Festival „Theaterformen“

„Sei funky, sei Frühkartoffel“

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Erinnerungen, Träume und Lieder bilden den Kern von „Die Geschwindigkeit des Lichts“.

Hannover - Von Jörg Worat. „Ausnahmezustand“: Für Annette Schwandner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur ist klar, worauf sich Hannover in der Zeit vom 20. bis zum 30. Juni gefasst machen kann. Was bedenklich oder gar bedrohlich klingen mag, hat indes einen positiven Hintergrund: In dieser Zeit stehen die „Theaterformen“ an, und das Land ist neben der Stadt Hannover und der Stiftung Niedersachsen Hauptförderer des Festivals mit seinem Etat von rund 1,2 Millionen Euro. Am Mittwoch wurde nun das Programm vorgestellt.

Der Modus der Veranstaltungsreihe hat sich mehrfach geändert, inzwischen pendelt sie im jährlichen Wechsel zwischen Hannover und Braunschweig. Diesmal ist die Landeshauptstadt an der Reihe, angekündigt sind 14 Produktionen aus zwölf Ländern, mehr als 200 Programmpunkte und rund 250 Mitwirkende.

„Wir versuchen, jedes Mal einen Aspekt des Theatermachens besonders in den Vordergrund zu rücken“, betont Martine Dennewald, künstlerische Leiterin des Festivals. Vor zwei Jahren wurden Regie und Performance überwiegend von Frauen bestritten, 2019 stehen Ansätze im Fokus, die vor Ort mit Einheimischen entstehen sollen – dies trifft auf die Hälfte der Produktionen zu.

So erarbeitet der argentinische Regisseur Marco Canale mit rund 50 hannoverschen Senioren eine „szenische Reise“ namens „Die Geschwindigkeit des Lichts“: Das Destillat aus Erinnerungen, Träumen und Liedern soll teils in privaten Wohnzimmern, teils an öffentlichen Orten umgesetzt werden. Die New Yorker „600 Highwaymen“, tatsächlich ein Duo und schon öfters beim Festival zu Gast, begeben sich einmal mehr „auf die Suche nach theatralen Momenten im Alltäglichen“ und haben sich dafür mit hannoverscher Sammelleidenschaft beschäftigt: „Murmeln, Trecker, Feldpost aus dem 2. Weltkrieg – es gibt nichts, was nicht gesammelt wird“, sagt Martine Dennewald, lässt aber noch offen, welche Schätze genau denn nun bei „The Collectors“ ausgebreitet werden.

Die restlichen Produktionen sind, wie gewohnt, Gastspiele, und traditionell ist der Festivalname Programm, erweist sich der Begriff „Theater“ doch als dehnbar. Gleich zum Auftakt bietet der polnische Regisseur Lukasz Twarkowski mit „Lokis“ einen „szenischen Exzess“ – so zumindest kündigt Dennewald die litauische Kombination aus einer fiktiven und zwei authentischen Mordgeschichten an: „Da werden Ihnen die Ohren schlackern.“ Interessant klingt auch die Odyssee-Version der brasilianischen „Companhia Hiato“, die viereinhalb Stunden dauert und in der Odysseus nicht auftritt. Immer noch nicht schräg genug? Wie wär‘s dann mit „Hate“ von Lætitia Dosch: Die französisch-schweizerische Künstlerin ist der Meinung, dass sich das Verhältnis von Mensch zu Tier nur in der direkten Begegnung klären lässt und wird daher mit dem Pferd „Corazon“ ins Schauspielhaus einreiten.

Der Vorverkauf hat begonnen. Und wer Lust hat, zeitnah einen Vorgeschmack zu erleben: Schon am 26. April gibt‘s um 22.30 Uhr auf der Cumberland-Bühne eine Programm-Release-Party. Das Motto „Sei funky, sei Frühkartoffel!“ Hat auch Martine Dennewald unmittelbar überzeugt: „Mein Kartoffelkostüm habe ich schon.“

Karten

theaterformen.de

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