Samir Akika erkundet mit „Penguins & Pandas“ die Stadien der Liebe

Schweigen und Tanzen

Die unerträgliche Leichtigkeit der Liebe: Ulrike Reinbott schwebt am Theater Bremen durch Samir Akikas neue Choreografie „Penguins and Pandas“. ·
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Die unerträgliche Leichtigkeit der Liebe: Ulrike Reinbott schwebt am Theater Bremen durch Samir Akikas neue Choreografie „Penguins and Pandas“.

Bremen - Von Andreas Schnell. „Together“ leuchtet es in großen Buchstaben über der Bühne. Und manchmal auch „Forever“. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, wie schon die alten Schlagerdichter wussten.

Anders gesagt: Über die Liebe ist schon viel gesagt worden. Nun hat sich Bremens Hauschoreograph des offenbar ewigen Themas angenommen. Es ist dabei weniger interessant, was er dazu mitzuteilen hat. Aber wie er das tut, das ist schon sehr sehenswert.

In einem facettenreichen Bilderreigen erzählt er von den Stadien der Liebe, vom romantischen Kennenlernen, den Verrenkungen, die Menschen unternehmen, der Unsicherheit, den Verdruckstheiten, über den Überschwang der Gefühle, das kleine Glück, das einem immer ganz groß vorkommt, bis hin zum Ende der Gefühle, die nicht einfach dazu führen, dass zwei sich trennen, weil sie zu tief drin stecken, von emotionaler Abhängigkeit über den Betrug bis zum großen Knall, wo – hier dann auch wirklich – Geschirr zu Bruch geht.

Samir Akika und sein Ensemble, The Unusual Symptoms, haben sich hier neu erfunden. Klar, Akika pflegt immer noch eine grelle Ästhetik, einen lauten Stil, der immer wieder auf Popkultur verweist. Der Musiker Jayrope spielt neben knirschenden Drones und subtileren Ambient-Passagen auch Nancy Sinatras „Bang Bang“, dem Quentin Tarantino durch seinen Film „Kill Bill“ vor zehn Jahren zu verspätetem Ruhm verhalf. Und wenn eine Zigarette angezündet wird, sind die dabei entstehenden Geräusche mikroskopartig vergrößert wie in der Kinowerbung, knistert der Tabak, als brennte die Zigarette direkt neben dem eigenen Ohr.

Neu allerdings ist, dass Akika hier ansonsten ganz auf Text verzichtet, wo er bei seinen vorherigen Produktionen die Grenzen zwischen Theater und Tanz immer wieder vehement durchbrach. Zwar tritt gelegentich einer der Akteure ans Mikrofon – aber es kommt beim besten Willen nichts heraus als ein Luftholen, ein Seufzen, ein Stöhnen, ein resigniertes Seufzen. Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man schweigen. Und tanzen.

Manches bleibt dabei unscharf, assoziativ, die Masken zum Beispiel, die eine Zeitlang die Köpfe dreier Ensemblemitglieder, nun ja, zieren: ein Hase, eine Maus, ein Schwein. Anderes ist wieder sehr explizit: Die Domina, die den Mann an der Hundeleine führt, die brave Hausfrau, die sich zuhause grämt, die Braut, die mit erwartungsvollem Blick, als die Rückwände der Bühne schon gefallen sind, die Paare zerrüttet, auf den Sternenhimmel zuschreitet. „Together forever“? Die Liebe stiftet dieses Ewige offenbar nicht – jedenfalls nicht zuverlässig.

Das Ensemble ist wieder mit viel Elan beider Sache, herausragend dabei: Nora Runge, die auch schauspielerisch beeindruckt. Und die beiden Musiker: Jayrope, der den Abend durchgehend begleitet, und bei der Uraufführung am Mittwochabend für den letzten Song von der hinreißenden Sängerin Suetszu begleitet wird. Ach so, Pinguine? Gibt es nicht. Und Pandas auch nicht. Die scheinen aus der Findungsphase übrig geblieben. Vielleicht stehen sie aber auch für die Projektionsflächen, die der jeweils andere in einer Liebesbeziehung ja auch sein kann? Romantisch verklärt, im richtigen Leben doch ganz anders?

Schade nur, dass zumindest Teile des Publikums entscheidende Dinge kaum sehen können: Ein hölzerner Bungalow in der rechten Bühnenhälfte ist von der rechten Seite kaum einsichtig, was die Kamera überträgt, verschwimmt auf der Leinwand. Diese Undeutlichkeit kann kaum gewünscht sein.

Weitere Vorstellungen: am 5., 11. und 24. April, jeweils um 20 Uhr am Theater Bremen.

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