Eine Feier für Afrikas kulturellen Reichtum

Im Schmelztiegel: „Sauti za Busara“ auf Sansibar

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Die osmanische Festung dient den Musikern als perfekte Kulisse.

Stone Town - Von Rolf Stein. Fotografen und Kameraleute drängten sich Dienstag Vormittag um das Podium im Marumaru-Hotel in Stone Town auf Sansibar, Tansania, als Yusuf Mahmoud (55), Festivaldirektor des „Sauti za Busara“, und Festival-Manager Journey Ramadhan das Programm der 15. Ausgabe des mittlerweile größten ostafrikanischen Musikfestivals vorstellten, das am Nachmittag eröffnet wurde.

Bis Sonntag sind in Stone Town auf drei Bühnen 46 Auftritte von Künstlern aus ganz Afrika und darüber hinaus geplant. Zu den Hauptattraktionen gehören die Kasai Allstars aus Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, die unter anderem in dem Film „Felicité“ von Alain Gomis eine tragende Rolle spielen. Jener Streifen, der im vergangenen Jahr auf der Berlinale einen Silbernen Bären erhielt und für einen Oscar nominiert ist.

20.000 Besucher erwarten Mahmoud und seine 150-köpfige Mannschaft, die Hälfte von ihnen aus Tansania, die übrigen aus anderen afrikanischen Ländern und allen Teilen der Welt. Begonnen hat alles im Jahr 2004, als der gebürtige Brite Yusuf Mahmoud, der seit 20 Jahren auf Sansibar lebt, zum ersten Mal zum „Sauti za Busara“ lud. 

„Die Idee war, ein Festival für Suaheli-Musik zu veranstalten. Ich wollte der unglaublichen Musik, die ich hier kennenlernte und die außerhalb Tansanias völlig unbekannt war, eine Plattform verschaffen“, erzählt Mahmoud am Rande der Pressekonferenz.

„Afrikanische Identität“ als gemeinsamer Nenner

In diesem Jahr stehen Künstler aus Tansania, Reunion, Kenia, Zimbabwe, Burundi, Ruanda, Malawi, Algerien, Ägypten, Kongo, Senegal, Marokko, Uganda und Südafrika auf dem Programm. Einige der Künstler reisen aus der Schweiz oder Norwegen an. Der gemeinsame Nenner kreist um so etwas wie eine „afrikanische Identität“, sagt Mahmoud, nicht ohne zu betonen, dass Afrika selbstverständlich kein Land ist.

Die Musiker aus den verschiedenen Nationen zusammenzubringen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich mit anderen afrikanischen Spielweisen bekannt zu machen und sich zu vernetzen, ist ein weiterer wichtiger Aspekt des Festivals, dessen Name auf Deutsch „Stimmen der Weisheit“ bedeutet.

Dabei geht es nicht nur um die Musiker. In einer Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Movers and Shakers“ treffen sich täglich Journalisten, Manager, Künstler zum Austausch über Themen wie Frauen in der ostafrikanischen Musik oder die Frage, ob Musik mehr sein kann als stromlinienförmige Unterhaltung.

Parade zur Eröffnung

Bevor das Musikprogramm in der alten osmanischen Festung in Stone Town startete, feierte „Sauti za Busara“ Dienstag mit einer Parade durch die Stadt seine Eröffnung. Dass das Festival nicht nur für betuchte Touristen zugänglich ist, ist den Organisatoren ein großes Anliegen. Die Eintrittspreise sind gestaffelt: Wer aus Europa oder den USA kommt, legt 120 Dollar auf den Tisch, Tansanier zahlen umgerechnet rund zehn Dollar. Und weil laut Yusuf Mahmoud selbst das für nicht wenige noch zu viel ist, gibt es auch eine Bühne außerhalb der Festung.

Ökonomisch ist das derweil seit Anbeginn ein Drahtseilakt, erklärt Mahmoud. Staatliche Förderung gibt es keine. Vor allem private Sponsoren, aber auch die Botschaften der Schweiz, Dänemarks und Deutschlands unterstützen das Festival, 25 bis 30 Prozent des Etats von mittlerweile rund einer halben Million US-Dollar wird durch Eintrittsgelder finanziert. Die Rechnung geht nicht immer auf. 

In diesem Jahr musste aus Kostengründen die in Brooklyn lebende sudanisch-stämmige Musikerin Alsarah absagen. Und vor zwei Jahren fand „Sauti za Busara“ gar nicht statt. Es habe wegen der finanziellen Schwierigkeiten öfter Überlegungen gegeben, das Festival zu verlegen, sagt Mahmoud. Allerdings sei es sehr schwierig, einen besseren Veranstaltungsort als die alte Festung zu finden, in der das Festival seit seiner zweiten Ausgabe stattfindet.

Bis Sonntag ist das Geld aber Nebensache. Im kulturellen Schmelztiegel Sansibar geht es jetzt um mehr: Begegnungen, Austausch und natürlich um eine Feier des kulturellen Reichtums Afrikas.

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