Bremer Verlag verlegt Friedo Lampe

Schreiben im Fluss

Friedo Lampe - Logbuch-Verlag

Bremen - Von Rolf Stein. Eine spontane, keineswegs repräsentative Umfrage bestätigt die Vermutung des Autors: bedeutende Bremer Schriftsteller? Eher Mangelware. Dabei gibt es ja durchaus welche, auch wenn man Sven Regener nicht dazu zählen mag, Germar Grimsen für zu entlegen hält oder „Heidi“-Erfinderin Johanna Spyri, deren erste literarische Veröffentlichungen an der Weser erschienen, für zu wenig bremisch.

Friedo Lampe, 1899 in Bremen geboren, gestorben 1945, gehört eher zu den vergessenen Dichtern, trotz vehementer Fürsprache von Kollegen wie Hermann Hesse, Wolfgang Koeppen, Walter Jens und anderen. In den letzten Jahren zeichnet sich allerdings eine sich langsam, aber stetig steigernde Aufmerksamkeit ab, die ihren Ausgangspunkt in einer 1999 zum 100. Geburtstag des Dichters aufgelegten Werkausgabe hatte, die – so weit musste es schließlich kommen – im Göttinger Wallstein-Verlag erschien.

Von den Nazis beschlagnahmt

Schon Lampes Debütroman „Am Rande der Nacht“, 1933 erschienen und von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, weil in dem Buch nicht nur homoerotische Neigungen angedeutet, sondern auch eine Liebesbeziehung zwischen einer Bremer Hausfrau und einem Afrikaner geschildert wird, erweist ihn als durch und durch modernen Erzähler. Seinen Erzählfluss beschrieb Lampe selbst einmal treffend als „kleine, filmartig vorübergleitende, ineinander verwobene Szenen“.

Die Nacht und ihre Schatten spielen auch in anderen Werken Lampes eine Rolle, was sich auch in dem morgen im Logbuch-Verlag erscheinenden Band „Das dunkle Boot“ mit Erzählungen, den der Bremer Kulturjournalist Hendrik Werner kompiliert und mit einem Nachwort versehen hat.

„Lustgarten 23:30 abends“ heißt die zweite Geschichte des Bandes, die – nebenbei bemerkt – an genau dem Ort beginnt, an dem auch Peter Weiss' Monumentalroman „Die Ästhetik des Widerstands“ einsetzt: dem Pergamonmuseum in Berlin. Allerdings sind die „wildverknäuelten Leiber des Gigantenkampfes“ für ihn kein Zeichen des Klassenkampfs, sondern eines jener atmosphärisches Details, die Lampe mit virtuosem Strich kombiniert, um in wenigen Zeilen eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Formal verblüfft dabei, wie hier Elemente der amerikanischen Short Story mit surrealen Obertönen verwoben werden. Auch in anderen Geschichten lässt Lampe seine „Capriccios, Arabesken, kleine wunderliche Gewebe“ zwischen diffusem Zwielicht und dem Dunkel der Nacht spielen, wo die Grenzen verwischen und Dinge ins Fließen geraten.

„Lampe, ein Zeitgenosse, Kenner und partieller Adept der zentralen Schriften von Sigmund Freud und Franz Kafka, illustriert in seinen bildmächtigen Erzählungen unentwegt den Umschlag des Heimeligen ins Unheimliche, des Empirischen ins Unwahrscheinliche, des Vertrauten ins Befremdliche“, schreibt Hendrik Werner in seinem Nachwort. „Das dunkle Boot“ bietet nun auch für Novizen einen aufschlussreichen Zugang zu Lampes Schreiben.

Friedo Lampe: „Das dunkle Boot“ (Herausgeber: Hendrik Werner), Logbuchverlag, ab morgen im Buchhandel erhältlich; heute Abend liest Schauspielerin Manuela Weichenrieder im Lox, Bremerhavener Str.aße 41-43, Bremen Texte von Friedo Lampe.

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