Das Sprengel-Museum in Hannover zeigt „Elementarteile“

Romantik liegt im Auge des Betrachters

Franz Gertschs „Luciano und Cornelia“ ist in „Elementarteile“ zu sehen. Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel-Museum Hannover, gertsch

Hannover - Von Jörg Worat. Frischer Wind zum Jubiläum: Das Sprengel-Museum hat die Präsentation im Neubau des Hauses völlig neu gestaltet. War hier zuletzt die Klassische Moderne vertreten, gibt es nun eine thematische Gliederung, die auch die Nachkriegskunst bis in die Jetztzeit berücksichtigt. Unter dem Titel „Elementarteile“ sind mehr als 150 Werke zu sehen.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall, gibt es doch genau genommen sogar gleich zwei runde Zahlen zu feiern: Vor 50 Jahren übereignete das Ehepaar Bernhard und Margrit Sprengel der Landeshauptstadt seine bedeutende Sammlung, vor 40 wurde dann das Haus eröffnet, damals noch unter dem Namen „Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel“ und unter Einbeziehung der städtischen Kollektion sowie derjenigen des Landes Niedersachsen.

Beim neu konzipierten Rundgang ist der erste Raum der Geschichte des Museums gewidmet, teils mit Dokumenten, vor allem aber mit Kunst: Die Spanne reicht von einem Exemplar aus der berühmten Schenkung von Niki de Saint Phalle bis zu griffigen Porträts der Museumsdirektoren im Stil der „Outsider Art“.

Die folgenden neun Räume widmen sich in überwältigender Materialfülle titelgerecht eben elementaren Begrifflichkeiten, durch die sich Kunst definieren lässt. Los geht‘s mit dem Thema Farbe, bei dem fetziger Expressionismus nicht fehlen darf, das aber auch mit einer intelligenten Arbeit von Timm Ulrichs gespiegelt wird: Der hannoversche „Totalkünstler“ hat fünf identische blaue Flächen mit unterschiedlichen Schildern versehen – ob man nun eher „Himmel“ damit assoziiert oder „Romantik“, hängt allein von den Befindlichkeiten des Betrachters ab. Nebenan dreht sich alles ums Material, und da spielt natürlich Kurt Schwitters eine wichtige Rolle, der nach dem Motto „Kunst ist nichts weiter als Rhythmus“ alles in seine Kompositionen eingebunden hat und sei es den Müll von der Straße. Dieter Roth verwendete unter anderem Schokolade, und auch die Frage, ob eine Idee alleine schon Material sein kann, wird hier behandelt: Félix González-Torres entwarf einen Stapel von weißen Plakaten mit schwarzem Rand, deren Inhalt sich jeder selbst zusammenfantasieren kann.

Ein besonders breites Spektrum findet sich in der Abteilung „Geschichte(n)“. Adolf Hölzels farbstarker Anbetungs-Szene steht ein anrührendes Stillleben mit Totenköpfen und Blumen von James Ensor gegenüber, auch Gewalt in ihrer grausamsten Form wird nicht ausgespart, ist hier doch Alfred Hrdlickas umstrittener „Haarmann-Fries“ zu sehen. Einmal mehr erfolgt also eine Gegenüberstellung von Klassischer Moderne und jüngeren Exponaten, auch mit logistischen Hintergründen: Die Kunst nach 1945 ist üblicherweise in der oberen Sammlung zu sehen, die in absehbarer Zeit wegen Baumaßnahmen geschlossen werden muss. So setzt sich die Tour fort: „Form“ und „Natur“, „Gesichter“ und „Große Gefühle“ sind einige weitere Themen einer Ausstellung, die auch für regelmäßige Sprengel-Besucher Überraschungen bereithält. Ganz im Sinne von Direktor Reinhard Spieler, der auf die Frage, was er sich von besagten Besuchern wünsche, eine schöne Antwort parat hat: „Neugier. Und den Mut, die eigenen Fragezeichen ernst zu nehmen.“

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