Zehn Gründe, warum Roskilde das bessere Festival ist

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Die Orange Stage des Roskilde Festivals in Dänemark.

Roskilde - Von Pascal Faltermann. Heißer, schöner, anders - mit dem Roskilde Festival ist am Wochenende eines der größten Musikfestivals in Europa zu Ende gegangen. Bereits eine Woche zuvor am Samstag startete das dänische Open-Air, ab Mittwoch ging es in die heiße Haupt-Konzert-Phase.

Zum Start der 45. Auflage feierten auf den großen Bühnen Künstler wie Pharrell Williams oder The War on Drugs. 100.000 Festivalbesucher reisten an, hinzu kamen 20.000 ehrenamtliche Helfer. Normaler Wahnsinn? Nein! Zehn Gründe, warum in Dänemark das bessere Festival veranstaltet wird.

Die Freiheit

Die Veranstalter des Festivals geben den Besuchern den Raum, sich zu entfalten. Es ist nicht nur ein Wochenende, an dem der Besucher sein kann, wie und was er will. Es ist eine Woche. Einen Monat vorher werden Hütten und Bauwerke in der Dream City gebaut, es gibt Jam Sessions auf dem Campingplatz, riesige Musikanlagen und Basstürme sind offiziell erlaubt und die Art Zone auf dem Gelände darf mitgestaltet werden. Die Veranstalter fordern mehrfach dazu auf, beispielsweise das Logo für das offizielle T-Shirt zu entwerfen und Ideen oder Verbesserungsvorschläge einzubringen. In der Theorie gibt es das auch woanders. Umgesetzt wird es in der jedes Jahr von Menschen selbst gebauten Stadt Roskilde.

Die Geschichte

Zu keinem Festival gibt es so viel zu erzählen. Seit 1971 (damals noch Sound Festival) wird die Großveranstaltung organisiert. Die Begegnungen, die Gemeinnützigkeit, Unglücke, der Naked Run, die größten Bands, die längsten Auftritte, legendäre Konzerte, die kurzen Nächte, die Länge des Festivals - die Liste ist lang und reicht weit zurück. Besucher erleben 1000 Momente und schreiben die Geschichte mit.

Die Star-Dichte

Paul McCartney

Bruce Springsteen, Prince, Nirvana, Ray Charles, Bob Marley oder The Rolling Stones haben das Roskilde Festival bespielt. Jetzt gab sich Ex-Beatle Paul McCartney die Ehre. Ein Moment für die Ewigkeit: 39 Songs – davon 25 Beatles-Klassiker, Tattoo-Unterschrift, Umarmungen, Feuerwerk. Mehr geht nicht. Und: Wohl kein anderes Festival in Europa kann auf die Jahre gesehen auf so klangvolle Namen verweisen. Exklusiv spielte McCartney dieses Jahr nur bei diesem Festival.

Konzerte

Ebenfalls exklusiv ist die Länge der Konzerte. Während bei anderen Festivals die Headliner höchstens zwei Stunden spielen, sind sie in Roskilde Minimum. Springsteen spielte 2012 mehr als drei Stunden, McCartney nun fast drei. Toppen kann dies der Afrika Express, welcher 2015 fast fünf Stunden in der Arena auf den Bühnenbrettern stand. Der involvierte Blur-Sänger Damon Albarn wollte am Ende allerdings immer noch nicht aufhören. Konzerte sind hier nicht nur musikalische Darbietung. Sie werden zu einem Event gemacht, der Sound ist seit Jahren auf das Gelände abgestimmt. Alles eine Nummer besser.

Neuentdeckungen

Bei mehr als 175 verschiedenen Bands und Künstlern aus mehr als 30 Ländern sind die Musik-Genres breit gefächert. Darunter zahlreiche unbekannte Perlen. Krachiger Noise-Rock bis hin zu beschwingtem Pop. Elektro, HipHop, Metal. Combos wie Young Dinosaur, Broen, Piss Vortex bekommen auf kleineren Bühnen (auf der Rising im Westen) die Gelegenheit, sich dem Publikum zu zeigen. Einige davon werden groß. Bestes Beispiel: The Minds of 99 spielten bei ihrem ersten Auftritt in Roskilde auf der kleinen Rising Bühne, dieses Jahr als Opener auf der Orange Stage.

Die Abwechslung

Innerhalb von einer Stunde ist es möglich, vom Dubstep-Duo Disclosure auf der Orange Stage zur Schwedin Alice Bomann mit melancholischem, instrumentiertem Folkpop auf der Gloria-Stage zu wechseln und sich wenig später von den Metal-Amerikanern Lamb of God die Gehörgänge durchpusten zulassen. Tanzen, Träumen, Tosen.

Das Essen

Ein Burger ist hier kein Burger. Es ist ein Leckerbissen. Ein Flæskestegsburger serviert kein Fast Food Restraurant. In Roskilde gibt es den Haché Gourmet Burger oder den Dixie Cheesburger obendrauf. Vegetarisch oder vegan? Klar, an jedem Stand gibt es ein Gericht. Kultige Spaghetti Bolognese, Steinofen-Pizza, frisches Obst an jeder Ecke. Hier wird sich Gedanken gemacht, wie der Besucher bestmöglich versorgt wird. Zubereitet werden die Speisen von Volunteers, die Spaß daran haben und nicht einfach einen Job machen. Wer möchte, kann sich sein Essen selbst kochen. Und den Kaffee bringen Freiwillige morgens ans Zelt. Mehr als 50 Prozent des Gewinnes der Food-Stände geht übrigens an wohltätige Einrichtungen.

Die Nachhaltigkeit

An jeder Ecke gibt es Pfand-Sammelstellen, das Refund-System ist besser ausgebaut als bei vergleichbaren Festivals in Europa und auch wenn extrem viel Müll anfällt, hier wird gefühlt richtig viel dagegen getan. Neuste Idee: Beercycling. Die Organisatoren des Events und das Danish Agriculture & Food Council haben sich entschlossen, Urin der Festivalbesucher in Bier umwandeln zu lassen. Der Urin wird in speziellen Tanks aufgefangen und gespeichert und nach Festival-Ende auf den nahegelegenen Feldern als Dünger für Braugerste verteilt.

Der Non-Profit-Gedanke

100.000 Tickets wurden 2015 verkauft. Die Veranstalter rechnen mit einem Überschuss von 15 bis 18 Millionen Kronen (2 bis 2,5 Millionen Euro), im vergangenen Jahr waren es 26,7 Millionen Kronen (3,5 Millionen Euro). In diesem Jahr hatten die Veranstalter mehr Geld für das Musikbudget abgesetzt. Als Non-Profit-Orgaisation spendet das Festival sämtliche Gewinne.

Die Liebe

Musik ist nicht der Hauptgrund für dieses Festival. Es ist die Liebe. Hochzeiten auf der Orange Stage, Heiratsanträge oder spontane Umarmungen. Ein High Five mit einem Fremden, ein Bier mit neuen Freunden. Herz-Konfetti. All das zeigt die Liebe hier. Es ist aber auch das Mitfeiern auf jeder nächtlichen Party auf dem Campingplatz, ein Tanz mit den Securities, sich zu verlieren und gefunden zu werden. Oder die stützende Hand im Moshpit.

Das Roskilde Festival 2016 findet vom 25. Juni bis 2. Juli statt.

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