Arbeiten von Beuys-Schüler Walter Dahn

Schöpfung und Zerstörung

Die Verweise sind bei Walter Dahn nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbar: „Anne Frank wehrt sich III.“ ...

Hannover - Von Jörg Worat. „As life travels on“: Das ist eine Zeile aus dem Song „Three Steps to Heaven“ von Eddie Cochran. So heißt aber auch eine Ausstellung von Walter Dahn, die in Hannover in der Kestnergesellschaft zu sehen ist und in der es von Querverweisen, vorzugsweise musikalischer Natur, nur so wimmelt.

Bekannt geworden ist der 64-Jährige, lange Jahre Professor an der Brauschweiger Kunsthochschule, vor allem als Mitglied der „Mülheimer Freiheit“ – in den punkigen frühen 80ern machten sich die „Jungen Wilden“ mit expressiven Bildern bemerkbar. Beispiele in diesem Stil finden sich auch in der Ausstellung, etwa ein titelloses Gemälde von 1982, auf dem eine Figur einen schwarz-rot-goldenen Strahl in oder gegen ein amphorenartiges Gefäß strullt. Doch sind dies keineswegs die einzigen Exponate und sicherlich auch nicht die besten.

Dahn kann nämlich auch anders, und das besagte Spiel mit den Zitaten ist von daher besonders interessant, als es unterschiedliche Assoziationen auslösen mag und gar nicht immer zwingend erkannt werden muss – letzteres ist sogar eher unwahrscheinlich, da der Künstler munter durch die Generationen huscht. Wer etwa eine Liste von Songtiteln wie „Ballad of a Thin Man“ oder „Highway 61 Revisited“ sofort Bob Dylan zuordnen kann, muss noch lange nicht wissen, dass die junge Karate-Dame auf dem Bild „Anne Frank wehrt sich“ einem Cover der Band Cornershop nachempfunden ist. In eine Arbeit schmuggelt Dahn zugleich Anspielungen auf die Bands Sex Pistols, The Smiths und The National sowie den US-Dokumentarfilmer Emile de Antonio.

... „Black Beuys“ ...

Das alles wäre recht fragwürdig, wenn es in eine Art Kunst-Quiz ausarten würde. Was aber nicht der Fall ist: Ein mit zwei stark kontrastierenden Farben unterlegter Junge samt Riesenschlange beispielsweise kann auch für jene einige Wirkung entfalten, die keine Kenntnis davon haben, dass dieses Motiv von einem Cover der Band Primal Scream stammt.

... und „Buddhahand“.

Ein weiteres Thema dieser Ausstellung ist das Spiel mit den Techniken, die Verquickung von Medien wie Druck, Malerei oder Fotografie, gern auch so, dass die Zuordnung nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar ist. Besonders schräg stellen sich diese Verwirrtaktiken beim Bild „Die Tiroler sind lustig“ dar: Eine Figur hält ein Schild mit der Aufschrift „Anch’io sono pittore!“ hoch (Correggio soll beim Anblick von Raffaels „Die Verzückung der Heiligen Cäcilia“ ausgerufen haben, dass auch er ein Maler sei) und erinnert stark an eine pixelige Computergrafik – die Pointe ist dann, dass es sich tatsächlich um Acrylmalerei handelt.

Am stärksten allerdings sind die Objektarbeiten, bei denen Dahn, Meisterschüler von Joseph Beuys, seinen Lehrer oft übertrifft. Eine Vitrine mit Sichel und getrocknetem Hopfen oder ein Baumstumpf, aus dem weiß gefärbte Bronzepilze wachsen: Das hat schon etwas von Poesie an sich. Und wie nahe Zerstörung und Schöpfung beieinanderliegen, verdeutlicht der Künstler mit vier sorgsam aufgereihten Flaschenhälsen – die erinnern einerseits an eine wüste Kneipenschlägerei, verweisen aber andererseits auf die „Bottleneck“-Technik beim Gitarrenspielen.

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