Vor 450 Jahren wurden die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden begründet

Vom Schönsten das Beste

Georg Friedrich Dinglinger: Bildnis Augusts des Starken (1712).

Von Veit-Mario ThiedeDRESDEN (Eig. Ber.) · „Vater August“, wie ihn seine Landeskinder nannten, war ein praktisch veranlagter Mann. Der Kurfürst von Sachsen richtete sich anno 1560 im dritten Obergeschoss seines Dresdener Residenzschlosses repräsentative Studienräume mitsamt Werkstatt ein.

In ihr prägte er Medaillen, bearbeitete Holz und Horn oder produzierte aus Elfenbein an der Drechselbank kunstvolle Objekte. In diesen als „Kunstkammer“ bezeichneten Räumlichkeiten wurden Werkzeuge, Gartengeräte und Waffen, astronomische und geometrische Instrumente, Uhren und Automaten sowie von Mensch und Natur hervorgebrachte Kostbarkeiten und Kuriositäten aufbewahrt.

Die von Kurfürst August I. (1526-1586) vor 450 Jahren eingerichtete Kunstkammer gilt als Keimzelle der heutigen Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Mit ihren elf Museen sind sie der älteste und zweitgrößte Museumsverbund Deutschlands. Verzeichnete die von Anfang an unter bestimmten Voraussetzungen für die Öffentlichkeit zugängliche Kunstkammer beispielsweise im Jahre 1642 rund 120 Besucher, ziehen die heutigen Kollektionen jährlich ein internationales Millionenpublikum an. Denn mit ihrer außergewöhnlichen Vielfalt und Qualität gehören sie zu den besten Sammlungen der Kunst und Kulturgeschichte in aller Welt.

Entscheidenden Anteil an der Vielfalt der Sammlungen hat August der Starke (1670-1733) gehabt. Der Kurfürst von Sachsen und König von Polen „legte die Basis für die komplexe Museumsstruktur, die im Wesentlichen bis heute zu erkennen ist und in der Welt kaum ihresgleichen hat“, wie Jens Uwe Sommerschuh im anlässlich des Gründungsjubiläums herausgegebenen Band „Vom Schönsten das Beste“ schreibt. August dem Starken verdanken wir zum Beispiel die Gründung des mit Schatzkunst reich gefüllten Grünen Gewölbes im Residenzschloss und der im Zwinger ausgestellten Porzellansammlung. August III. (1696-1763), der Sohn Augusts des Starken, hat sich besonders um die im Semperbau untergebrachte Gemäldegalerie Alte Meister verdient gemacht. Zu ihren Prachtstücken gehört Raffaels „Sixtinische Madonna“.

Mit der großen Schau „Zukunft seit 1560“, die am 18. April im Residenzschloss eröffnet wird, feiern die Kunstsammlungen ihr Gründungsjubiläum. Deren Reichtum werden Bilder und Skulpturen, historische Waffen und Kostüme, Porzellane, Schatzkunst, Werkzeuge, wissenschaftliche Instrumente, Bücher sowie naturhistorische und ethnografische Objekte veranschaulichen. Kuratorin Karin Kolb kündigt an: „Die Ausstellung deckt in fünf großen Kapiteln Phänomene auf, welche die Entwicklung und Geschicke der Dresdner Sammlungen über 450 Jahre maßgeblich bestimmt haben.“ In der Abteilung „Schöpfung“ geht es um die Gründung der Kunstkammer durch Kurfürst August. Ein anderer Bereich wird dem „Verlangen“ gewidmet: „Zum einen ist dies das Verlangen nach Macht und Position, das sich in der höfischen Repräsentation zeigt, zum anderen die Sammelleidenschaft, das Verlangen nach den schönsten, bedeutendsten und besten Kunstwerken“, wie Karin Kolb erläutert.

Am 7. März wird im Residenzschloss die „Türckische Cammer“ eröffnet. Sie enthält etwa 600 orientalische Prunkreitzeuge, Waffen, Fahnen und Gewänder sowie nach ihrem Vorbild in Europa gefertigte Stücke. Sie kamen im 16. bis 18. Jahrhundert als Staatsgeschenke, Ankäufe und Beutegut an den sächsischen Hof. Ursprünglich handelte es sich bei ihnen um eine Gebrauchssammlung. Unter August dem Starken dienten die Objekte der Repräsentation bei prachtvollen Festen. Nun aber werden sie selbst die Hauptrolle spielen: „So wird der Wechsel von Bereichen mit funkelnden Edelsteinen und Gold in glänzendem Licht und geheimnisvoll abgedunkelten Bereichen ein spannunsgvolles Bild erzeugen“, wie Holger Schuckelt die von ihm konzipierte Präsentation beschreibt. Hauptattraktion wird das zwanzig Meter Lange und sechs Meter hohe osmanische Staatszelt sein, das in den letzten Jahren für 3,6 Millionen Euro restauriert worden ist.

Für Juni ist die Wiedereröffnung des Albertinum angekündigt. Bei der schweren Hochwasserkatastrophe im August 2002 stand das Wasser in den unterirdischen Depoträumen des im späten 19. Jahrhundert zum Museum umgerüsteten Renaissancegebäudes. Daraufhin verkündete Martin Roth, der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Bellotto kommt nicht mehr ins Aquarium. Wichtig ist, dass die Schätze unserer Depots nicht mehr unterirdisch gelagert werden.“ Dafür sorgt nun das vom Architekturbüro Volker Staab entworfene Zentraldepot. In 17 Metern Höhe „schwebt“ die auf zwei Träger und einen Aufzugsschacht gestützte 60 Meter lange stählerne Fachwerkkonstruktion über dem Innenhof des Museums.

Das Albertinum selbst wird in neuer Aufstellung Gemälde und Skulpturen vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart beherbergen. Der Rundgang in der Galerie Neue Meister wird mit Caspar David Friedrichs „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ sowie weiteren Gemälden von ihm und anderen Romantikern beginnen. Es folgen Werke von französischen und deutschen Impressionisten, von Ernst Ludwig Kirchner und den anderen Mitgliedern der in Dresden gegründeten expressionistischen Künstlergemeinschaft „Brücke“.

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