Schumann, Beethoven und das Abtasten der Ränder: Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen stellt ihr Programm für 2012 vor

Romantische und poetische Übertreibungen

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Paavo Järvi am Pult der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. ·

Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeDie Wahrnehmung der Stadt Bremen in aller Welt hat sich nach dem Beethoven-Projekt der Deutschen Kammerphilharmonie unter Paavo Järvi verändert, meint der Geschäftsführer Albert Schmitt in der Pressekonferenz zur neuen Spielzeit.

100 000 Beethoven-CDs hat man verkauft, ein gigantischer Erfolg. Daran will man nun anknüpfen, allerdings nicht mit mehr Kommerz, eher mit noch mehr Inhalt. Das scheint auch nötig bei einem Komponisten wie Robert Schumann, der gegenüber Beethoven natürlich der stillere ist. „We show you this is really great“, meinte Järvi, dessen euphorische Bekenntnisse zu Schumann ergreifend und mitreißend sind. Dessen „romantische und poetische Übertreibungen“ will das erfolgreiche Orchester nun auf CD bannen und einen Film darüber drehen. Järvi hat seinen Vertrag bis 2014 verlängert, weil er – der Chefdirigent von drei weiteren großen Orchestern – es liebt, wie gerade dieses Orchester durch wiederholte Arbeit an bestimmten Stücken immer mehr in die Tiefe geht. Dies ist die positive Seite an einer auch seitens des Publikums laut gewordenen Kritik der in der letzten Zeit krass gewordenen Wiederholung von Beethoven und Schumann.

Dies kann man dem jetzt vorgestellten Programm für 2012 nicht vorwerfen. Von Beethoven und Schumann gibt’s nur jeweils ein Stück – das dritte Klavierkonzert und das Violinkonzert – , dafür aber ein programmatisch gut gebautes „Abtasten“ der Ränder: 2., 3. Sinfonie und Haydn-Variationen von Johannes Brahms, die 100. Sinfonie von Joseph Haydn, die 5. und die 7. von Franz Schubert; mit fünf großen Werken einschließlich der konzertanten Aufführung von „Clemenza di Tito“ gibt es einen richtigen Mozartschwerpunkt, dann sind selten gespielte Sinfonien von Franz Berwald, Jean Sibelius, Vaughn Williams und Schostakowitsch zu hören. Gespannt sein darf man auch auf einige Musiker: zum Beispiel die Geigerin Carolin Widmann, die vergangenes Jahr das Schumann-Konzert schon unvergleichlich mit den Bremer Philharmonikern gespielt hat, auf den französischen Ausnahmepianisten Pierre-Laurent Aimard oder auch Hilary Hahn. Große Tourneen ergänzen das bremische Angebot: eine Europatournee mit Trevor Pinnock, der Schumann-Zyklus in Warschau und Wien, „Clemenza di Tito“ in England und Frankreich. Und es wird eine „Missa solemnis“ von Beethoven geben: im Rahmen des Musikfestes unter der Leitung von Herbert Blomstedt.

Aufgrund der Nachfrage bereitet man ein weiteres Abonnement vor, das in die Tat umgesetzt wird, wenn es 1 000 Anmeldungen gibt: 712 gibt es schon. Man muss sich also beeilen, dabei zu sein. Weiter gibt es Sommer in Lesmona, diesmal angesichts des arabischen Frühlings mit dem Titel „1001 Nacht“, das Zukunftslabor an der Gesamtschule Ost, wo das Orchester nach wie vor zu Hause ist, wird sich nach „Faust 2“, „Afrika“ und „Polen“ nun Russland widmen. Der Schlagzeuger Stefan Rapp mit „Back to the Roots“ wird einen Rückblick auf die letzten fünf Jahre anbieten. Natürlich gibt’s weiter die Melodie des Lebens und die Kammermusik. Das Ziel der „Freunde der Deutschen Kammerphilharmonie“ sind 1 000 Mitglieder, momentan sind es 900.

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