Andreas Homoki inszeniert an der Komischen Oper Richard Wagners „Meistersinger“

Die Schwierigkeit, das Alter zu akzeptieren

Berlin - Von Harri Wangerin(Eig. Ber.) · Grau in grau kommt alles daher, Häuser ohne Fenster, ohne Farbe. Die Menschen gefangen in Konventionen, Traditionen unterworfen, Normen engen das Leben ein. So beginnt am Sonntagabend die Premiere von Richard Wagners „Meistersinger“ in der Komischen Oper Berlin.

Die handelnden Personen dieses Werks um das in sich erstarrte Bürgertum, dem es heiliger Ernst ist, Eva, das einzige Kind des Goldschmiedemeisters Veit Pogner, dem Sieger eines Meistersinger-Wettbewerbs zu vertrauen, stellt Regisseur Andreas Homoki liebevoll in ihr kleines Glück oder Ungeschick. Lässt sie nicht in einer Farce untergehen, karikiert sie nicht. Vielmehr nimmt er die Figuren dieser einzigen komischen Oper des Komponisten ernst, entwickelt die Heiterkeit aus Text und Handlung, führt die Personen brillant, wobei Eva zuweilen ein wenig zu kindisch agiert.

Hans Sachs, diese hochverehrte Nürnberger Institution aber zeigt, für alle Handwerkermeister und für alle Individuen stellvertretend, wie schwer die Großmut fällt, das eigene Alter zu akzeptieren, sich zurück zu nehmen, der Jugend, hier dem stürmischen Junker Stolzing, den Vortritt, das Feld im Werben um das holde Geschlecht, zu überlassen. Am Schluss brechen die Verkrustungen auf, winkt neben der Altersweisheit eine farbige Zukunft, die unkonventionell Neues, Anderes, zulässt. Heutiger kann man kaum inszenieren.

Das bewegliche Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann aus trostlosen Häusern samt Kirche dreht sich in alle Richtungen, Fassaden dienen als Kirchenschiff, Schusterstube, Gasse, Festwiese. Alles bricht in der Prügelszene des zweiten Finales in sich zusammen und richtet sich im dritten Aufzug neu, bonbon-farbig auf, ganz wie die Menschen.

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