Das Schnürschuh-Theater feiert Premiere

Herr Lehmann kommt nach Haus

Pascal Makowka ist Herr Lehmann
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Pascal Makowka ist Herr Lehmann

Bremen - Von Rolf Stein. Lange musste Bremen auf die Heimkehr seines literarischen Sohnes warten. Helge Tramsen hat am Donnerstag endlich für das Schnürschuh-Theater seine Spielfassung des Regener‘schen Roman-Debüts mit einem fünköpfigen Ensemble zur Premiere gebracht. - Von Rolf Stein.

Dreh- und Angelpunkt des Abends im wörtlichen Sinne ist ein Tresen. Frank Lehmann ist schließlich Barkeeper. Von Beruf würde er wohl nicht reden. Es ist eben das, was er tut. Wo sein bester Freund Karl von einer Künstlerkarriere träumt, scheint Frank – den seine Freunde Herr Lehmann nennen, weil er ja nun 30 wird – keine großen Ambitionen zu haben. Die Idee von Lebensinhalt ist ihm angenehm fremd.

Den Mauerfall, der das Ende von Roman und Lotterleben ist, erlebt er allein, während seine Bekannten feiern – und sein bester Freund in der Psychiatrie gelandet ist. Zuvor passiert, auf den ersten Blick, wenig: Verliebtsein, Betrunkensein, Elternbesuch – einerseits dramatisch genug für einen Phlegmatiker wie den Lehmann. Andererseits Ausdruck einer Lebenskrise, die zu ignorieren selbst ihm nicht mehr völlig gelingt, als die Seifenblase platzt. „Ich gehe erst einmal los“, sagt Lehmann am Ende, „der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.“ Lakonischer ist das Ende des Kalten Kriegs literarisch wohl nie kommentiert worden.

Tramsen hat die Geschichte mit viel Drive und präzisem Timing in einem raffiniert minimalistischen Bühnenbild inszeniert, das, wie angedeutet, vor allem aus einem Tresen auf Rollen besteht, der sich mit wenigen Handgriffen in ein Schwimmbad ebenso verwandeln lässt wie in ein Bett. Pascal Makowka ist ein sympathisch schluffiger Wiedergänger des Frank Lehmann, mit hängenden Schultern und brauner Cordhose, Anna Jäger wirbelt als dessen Schwarm Karin die Szene auf, zeigt aber auch fragile Momente, Ulrike Knospe gelingen mit dem schwulen Keeper Silvio und Lehmanns Mutter exakte Figurenstudien, Matthis Hilbig überzeugt als nur vordergründig kernige Schimanski-Figur Karl. Holger Spengler vervollständigt das Ensemble nebst anderem als schwäbelnder Kneipier, Lehmanns Vater, DDR-Grenzer sowie jener Hund, an dem Lehmann gleich zu Beginn mit List vorbeikommen muss. Ein vergnüglicher Abend nicht ohne Tiefe.

Die nächsten Vorstellungen: Freitag, 4. März, Samstag, 12. März, Freitag, 18. März,

20 Uhr, Schnürschuh-Theater.

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