Schöner die Hymnen nie klingen

Vilde Frang Foto: Marco Borggreve

Bremen - Von Markus Wilks. „It’s so wonderful to make music with these two!“, schwärmt die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen im Internet über das Konzert in der Hamburger Laeiszhalle mit Geigerin Vilde Frang und Dirigent Pekka Kuusisto. In dieses Lob stimmt man gerne ein, denn auch das Wiederholungskonzert in der Bremer Glocke bot Künstler, die mit ungewöhnlich delikatem Spiel begeistern.

Vor zwei Jahren feierte Frang ihr - vergleichsweise spätes - Debüt bei der Kammerphilharmonie. Nun konnte man sie erneut in Bremen hören - jedoch außerplanmäßig, denn eigentlich wollte der lange mit dem Orchester befreundete Pekka Kuusisto die Geige spielen und dirigieren, musste sich aber krankheitsbedingt auf das Dirigat beschränken. Gleichsam wie eine Fortsetzung ihres Debüts (mit Strawinskis Violinkonzert) verzauberte sie nun mit einer ungewöhnlich sensiblen, feinste Details ausformenden Interpretation des Beethoven-Konzerts. Frang schließt sich damit der Gruppe Geiger an, die in diesem beliebten Stück vor allem das Sanfte, Unaufgeregte sehen. Ungewöhnlich oft hat Beethoven Begriffe wie „dolce“ und das Piano benutzt, was diese in sich ruhende Interpretation vollauf rechtfertigt. Noch bemerkenswerter ist das Ergebnis: Trotz vollendeter Tonschönheit, Ruhe und Klangsensibilität spielen Frang und die präzise begleitende Kammerphilharmonie voller Spannung und Kurzweile. Gerade im gemeinsamen Konzertieren, beispielsweise im dritten Satz, wenn die durch die Oktaven kreisende Geige dem Solo-Fagott klanglich den Vortritt lässt, zeigt sich das Außergewöhnliche dieser Interpretation. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Kammerphilharmonie in den Tutti-Passagen selbstverständlich auch Kraft und (auch begründet durch die Besetzung mit Barock-Trompeten) die nötige Schärfe an den Tag legt. Im ersten Teil des Konzerts zeigt das Orchester verstärkt die energetischen Seiten seines Spiels. Mit Frank Bridges „3 Idylls for String Quartet“ und Benjamin Brittens „Variations on a Theme of Frank Bridge“ gibt es eine interessante Kombination zweier hierzulande wenig bekannter, aber reizvoller Werke für Streichorchester. Voller Hingabe und Spielfreude stürzt sich die Kammerphilharmonie in die Wiedergabe und arbeitet insbesondere im Britten die ganz unterschiedlichen Stile gekonnt heraus. Das Orchester klingt wieder einmal sehr groß und intensiv, ohne dass man je das Gefühl hat, es müsse eine Spur kleiner sein. Kuusisto gibt präzise vor, was die Musiker in Klänge umsetzen. Und die Zugabe? Da das Beethoven-Konzert nach der Pause erklingt, obliegt es Vilde Frang, das Publikum klanglich zu entlassen: Sie überrascht mit einer intimen, faszinierenden Bearbeitung einer Haydn-Melodie, die wir als deutsche Nationalhymne kennen. Schöner und lieblicher kann eine Hymne nicht klingen.

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