Kulturdeputation vertagt Entscheidung zur Weserburg

Absicherung des Prekären

Eine Stadt entsorgt ihr Museum: Behauptet jedenfalls der Betriebsrat des Museums Weserburg.
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Eine Stadt entsorgt ihr Museum: Behauptet jedenfalls der Betriebsrat des Museums Weserburg.

Bremen - Von Andreas Schnell und Mareike Bannasch. Claas Rohmeyer, kulturpolitischer Sprecher der Bremer CDU, sprach am Dienstag hinsichtlich der Weserburg von einer „unendlichen Geschichte“, wenn auch von einer mittlerweile eher unangenehmen.

Und auch wenn es zwischendurch immer mal wieder schien, als sei die Zukunft des ersten deutschen Sammlermuseums gesichert, durfte das Publikum zur Kenntnis nehmen, dass davon die Rede bis auf Weiteres noch nicht sein kann.

Am 23. November hatten sich das Kulturressort und der Stiftungsrat der Weserburg auf eine Förderung des Hauses für die kommenden fünf Jahre in Höhe von jährlich 1,076 Millionen Euro zuzüglich 200000 Euro für das Zentrum für Künstlerpublikationen geeinigt. „Vorgesehen ist, einen Kontrakt zu vereinbaren, in dem die Zahlungen für die kommenden fünf Jahre verlässlich für beide Seiten festgeschrieben werden“, heißt es in der Vorlage für die Kulturdeputation. Damit sei die Erfüllung des Stiftungszwecks möglich.

Peter Friese, Direktor des Neuen Museums Weserburg, ist da allerdings dezidiert anderer Ansicht. Diese Fördersumme entspreche dem Stand von vor 2004. Die Entscheidung des Stiftungsrats sei, so Friese am Dienstag, „ausdrücklich mit dem Vorbehalt zustande gekommen, dass die Stiftung ihren Rechtsanspruch auf auskömmliche Mittel behält, soweit die 1,276 Millionen Euro nicht ausreichen.“ Und das werden sie nicht, da ist sich Friese sicher.1,8 Millionen brauche die Weserburg, um als Museum mit Strahlkraft arbeiten zu können, das habe die Arbeit der letzten Jahre gezeigt. Die von Stiftungsrat und Kulturbehörde anvisierte Summe genüge weder für einen neuen Pressesprecher noch für eine Stelle für den Bereich Kunstvermittlung.

Dieser Meinung ist auch der Betriebsrat der Weserburg, der in einer Pressemitteilung noch einmal nachlegte, und vor allem die kaufmännische Geschäftsleiterin, Swantje Markus, kritisierte. So sei mit ihr vor der Sitzung am 23. November ein Stellen- und Wirtschaftsplan besprochen worden, der auf eine Forderung von 1,8 Millionen Euro abgezielt hätte. Statt diese Summe zu fordern oder zumindest einen Kompromiss zu erzielen, hätten die Stiftungsorgane stattdessen das Angebot in Höhe von 1,3 Millionen Euro akzeptiert. „Wie durch ein Wunder hatte die kaufmännische Geschäftsleiterin rechtzeitig zur Stiftungsratssitzung im November 2015 einen neuen Stellen- und Wirtschaftsplan parat, der genau dieser Summe entsprach und von dem der Betriebsrat zuvor keinerlei Kenntnis hatte“, wird Markus in dem Schreiben beschuldigt.

Man könnte nun von einem simplen Kommunikationsfehler sprechen – oder aber von absichtlicher Irreführung. Für den Betriebsrat wohl eher zweites, zumal das Gremium in dem Vertrag einen deutlichen Fingerzeig Richtung Reduzierung der Museumsflächen und des Personals ausmacht. Retter in dieser ausweglosen Lage könne daher auch nur einer sein: Museums-Direktor Peter Friese. Trotz seines im Jahr 2017 anstehenden Ruhestands sei es seine Pflicht, seinem Nachfolger einen auskömmlichen Haushalt zu sichern. Eine Aufforderung, der Peter Friese mit seiner Forderung nach mehr Geld gestern noch einmal vehement nachgekommen ist.

Diesem Standpunkt steht jedoch die Position der breiten Masse gegenüber, die auf die traditionell schlechte Bremer Haushaltslage verweist. Unter den finanziellen Rahmenbedingungen sei nicht mehr drin. Verhandlungspartner der Kulturbehörde sei überdies der Stiftungsrat. Und der hat dem Vorschlag nun einmal zugestimmt. Zudem betonte Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (SPD) die Planungssicherheit, die mit dem Fünfjahresplan herrsche, ein Modell, dass sich unter anderem schon bei der Schwankhalle und dem Theater Bremen bewährt habe.

Was am Dienstag beschlossen wurde, war dann lediglich eines: Die Deputation bittet den Senator für Kultur, mit dem Neuen Museum Weserburg einen Kontrakt auszuarbeiten und der Deputation vorzulegen. Der Verbleib des Museums mitsamt dem Zentrum für Künstlerpublikationen und der GAK – Gesellschaft Aktuelle Kunst auf dem Teerhof indes ist immer noch nicht beschlossen. Die Deputation folgte damit Claas Rohmeyer, der eingewandt hatte, dass es keine Zahlen zu Umbaukosten oder öffentlichen Mitteln gäbe und eine Entscheidung nicht möglich sei.

„Es ist alles offen“, stöhnte Peter Friese nach der Sitzung. Spätestens zu Beginn des Umbaus müsse ohnehin neu verhandelt werden. Im neuen Jahr trifft sich die Kulturdeputation wieder. Ein weiteres Kapitel der unendlichen Geschichte.

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