Schauspiel Hannover öffnet neue Türen

Jetzt erst recht

Judith Gerstenberg
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Judith Gerstenberg

Hannover - Von Jörg Worat. Der Abschied in zwei Jahren ist gewiss – da kann man’s ein bisschen gemächlicher angehen lassen? Weit gefehlt, zumindest was die Führungscrew des hannoverschen Staatsschauspiels betrifft, die zur Spielzeit 2019/20 den Staffelstab an die neue Intendantin Sonja Anders übergeben wird.

„Wir fangen jetzt nicht an, das Theater nur noch zu verwalten“, betont Chefdramaturgin Judith Gerstenberg. „Im Gegenteil, gerade jetzt wollen wir neue Türen öffnen.“

So wartet das jüngst bekannt gegebene Programm für die Saison 2017/18 mit mancherlei Überraschungen auf. Die vielleicht spektakulärste ist die Umgestaltung des neben dem Schauspielhaus gelegenen Cumberland-Komplexes: „Die festen Zuschauertribünen der Cumberlandschen Bühne werden herausgenommen“, erläutert Gerstenberg. „Wir haben dann einen Raum, der die unterschiedlichsten Spielsituationen ermöglicht.“ Zugleich verschwimmen die Grenzen zum Treppenhaus des Gebäudes, der Cumberlandschen Galerie – beides firmiert künftig unter dem gemeinsamen Label „Cumberland“.

Indendant Walburg inszeniert „Hool“

Natürlich hat man sich für den Start etwas ganz Besonderes ausgedacht: Geplant ist eine zehnteilige Theaterserie, die unter dem Titel „Eine Stadt will nach oben“ in die Geschichte Hannovers eintaucht. Je zwei Folgen werden dabei von fünf verschiedenen Regisseuren inszeniert, darunter Alexander Eisenach, der neue Hausregisseur, der zudem auf der großen Schauspielhaus-Bühne seine Version von Ibsens „Hedda Gabler“ vorstellen wird.

Ein spezieller Coup ist die Theaterfassung von „Hool“. Kaum ein Roman ist zuletzt so viel diskutiert worden wie Philipp Winklers Debüt: „Wir haben immer wieder Anrufe von Regisseuren bekommen, die uns auf diesen Stoff hinweisen wollten“, berichtet Gerstenberg, „und konnten sagen: Wir haben schon die Rechte daran.“ Intendant Lars-Ole Walburg ließ es sich nicht nehmen, höchstpersönlich zu inszenieren – das Projekt ist eine Kooperation mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, wo es gestern die Uraufführung erlebt hat, während die Hannover-Premiere für den 23. September angesetzt ist.

Saisoneröffnung mit Medea am 31. August

Saisoneröffnung auf der großen Bühne soll am 31. August die monströse Geschichte von Medea „nach Franz Grillparzer und anderen“ sein. Wer Klassiker schätzt, wird auch beim Jungen Schauspiel bedient, das sein Zehnjähriges feiert, mit Barbara Kantel eine neue Leiterin hat und am 8. September im Ballhof zum Auftakt der Spielzeit Schillers „Kabale und Liebe“ ins Rennen schickt: „Das Aufbegehren gegen alte Wertsysteme“, sagt Kantel, „ist immer ein aktuelles Thema, gerade in der heutigen Zeit, in der viele Menschen ja spüren, dass sich offenbar etwas Grundlegendes in der Gesellschaft ändert.“

Sehr gespannt darf man auf die Uraufführung der gewaltigen Sagensammlung „Die Edda“ sein, passenderweise von dem isländischen Duo Thorleifur Örn Arnarsson und Mikael Torfason bearbeitet. Was dabei herauskommt, ist ab dem 15. März 2018 zu erleben, und zwar nach einer ungewöhnlich langen Probenzeit: „Wir haben drei Monate dafür angesetzt“, erläutert Gerstenberg. „Uns scheint, dass gerade bei diesem Stoff die Möglichkeit bestehen muss, verschiedene Wege auszuprobieren – auch wenn sich zwischendurch einer davon mal als Irrweg erweisen sollte.“

Dass übrigens von Auflösungserscheinungen kaum die Rede sein kann, zeigt auch der Tatbestand, dass es mit einer Ausnahme keine Wechsel im Ensemble gibt: „Offenbar“, resümiert Gerstenberg, „waren unsere Pläne für die letzten Spielzeiten in Hannover überzeugend genug.“

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