Clash of Cultures mit elegantem Streicherklang: Das Kammerphilharmonie-Festival „Sommer in Lesmona“

Säbeltanz im Trockenen

Eleganter Culture Clash: Die New York Gypsy All-Stars überzeugten bei ihrem Auftritt im Rahmen des Bremer Festivals „Sommer in Lesmona“. ·
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Eleganter Culture Clash: Die New York Gypsy All-Stars überzeugten bei ihrem Auftritt im Rahmen des Bremer Festivals „Sommer in Lesmona“. ·

Bremen - Von Andreas SchnellAls „einziges wetterunabhängiges Open-Air-Festival Deutschlands“ titulierte Albert Schmitt, Geschäftsführer der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen den „Sommer in Lesmona“. Und die Sonne machte gute Miene zum exzellenten Spiel des Orchesters, das schon manch verregnete Ausgabe des Sommers an der Lesum miterlebt hat.

Nur ein paar Tropfen kamen am Freitag vom Himmel, ansonsten konnten sich die über 3 000 Besucher ungestört an ihrem Picknick und der Musik erfreuen, die diesmal im Zeichen des Orients stand. Zumindest des idealisierten Bildes, das die Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts davon hatten.

Mozarts „Entführung aus dem Serail“, Verdis „Aida“, aber auch die „Morgenstimmung“ aus Edvard Griegs „Peer Gynt Suite“ standen auf dem Programm, neben einigen neueren Werken wie Aram Chatschaturjans berühmtem „Säbeltanz“, der im Laufe des Wochenendes gleich mehrmals erklang, davon gleich zweimal am Samstagabend beim „Großen Orchesterkonzert“, das schon im Voraus ausverkauft war.

Auch wenn das Programm vorwiegend bekannte Werke führte, ein bisschen musikalisches Abenteuer gehört zum „Sommer in Lesmona“ doch dazu. In diesem Jahr kam es in Gestalt der New York Gypsy All-Stars, die am Freitag den zweiten Teil des Abends mit einer virtuosen wie mitreißenden Mixtur Klänge vom Balkan und aus der Türkei mit Swing und Latin fusionierten. Am Samstag stießen die New Yorker dann auf die Gastgeber: Gemeinsam musizierten die zumindest oberflächlich betrachtet so unterschiedlichen Formationen im Rahmen des Orchesterkonzerts.

Nachdem die Kammerphilharmonie unter der Leitung von Aziz Shokhakimov, mit seinen gerade mal 23 Jahren bereits Leiter des usbekischen Nationalorchesters, unter anderem mit prachtvoll ausgemalten Interpretationen von Griegs „Anitras Tanz“ aus der Peer Gynt Suite und Chatschaturjans „Tanz der jungen Kurden“ vorgelegt hatten, stießen die New York All-Stars dazu. Im ersten gemeinsamen Stück „Cross Winds“ lief der ungewöhnliche Crossover noch nicht ganz rund, fand aber schon bald zu einer interessanten Balance zwischen üppigem Orchesterklang und zupackendem Band-Sound. Mit dem „Triumphmarsch“ aus Aida ging es in die Pause.

Die „Morgenstimmung“ aus der Peer Gynt Suite eröffnete den zweiten Teil des Abends, der mit einer echten Überraschung aufwartete: Die gerade einmal zwölf Jahre alte Violinistin Anna Wassenberg betrat das Podium, um mit der Kammerphilharmonie einen Auszug aus Pablo Sarasates „Zigeunertänzen“ zu präsentieren, ein virtuoses Stück, mit allerlei technischen Schwierigkeiten gespickt, die die junge Solistin bemerkenswert souverän bewältigte.

Nach dem „Chinesischen Tanz“ aus Carl Nielsens Aladdin Suite kamen dann noch einmal die New York Gypsy All-Stars auf die Bühne. Mit der Kammerphilharmonie spielten sie zwei weitere Stücke aus dem All-Stars-Programm. In „Outcry“ arbeiteten die Musiker das Potenzial dieses Clash of Cultures schließlich exzellent heraus und verpassten der Komposition des Kanun-Spielers Tamer Pinarbasi, der immer wieder mit aberwitzigen Solo-Passagen brillierte, einen geradezu funkigen Drive mit elegantem Streicher-Hintergrund.

Mit dem „Säbeltanz“, zwei Stücken aus Nielsens Aladdin Suite und Camille Saint-Saens und dem abschließenden „Bacchanale“ aus Samson et Dalila gab sich das Publikum aber noch längst nicht zufrieden. Zweimal kam die Kammerphilharmonie mit den New York Gypsy All-Stars zurück, und zur dritten Zugabe gab es schließlich noch einmal den „Säbeltanz“.

Holger Hettinger, der mit angenehm trockenem Humor durch das Programm führte, gab den Musikern der Kammerphilharmonie noch ein dickes Lob mit: In Berlin blicke man durchaus neidisch nach Bremen ob solch eines Orchesters.

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