Kunsthalle Bremen eröffnet anderen Blick auf ihren Bestand

Sammlung mit neuen Akzenten

Gegen die Schlachtenverherrlichung der alten Meister: Franz Radzwills „Die Klage Bremens“. Foto: Freie Hansestadt Bremen – Senatskanzlei, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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Gegen die Schlachtenverherrlichung der alten Meister: Franz Radzwills „Die Klage Bremens“. Foto: Freie Hansestadt Bremen – Senatskanzlei,

Bremen - Von Rolf Stein. Klingt fresh, naja, so einigermaßen: „Remix 2020. Die Sammlung neu sehen“. So nennt die Bremer Kunsthalle ihre aktuelle Ausstellung. Die Gelegenheit war günstig: Im vergangenen Jahr räumte das Haus alles aus und zeigte die aufwändige Schau „Ikonen“, in der jedem der teils illustren Werke oder einzelnen Werkgruppen ein eigener Raum gewidmet war. Beinahe pünktlich zum Beginn der Corona-Pandemie endete diese Ausstellung – und die hauseigene Sammlung zog wieder ein. Zeit, lange nicht gezeigte Stücke wieder hervorzuholen und neu zu kombinieren.

Das Prinzip des Remix, vor allem aus der elektronischen Musik bekannt, besteht darin, aus den Tonspuren eines Musikstücks durch eine neue Akzentuierung, zusätzliches Klangmaterial, Wiederholung und Auslassung etwas Neues zu schaffen, in dem das Alte immer noch mitschwingt.

Nun ist eine Sammlung, zumal die der Kunsthalle Bremen, die Jahrhunderte von Kunst umfasst, eben kein Stück Musik, das zwar länger als ein Menschenleben sein kann, wie „Organ2/ASLSP“ von John Cage, das in der Aufführung von Halberstadt auf 639 Jahre kommen soll. Sondern sie ist eben, man verzeihe die Selbstverständlichkeit, eine Sammlung.

Als solche umfasst das Konvolut, das die Kunsthalle nun nach der corona-bedingten Schließphase präsentiert, nicht nur mehrere Jahrhunderte, sondern auch die ganze thematische Palette der bildenden Künste, sozusagen von der Wiege bis zur Bahre, mit allem, was sich so dazwischen und jenseits davon ereignen mag. Und dann erzählt eine Sammlung immer noch ihre eigene Geschichte, die wiederum mit dem Ort verwoben ist, an dem sie beheimatet ist.

All dies soll „Remix 2020“ abbilden – und tut es freilich auch. Es versteht sich ja, dass die Präsentation der hauseigenen Sammlung wenn schon nicht vollständig, dann aber doch einigermaßen umfassend zu sein hat an einem Ort wie der Kunsthalle. Was, um im Remix-Bild zu bleiben, dem neu abmischenden Musiker eine Materialfülle aufnötigt, die kaum zu bewältigen ist.

Dass es dabei eher um Akzente als um eine grundstürzende Neuinterpretation der Sammlung geht, überrascht deshalb kaum. Auffällig: Die Wände der Kunsthalle, schon für die „Ikonen“ in frische Farben getaucht, wurden noch einmal neu gestrichen. Die Maler hätten gut verdient an der Kunsthalle, scherzt Direktor Christoph Grunenberg denn auch bei der Pressekonferenz.

Das wohl wichtigste Resultat des Remixes ist derweil die Sichtbarkeit zeitgenössischer Kunst, die sich einmischt, wo sich etwa niederländische Marinemalerei des 17. Jahrhunderts allzu selbstgefällig breitmachen will. Sie muss nun damit leben, dass Hew Lockes Schatzschiff prominent im Raum hängt. Diese Arbeit war vor einigen Jahren Teil der Ausstellung „Der blinde Fleck“, die sich kritisch mit Bremen und der Kunst in der Kolonialzeit auseinander setzte, und lässt keinen Zweifel an der Gewalthaltigkeit der auf den Gemälden gefeierten Unternehmungen. Und wo Künstler einst heroische Schlachtgemälde malten, zeigt der umstrittene Franz Radziwill Bremen in Schutt und Asche. Insofern hat sich der Remix durchaus gelohnt, mal abgesehen davon, dass man an der Kunsthalle ja ohnehin kaum vorbei kommt.

Sehen: Ab Samstag, Kunsthalle Bremen

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