Bremer Galerie K‘ zeigt mit „Blanks“ drei Positionen zu Leerstellen

Schönheit des Nichts

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Leer: „Arch“ von Christian Haake in der Galerie K‘. ·

Bremen - Von Tim SchomackerDie englische Sprache hält für das Wort „Blanks“ ein ganzes Fuder von Bedeutungen bereit. Nahezu alle dieser Bedeutungen umschreiben eine leere (noch oder anders auszufüllende) Planstelle: Die Schreckschusspatrone ersetzt den Schuss, das Leerzeichen ist das Gegenteil des Buchstabens, der Rohling harrt der Formung – oder der Daten, die auf ihm gespeichert werden. Oder werden könnten.

Auf diesem etymologischen kleinsten gemeinsamen Nenner – „Blanks“ – bringt die Galerie K‘ die Arbeiten dreier Künstler aus Bremen. Ein halbes Dutzend nur ist in dem kargen doch charaktervollen Galerieraum zu sehen. An der Wand oder auf einem Tisch.

Der Rundgang (besser, weil der Raum klein ist: der Rundblick) überrascht dabei gleich doppelt. Denn auch wenn eine geschweißte und polierte, ein Stück Wandfläche umschließendes Konturdings einerseits, ein großformatig Grautöne sich gegenseitig verschattendes Gemälde andererseits und zum dritten ein überkopfhoch an der Wand aufgehängtes kleines Objekt voller Leerräume und eigenwilliger Auswüchse weder stilistisch noch produktionsästhetisch wirklich zusammenpassen, könnten die Arbeiten doch von nur einem Künstler stammen. Oder einer Künstlerin.

Nicht minder überraschend ebnen die klar abgegrenzten und wundersam zugleich irgendwie in einander fließenden künstlerischen Positionen zum, nun ja: Thema „Leere“, dass die Künstler mit knapp dreißig, circa Mitte vierzig und ungefähr sechzig doch sehr unterschiedlich alt (und entsprechend verschiedene ästhetisch sozialisiert worden) sind.

Es geht also, auch, um Korrespondenzen. Und zwar solche, die – es handelt sich ja um verschiedene Künstler und Arbeitsweisen – die bei der Herstellung kaum intendiert sein konnten. So liefert „Blanks“ ein schönes Beispiel dafür, wie Korrespondenzen kuratorisch hergestellt (oder doch zumindest ausgestellt) werden können. In diesem Fall eben mal nicht, wie sonst häufig bei Gruppenausstellungen, durch den knalligen Kontrast. Tatsächlich erinnern die Schlieren im Graugemisch von Achim Bertenburgs neuem großformatigen Ölbild „Brand“ an jene, die Christian Haake seinerzeit in seiner Wandarbeit „Zeitung / Die Zeit“ (Kunstverein Ruhr, 2012) aus einer vermanschten und flächig neu ausgestrichenen Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung baute. Zwei ähnlich-verschiedene Echos auf sowohl das „Schwarze Quadrat“ von Malewitsch als auch psychoanalytische Konstellationen. Oder die korrespondierenden Hohlräume in Haakes sehr entfernt an ein Ingenieursmodell von, nun: etwas erinnerndem Wandobjekt „Arch“ sowie in Hannah Regenbergs „Modell“, einem spitz zulaufenden hölzernen Hohlkörper, der von einer Seite betrachtet die Silhouette einer Zeitungsüberschrift zeigt.

Auch wenn fast alle in „Blanks“ gezeigten Arbeiten (Bertenburgs Gemälde vielleicht ausgenommen) durch Leimungen, Klebungen, Prägungen oder – wie in Regenbergs schwarz-kalkulierter Siebdruck-Improvisation „32“ – gezielt ausgestellte „Fehler“ den Produktions-Prozess miterzählen, treten sie aus der Sphäre künstlerischer Material-Suche und -arbeit gewissermaßen gemeinsam heraus. Und präsentieren zusammen eine winzige Zusammenschau, die vor allem Menschen Vergnügen bereiten dürfte, die sich gerne mit wenigen Anhaltspunkten auf immer neue falsche Fährten locken lassen im Zusammenspiel von Erscheinung und Bedeutung.

Die Ausstellung „Bertenburg / Haake / Regenberg – Blanks“ ist noch bis 4. Mai in der Galerie K‘, Alexanderstraße 9b, in Bremen zu sehen.

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