Soziale Medien und Arroganz

Ernste Botschaften: Sascha Lobo im neuen Bremer Presse-Club

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Der IT-Experte Sascha Lobo ist vielen vermutlich vor allem aufgrund seiner auffälligen Frisur bekannt.

Bremen - Von Luka Spahr. Sascha Lobo hatte am Donnerstagabend eine ernste Botschaft an die versammelten Journalisten im Bremer Presse-Club: „Es wird nie wieder so wie früher.“ Denn: „Ihr habt diesen Rückkanal geschaffen.“ Der IT-Experte und Kolumnist mit dem markanten Irokesen-Schnitt meint damit die Sozialen Medien. Um die ging es bei der Aufzeichnung des ersten „Freiraum“-Podcasts im frischrenovierten Presse-Club im Bremer Schnoor-Viertel vor allem.

Zur Einweihung der Räume und zum Auftakt der neuen Podcast-Reihe hatte der vor drei Jahren verjüngte Vorstand des Presse-Clubs um Radio-Bremen-Journalist Justus Wilhelm mit Lobo einen besonderen Gast zum Gespräch eingeladen. Rund 70 Journalisten und Interessierte waren erschienen, um dem Gespräch zwischen dem Berliner und Wilhelm, das im Radio und im Internet live übertragen wurde, beizuwohnen.

„Wir steuern auf eine Zeit zu, wo Soziale Medien für eine bestimmte Altergruppe komplett alternativlos sind“, stellt Lobo gleich zu Beginn des fast dreistündigen Abends klar. Eine erste Rüge fängt sich Wilhelm ein, als er Netzwerke wie Facebook und Twitter, aus Lobos Sicht, zu eindimensional darstellt. Jene seien sehr komplexe „Emotionsmedien“. „Je mehr Gefühle, desto mehr Engagement“, fasst er zusammen. Journalisten mahnt Lobo, die Kommentare der Online-Nutzer ernster zu nehmen und mit einzubinden. Nur so könnten diese an die Marke gebunden werden. Es sei ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Menschen für Informiertheit bezahlen wollen würden.

Lobo spricht von „respektvollem Hass“ im Netz

Dass es im Netz nicht nur Hasskommentare gebe, zeigt der 43-Jährige am Beispiel der Community seines eigenen Podcasts. Dort sei „das Nichtschwimmerbecken der Sozialen Medien, was Hass angehe“. Und es sei der „respektvollste Hass, den man sich vorstellen kann.“

Auch den zunehmenden Rechtspopulismus thematisiert Lobo, der sich selbst als linksliberalen Demokraten bezeichnet. Zur AfD und zum Fall Magnitz sagt er: „Wir wissen von Anfang an, dass die AfD Nachrichten manipuliert.“ Wie Bürger durch die sozialen Netzwerke getäuscht und „gehackt“ werden können, zeigt er am Beispiel Trump. 

Sascha Lobo zu Gast im Bremer Presse-Club

Sascha Lobo zu Gast beim Bremer Presse-Club
Netzaktivist Sascha Lobo war zu Gast in Bremen. © Luka Spahr
Sascha Lobo zu Gast beim Bremer Presse-Club
Netzaktivist Sascha Lobo war zu Gast in Bremen. © Luka Spahr
Sascha Lobo zu Gast beim Bremer Presse-Club
Netzaktivist Sascha Lobo war zu Gast in Bremen. © Luka Spahr
Sascha Lobo zu Gast beim Bremer Presse-Club
Netzaktivist Sascha Lobo war zu Gast in Bremen. © Luka Spahr
Sascha Lobo zu Gast beim Bremer Presse-Club
Netzaktivist Sascha Lobo war zu Gast in Bremen. © Luka Spahr
Sascha Lobo zu Gast beim Bremer Presse-Club
Netzaktivist Sascha Lobo war zu Gast in Bremen. © Luka Spahr
Sascha Lobo zu Gast beim Bremer Presse-Club
Netzaktivist Sascha Lobo war zu Gast in Bremen. © Luka Spahr
Sascha Lobo zu Gast beim Bremer Presse-Club
Netzaktivist Sascha Lobo war zu Gast in Bremen. © Luka Spahr
Sascha Lobo zu Gast beim Bremer Presse-Club
Netzaktivist Sascha Lobo war zu Gast in Bremen. © Luka Spahr

Kleine Frotzeleien in Richtung der öffentlich-rechtlichen Medien blieben da nicht aus. Sehr zur Begeisterung des Publikums, das auch in der anschließenden Diskussion immer wieder über Lobos trockenen Humor lacht. Auf die Frage, ob ihn die Vorwürfe, er sei arrogant, stören würden, antwortet Lobo: „Nö, weil es ja stimmt.“  

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