Samir Akikas „Symptom Tanz“ am Theater Bremen

Schule nervt

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Big Brother is watching you: Szene aus „Symptom Tanz“ von Samir Akika. 

Bremen - Von Andreas Schnell. Die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern betrachtet Samir Akika, Hauschoreograph am Theater Bremen, als stets willkommene Frischluftzufuhr, um nicht gänzlich vom Kunstbetrieb aufgesogen zu werden und in Kontakt mit der echten Welt da draußen zu bleiben.

Weshalb er der Klasse des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums weitgehend freie Hand ließ, als es um die Themen des Abends ging, der am Freitagabend unter dem Titel „Symptom Tanz“ im Kleinen Haus am Goetheplatz Premiere feierte.

Kein Wunder, dass „Symtom Tanz“ sich ein wenig anfühlte wie ein Wimmelbild: Mit überbordender Energie erzählten die Schülerinnen und Schüler von dem, was sie bewegt. Natürlich ist das nichts notwendig Neues: Die Schule, sie nervt, das Wochenende ist dazu der intensive Kontrapunkt, Liebe gelingt nicht immer, Herzen brechen, Erwachsene nerven, die Zukunft ist ungewiss. In dieser Hinsicht wohl am spannendsten gerieten die Erörterungen der Durchdringung von virtuellen Realitäten und echten Freundschaften im Zeitalter sozialer Netzwerke, die bis hinein in die Lagerfeuermomente des Lebens ragen und dort Stoff für Gruselgeschichten sind.

Weil sich das alles nur begrenzt mit tänzerischen Mitteln erzählen lässt, wird in „Symptom Tanz“ viel gesprochen, schon am Anfang wird per Monolog eine direkte Ansprache etabliert, werden die letzten eineinhalb Stunden angekündigt, vor dem Zerfall der Gruppe, vor dem Erwachsenwerden – und ganz überhaupt. Da gilt es, aus der Zeit das Maximum herauszuholen in einer Kulisse aus bunten Tapeten, Bildschirmen und einem Riesenmonster, aus dessen Nase ab und an Qualm quillt (Bühne: Gabor Doleviczényi und Tilo Schreieck).

Und weil die Zeit drängt, viel gesagt und getan werden will, läuft der Abend dauerhaft auf mehreren Ebenen zugleich. Da stehen biographische Episoden neben Solo-Tänzen, während auf der Leinwand Bilder aus dem offensichtlich hinter den Kulissen eingerichteten Wohnzimmer, wo die Akteure, die sich gerade nicht auf der Bühne befinden, Botschaften auf Papier schreiben und in die Kamera halten, während der Musiker Martin Basman in oft erhabende Lautstärke eine bunte Mischung aus Pop-Songs, HipHop, elektronischen Beats und vielem mehr unterlegt. Zu seinen Füßen liegt ein buntes Plastikskelett, das während des ganzen Abends nicht ein einziges Mal explizit adressiert wird, ein Verweis auf die Endlichkeit der Dinge, der die Dringlichkeit des Abends subtil verstärkt.

All dies wird grob strukturiert durch kollektive Choreographien, meist inspiriert von Pop-Stilen, wobei einige der Akteure hier beinahe schon professionell wirken. Ach ja, gesungen wird auch noch, auch dies mit bisweilen enormer Innigkeit – ein überbordender Abend eben, von schulhofartiger Intensität in Sachen Lautstärke und anarchischer Energie. Man wünscht sich, oder besser: diesen und anderen jungen Leuten, dass kein Lehrer zu Ruhe mahnt.

Nächste und letzte Aufführung: Sonntag, 18. Mai, um 18.30 Uhr im Kleinen Haus am Theater Bremen.

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