„Schrift der Seele in Tönen“

 Alondra de la Parra dirigiert zum dritten Mal bei der Deutschen Kammerphilharmonie

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Alondra de la Parra

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. „Schrift der Seele in Tönen“ sei die Musik von Frédéric Chopin, sagte der Schriftsteller André Gide. Nicht jedes Konzert bestätigt diesen Satz, wohl aber in extremen Ausmaßen das jüngste der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Der 24jährige polnisch-kanadische Pianist Jan Lisiecki spielt bei seinem Bremen-Debüt in der Glocke den Solopart im Konzert in f-Moll op. 21. Ebenso versonnen wie kraftvoll zupackend, ebenso melancholisch wie heiter-tänzerisch, ebenso traurig wie schalkhaft, ebenso zärtlich wie kämpferisch-mutig realisiert er mit makelloser Technik die verzaubernde Seelensprache seines Landsmannes. Der biografische Hintergrund des Werks, die Liebeserklärung an die Sängerin Constantia Gladkowska, ist unmittelbar nachvollziehbar. Da kann man sich nach diesem Debut auf hoffentlich kommende Auftritte freuen.

Eine gleichwertige Partnerin hat er in der 38-jährigen mexikanischen Dirigentin Alondra de la Parra, die zum dritten Mal Gast bei der Kammerphilharmonie ist. Auch sie spürt verschiedenen Ausdrucksschichten akzentuiert nach und erreicht damit permanente Überraschungen für das Publikum. Gerade der viel gescholtene – weil angeblich ungekonnt orchestrierte – Orchesterpart des Chopinkonzertes liefert ihr die Vorlage für packende, vielschichtige Dramatik. Zu interpretatorischen Juwelen geraten auch die beiden Orchesterwerke: Wolfgang Amadeus Mozarts frühe – der Komponist war gerade einmal 17 Jahre alt – Sinfonie in Es-Dur KV 184. Dieses Werk bietet eine überreiche Vielfalt an Stimmungen und Atmosphären, dass man sich schon wundert, es so selten zu hören. Auch hier: Zauber und Poesie als Schrift der Seele.

Béla Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta aus dem Jahr 1937 ist eins der ganz großen Werke der Orchesterliteratur, was de la Parra und das Orchester einmal mehr beweisen. So stimmungsvoll gerät das Bratschen-Unisono zu Beginn mit seiner ruhig strömenden Fuge, so wild entfalten sich die Rhythmen, so treffsicher und gewaltig verführen die riesigen Crescendi. Die Körpersprache de la Parras überzeugt durch Präzision, aber auch durch ein permanentes Fließen. Zu Recht Ovationen.

Hören:

Die Kammerphilharmonie spielt am Samstag, 20 Uhr in der Glocke in Bremen ein weiteres Konzert mit Nachwuchskünstlern, das de la Parra leiten wird.

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