„Around the World“: Emmanuel Pahud und Christian Rivet stellen im Bremer Sendesaal ihre neue CD vor

Rund um die Welt, mal glasklar, mal schmutzig rau

Emmanuel Pahud ·
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Emmanuel Pahud ·

Bremen - Von Johannes Bruggaier. Sein Instrument gehört zu den meistgespielten der Welt, bei keinem anderen ist die Konkurrenz im Kampf um begehrte Orchesterstellen so groß.

Und er ist ganz oben angekommen: Emmanuel Pahud, erster Flötist der Berliner Philharmoniker, zählt zu den renommiertesten Interpreten weltweit. Am Dienstagabend war er nun in Bremen zu Gast.

Gemeinsam mit dem Gitarristen Christian Rivet gab er in einem so was von ausverkauften Sendesaal Einblicke in die neuste CD-Produktion. „Around the World“ lautet deren Titel. Und mehr als das gibt es zu ihrer künstlerischen Intention auch nicht zu sagen: Pahuds zusätzliche Anmerkungen im Programmheft jedenfalls kommen über altbekannte Crossover-Floskeln kaum hinaus („Reise durch Zeit und Raum“, „durch das Fremde sich selbst finden“).

Christian Rivet ·

Eine musikalische Weltreise also, die Pahud in Argentinien beginnen lässt. Es ist die Erzählung von der „Geschichte des Tango“, ein Stück von Astor Piazzolla: Pahud interpretiert sie mit sonniger Leichtigkeit, dabei aber durchaus kraftvoll zupackend. Rivet dagegen beschränkt sein Spiel auf seine begleitende Funktion, bereitet der sich munter aufschwingenden Solostimme ein solides Fundament. Erst im zweiten Satz wird aus dem Solostück ein wirkliches Duett. Die eben noch so optimistische Grundhaltung weicht einer mehr elegischen Intention, Pahud verleiht seinem Spiel eine weichere Phrasierung und zurückhaltendere Dynamik, während Rivet mit kernigen Akzenten reizvolle Kontraste dagegenhält. Überhaupt richtet sich die Energie zusehends fort vom äußeren Effekt hin zur inneren Kontemplation: Es ist, als sei die Geschichte des Tango doch nicht so unbeschwert wie anfangs noch gedacht. Mit einem rauschhaft meditativen vierten Satz, der so gar nicht zum bisherigen Klangbild passen will – mangels Satzangaben dürfte es manche irritierte Blicke ins Programmheft gegeben haben – findet das Werk einen spektakulären Abschluss.

Licht und Schatten wechseln sich ab im weiteren Verlauf dieser Reise. Beglückend hell etwa wird es, wenn Rivet in Maurice Ohanas Solostück seinem Instrument ein ungeahntes Ausdrucksspektrum abgewinnt. In seinem frappierenden Wechsel von lyrischen, epischen und manchmal auch dramatischen Attributen hat es den Anschein, als offenbare jeder einzelne Akkord einen eigenen Seelenzustand.

Weniger überzeugend muten zwei Stücke des Frühromantikers Francesco Molino an. Das eben noch so welthaltige Gitarrenspiel mutiert hier zu einem Cembaloersatz für brave Hausmusik, und Pahud darf sich mit der Zurschaustellung seiner reinen Klangschönheit begnügen.

Großartig dagegen ein Werk der im vergangenen Jahr verstorbenen Sitar-Legende Ravi Shankar: herrlich, wie dieser Flötist mit seiner glasklaren Formsprache plötzlich in betont schmutziger Rauheit die Töne anreißt. Ein sphärisches Klangbild entwickelt sich hier, das erst wie Zeitlupenjazz anmutet, dann sukzessive Fahrt aufnimmt und schließlich in eine gleichermaßen vitale wie virtuose Improvisation mündet.

Was gibt es noch zu entdecken auf diesem Trip um den Globus? Eine wunderbar schlicht ausgespielte Händel-Sonate zum Beispiel oder auch ein großartig nachdenkliches Stück von Christian Rivet selbst: ein Werk voller Lust am Fragment, an unvollständigen Tonfolgen und unerfüllten Versprechen. Aber auch ein nervenzehrendes Stück von Elliott Carter, die gewohnten Neutöner-Schrillheiten inklusive. Und wie zur Versöhnung Bartóks „Rumänische Volkstänze“, im Programmheft frech als „für Flöte und Gitarre“ instrumentiert bezeichnet.

Am Ende führt jede Reise wieder zu ihrem Ausgangspunkt: also zu Bach, dem vielzitierten Anfang und Ende aller Musik. Das Allegro aus der C-Dur-Sonate als standesgemäße Zugabe: Ende eines alles in allem überzeugenden Konzertabends.

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