Ruth Waldburger erhält den 17. Bremer Filmpreis / Zum ersten Mal wird eine weibliche Produzentin geehrt

Bloß nicht ans Filmset

+
Sie macht mit „Johnny Suede“ Brad Pitt einem breiteren Filmpublikum bekannt: Ruth Waldburger.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Casting für „Johnny Suede“: Gesucht wird ein Tolle tragender Möchtegern-Schauspieler – und Brad Pitt soll es machen. Einziges Problem: Den kennt 1991 kein Mensch. Egal, befinden Regisseur und Produzentin und beweisen den richtigen Riecher. Zumindest was den Hauptdarsteller angeht, den Film kennt hier immer noch kaum jemand. Genauso wie die Frau hinter den Kulissen von „Johnny Suede“, als Produzentin ist Ruth Waldburger naturgemäß eher hinter den Kulissen anzutreffen. Zumindest war das bisher so, gestern hat sich das geändert. In Bremen nahm die Schweizerin den 17. Filmpreis entgegen. - Von Mareike Bannasch.

Der Filmpreis für Waldburger, das ist keine radikale Juryentscheidung, aber immerhin eine ungewöhnliche. Gab es bisher doch nur einen Produzenten, der diese für alle Branchen des Films gedachte Auszeichnung bekommen hatte, und zwar Karl Baumgartner im Jahr 2003. Nun also eine Frau, eine der wenige im Reigen der männlichen Produzenten und noch dazu eine sehr erfolgreiche. Die Entdeckung von Brad Pitt ist da nicht mehr als eine Randnotiz.

1951 in Herisau geboren, lebt und arbeitet die Schweizerin seit 1970 in Zürich. Dort war sie zunächst Sekretärin und Produktionsassistentin, bevor sie 1977 begann, als freischaffende Filmtechnikerin zu arbeiten. Von dort war es dann nur noch ein kleiner Schritt zur Produzentin.

Hinter mehr als 80 Filmen steht mittlerweile der Name der 63-Jährigen. Die sich täglich mit weitaus mehr beschäftigt, als nur für Geldgeber zu sorgen. Auch Darsteller, passende Drehbücher und Regisseure werden von ihr ausgesucht. Sie selbst sieht sich als eine Art Vermittler, der alle Beteiligte bei Laune halten müsse und in jede Phase des Films eingebunden sei. Auch den Dreh – worauf Waldburger allerdings gerne verzichten würde. „Das ist mir zu langweilig.“

Aber es nützt alles nichts, die Produzentin ist immer gefragt, schließlich muss sie sich auch um die Filmcrew kümmern. „Ich habe immer Sorge, dass sich jemand verletzt.“ Oder dass das Wetter dem eng gestrickten Zeitplan einen Schlag versetzen könnte. Denn auch wenn sie sich so ziemlich gegen alles versichern könne, gegen ungewollten Regen oder Schnee nicht.

Das Horroszenario einer Produzentin hat also viele Gesichter, von schwierigen Regisseuren ganz abgesehen. Dass die Zusammenarbeit auch mit Filmemachern mit eher zweifelhaftem Ruf klappt, dafür hat die Preisträgerin eine einfache Erklärung: ihre Erziehung. Sie habe Respekt vor allen Menschen, allerdings ohne überzogene Ehrfurcht. Da müsse ein Regisseur, der sein Team zu sehr trieze, auch schon mal mit Gegenwind rechnen. Schließlich darf nichts das Produkt gefährden – oder den finanziellen Rahmen sprengen.

Doch welches Drehbuch findet überhaupt die Gnade der Produzentin? Ihr Ruf gut, pro Monat bekommt sie etwa zehn Geschichten angeboten. Wer als Autor da herausstechen will, sollte vor allem eins: der Schweizerin gefallen. Das ist ihr einziges Kriterium. Immerhin müsse sie sich die kommenden Jahre mit diesem Film beschäftigen.

Bei der Auswahl ist Waldburger nach eigenen Angaben auch gleichgültig, was momentan in den Kinos läuft, da sie ohnehin nie ins Kino geht. Trotzdem haben sich einige ihrer Filme mehr als gut verkauft – nicht nur in den Programmkinos. Meistens sind es Dramen, die von ihr produziert werden, nicht selten von Kritikern und Jurys gefeiert. Zum Beispiel „Das Leben ist ein Chanson“, der 1998 den Silbernen Bären der Berlinale und sieben Césars gewann. Oder einer der erfolgreichsten französischen Filme der vergangenen Jahre, „Die Kinder des Monsieur Mathieu“. Jener Streifen über den Chor eines Jungeninternats, der für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert war und auch an den deutschen Kinokassen für Umsätze sorgte.

Ganz im Gegensatz zu „Johnny Suede“, den Waldburger nicht in die Republik verkaufen konnte. Zu sehen ist er trotzdem, ab und zu. Zum Beispiel gestern Abend im Kino 46.

Weitere Filme von Ruth Waldburger sind noch bis 21. Januar im Kino 46 zu sehen. Informationen zum Programm gibt es im Internet unter: www.city46.de/filmpreis.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Neue Raketenangriffe aus Gaza - Israel tötet Dschihadisten

Neue Raketenangriffe aus Gaza - Israel tötet Dschihadisten

"Apokalyptische Zerstörung": Hochwasser verwüstet Venedig

"Apokalyptische Zerstörung": Hochwasser verwüstet Venedig

16. Ausbildungsmesse der BBS Rotenburg

16. Ausbildungsmesse der BBS Rotenburg

Kirchdorfer Herbstmarkt - der Mittwoch

Kirchdorfer Herbstmarkt - der Mittwoch

Meistgelesene Artikel

Im barocken Zaubertheater

Im barocken Zaubertheater

Wiedergänger mit Herz

Wiedergänger mit Herz

Ihrer Zeit voraus

Ihrer Zeit voraus

Wahn und Wirklichkeit

Wahn und Wirklichkeit

Kommentare