Update: Für Grimme-Preis nominiert

„Tatortreiniger“ Bjarne Mädel gibt nach 31 Folgen den Wischmob ab

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Auf Heiko „Schotty“ Schotte (Bjarne Mädel) kommt wieder Arbeit zu – aber das Ende ist absehbar.

Hamburg - Von Ulla Heyne. „Verstehst Du es denn nicht – es ist Schluss!“ Als Merle (Jule Böwe), die Dauergeliebte des „Tatortreinigers“ Schotty alias Bjarne Mädel am Sonntag bei der Preview auf der Leinwand des Hamburger Schauspielhauses das Ende verkündet, bevor „Schotty“ symbolträchtig mit dem Fahrstuhl in den Orkus des Serienendes gleitet, herrscht im Hamburger Schauspielhaus Betroffenheit.

Update „Tatortreiniger“: Letzte Folge für Grimme-Preis nominiert

Die letzte Folge des „Tatortreinigers“ (NDR) mit Bjarne Mädel ist in der Kategorie Fiktion für den Grimme-Preis nominiert werden. Das gab das Grimme-Institut am Donnerstag bekannt. Die NDR-Produktion konkurriert mit der ZDF-/Arte-Produktion „Bad Banks“ und „Das Boot“ von Sky/Bavaria Fiction.

Der undotierte Grimme-Preis wird in den vier Kategorien Fiktion, Information und Kultur, Unterhaltung sowie Kinder und Jugend vergeben und gilt als einer der wichtigsten Auszeichnungen für Qualitätsfernsehen in Deutschland. Am 26. Februar werden die bis zu 16 Sieger bekanntgegeben, am 5. April wird der 55. Grimme-Preis verliehen. Diesmal war aus 850 Einreichungen und Vorschlägen ausgewählt worden.

Feierabend nach sieben Staffeln

Bei der siebten und letzten Staffel kehrte die Preview, ursprünglich eine Vorstellung fürs Team und längst zur Veranstaltung mit Kultcharakter avanciert, am Sonntagabend zurück zu ihren Wurzeln. Neben Mädel, dem Gesicht der Serie, Regisseur Arne Husemann und dem Team hatten sich zahlreiche Mitstreiter der vergangenen 31 Folgen versammelt, um mit den letzten vier Folgen des öffentlich-rechtlichen Comedy-Bollwerks eine Lanze für Unterhaltung mit Niveau zu brechen.

Die vorhergehenden drei Folgen haben subsumiert, was den Erfolg der Serie ausgemacht hat: skurrile Begegnungen, geniale Dialoge und eine kongeniale Kameraführung, verbunden mit dem Luxus einer eigenen Filmmusik (Carsten Meyer), und die Leichtigkeit, mit der ernste Themen durch den etwas einfach gestrickten Weltenstauner mit dem Herz auf der Zunge angegangen werden. 

In „Currywurst“ zum Beispiel der Kunstbetrieb mit der Frage nach Sinn und Wert von Kunst; in „Der Kopf“ findet sich „Schotty“ unversehens im Hirn eines Patienten im Wachkoma wieder. Was ist lebenswert, was selbstbestimmtes Leben und Sterben – solch ein Umgang mit essenziellen Themen wird fehlen. 

Das „kleine Drecksformat“ hat sich gemacht

Ebenso wie der Gegenentwurf in der nächsten Folge, in der sich Olli Schulz, Jan Georg Schütte und Werner Wölbern die Bälle – nein: Filzgleiter – zuklamauken. Kann man eine halbe Stunde lang über Filzgleiter reden? Locker: benennungstechnisch, philosophisch oder inhaltlich – Loriots Abhandlung über Nuancen des Graus lassen grüßen.

Die letzten vier Folgen: Paradebeispiele der leichten Feder von Ingrid Lausund alias „Mizzy Meyer“. Ihre Stücke spielte der junge Mädel hier im Hamburger Schauspielhaus, später schrieb sie dem schnoddrigen norddeutschen Prototyp in der als „kleines Drecksformat“ (O-Ton Regisseur Arne Feldhusen) gestarteten Comedy die Texte auf den Leib – und sie war es auch, die auf dem Höhepunkt des Erfolgs (deutscher Fernsehpreis, Grimmepreis und sogar ein Preis für Menschenrechte) den Stecker zog. 

Hut ab, auch dafür: Sich nicht wiederholen zu wollen, nichts mehr zu sagen zu haben: Diese Entscheidung tragen die Hauptakteure mit bewundernswerter Konsequenz mit. Das Resümee der Serie lässt Mizzi Meyer die Geliebte Merle in ihrem Rehearsal von „Schottys“ Grabrede ziehen: „Du hast die Welt ehrlicher, heiterer und sauberer gemacht – professionell, präzise und großherzig.“

Der Tatortreiniger hat Spuren hinterlassen

Kein Wunder, dass Mädel ein wenig betroffen wirkt, als das Licht im Schauspielhaus angeht und die vielen Köpfe auf die Bühne kommen, die das Werk zu etwas Besonderem, einem Leuchtturm im Flachland des TV-Alltags gemacht haben. Der Erfolg des Teams fußt wohl auch auf der Freiheit durch den produzierenden NDR: „Die haben uns einfach machen lassen!“

Am Ende entzieht sich „Schotty“ auch dem für ihn zugedachten Tod durch Blumentopf – im Showdown duckt er sich unter den Wurfgeschossen weg, um zu einem Sergio-Leone-artigen Abgesang in den Orkus zu gleiten. Mit den alten Wegbegleitern, von denen am Sonntagabend reichlich auf der Bühne des Schauspielhauses versammelt sind, möchte man ihm nachrufen: „Saubere Arbeit, Schotty!“ Auch wenn – oder nein: gerade weil er Spuren hinterlässt.

Die ersten beiden Folgen der letzten Staffel des „Tatortreinigers“ sendet der NDR Dienstag ab 22 Uhr, die letzten beiden Mittwoch zur gleichen Zeit.

Mit Material der dpa

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