in den für ihn bedeutsamen Jahren 1918 bis 1933 dokumentiert, einen hohen Rang ein. Die Weimarer Republik ist für den 1897 in Dresden geborenen, 1977 in Berlin verstorbenen Felixmüller jedoch keine Zeit künstlerischer Kontinuität und anhaltenden sozialkritischen Engagements. Die Perspektiven reiben, die Schwerpunkte verlagern sich. Für den Maler, der von 1919 bis 1924 der Kommunistischen Partei Deutschlands angehört, besitzt die Familie seit seiner Heirat mit Londa Freiin von Berg im Jahr 1918 mindestens ebenso große Bedeutung wie die gesellschaftlichen Ereignisse und der politische Kampf.

In zahlreichen Beispielen dokumentieren die mit „Glückseligkeit und Kampfesmut“ überschriebene Hamburger Ausstellung und der begleitende lesenswerte Katalog, erschienen im Kölner Wienand Verlag unter dem Titel „Zwischen Kunst und Politik“, den liebevollen Blick des Künstlers auf Frau und Kinder. Ist das Paar-Bildnis „Im Frühlingswind“ noch bestimmt von expressionistischen Formen und Farben, finden sich im „Selbstbildnis mit Frau“ neusachliche Elemente. Im „Selbstbildnis mit Londa“ (1933) drücken Haltung und Mimik des Künstlers Standfestigkeit und Skepsis zugleich aus. Felixmüller ist stolz, seiner Familie durch seine Kunst eine Existenz sichern zu können, sieht aber auch die heranziehenden Gefährdungen seiner Lebensgrundlage und Person.

Porträts von Freunden bilden ein weiteres Kapitel in Ausstellung und Katalog. Hier zeigt sich beispielhaft die bemerkenswerte künstlerische Entwicklung Felixmüllers, der sich in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre radikal von seinem expressionistischen Frühwerk loszusagen versucht.

Ernst-Barlach-Haus, Hamburg, bis 2. Februar 2014. Di-So 11-18 Uhr. Eintritt: 6 Euro.

Katalog „Conrad Felixmüller. Zwischen Kunst und Politik“, Wienand Verlag, Köln.

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