„Dann geht alles den Bach runter“

Guy Roberts inszeniert „Midsummer“ im Theater am Leibnizplatz

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Tim Lee und Linnea George-Kupfer spielen die Hauptrollen in „Midsumnmer“. 

Bremen - Neues vom Leibnizplatz: Bei der Bremer Shakespeare Company soll nun regelmäßig auf Englisch gespielt werden, und zwar nicht nur Stücke des Hausautors. Heute Abend feiert die Komödie „Midsummer“ von David Greig und Gordon McIntyre Premiere, die erste Inszenierung der neuen Reihe. Wir sprachen vorab mit Regisseur Guy Roberts, Artistic Director der Prager Shakespeare Company.

Sie arbeiten in Prag vor allem mit Nicht-Muttersprachlern zusammen, in Bremen inszenieren Sie mit Tim Lee und Linnea George-Kupfer, die beide mit Englisch aufgewachsen sind. Macht das einen Unterschied?

Ihr Englisch ist natürlich ausgezeichnet, sie müssen nicht viel über die Aussprache nachdenken. Dadurch sind sie sich ganz darauf konzentrieren, wie wir die Figuren anlegen wollen. Vor allem bei Tim hat mich überrascht, dass er seinen Charakter von Anfang an englisch gedacht hat.

Wollen Sie vor allem Muttersprachler ansprechen?

Nicht unbedingt, Schulenglisch reicht völlig, um den Dialogen folgen zu können. Das Stück ist für jeden geschrieben worden, der englisches Theater mag.

Worum geht es?

„Midsummer“ handelt von einem Mann und einer Frau, die gerade 35 Jahre alt geworden – und im Erwachsenenleben angekommen sind. Allerdings sind sie nicht glücklich, denn das Leben mit 30 ist überhaupt nicht so wie sie erwartet haben. Wir kennen das alle: Man fragt sich mit Mitte 30, ob das jetzt schon alles war. Ob da noch etwas kommen kann. Und was wir tun müssen, um das Ruder noch einmal rumzureißen.

Musik ist ein wesentlicher Teil der Inszenierung.

Die männliche Hauptperson Bob – von dem an der High School jeder dachte, dass er großartige Dinge vollbringen wird – wollte eigentlich als junger Mann als Musiker durch Europa reisen. Aber dann hat er einige falsche Entscheidungen getroffen und ging alles den Bach runter – heute träumt er noch immer davon, ein Musiker zu sein. Dies wird auch in den Songs deutlich, die die Entwicklung der Charaktere zusätzlich zu den Dialogen unterstützen. Es ist aber kein Musical, denn so viele Songs gibt es dann doch nicht. Man könnte „Midsummer“ eher ein Theaterstück mit Musik nennen

Ist die Musik auch eine Möglichkeit für das Publium, einen Moment lang zu verschnaufen, weil es mal nicht alles verstehen muss?

Nicht unbedingt. Die Lieder unterstützen die Emotionen des Moments. Es ist durchweg moderne Musik, manchmal auch mit Gitarre und Geige. Songs, die man heute auch im Radio hört.

Ist der Titel „Midsummer“ denn die einzige Shakespeare-Referenz?

Es gibt zwei Referenzen. Shakespeares „Sommernachtstraum“ spielt zur Sommersonnenwende, und „Midsummer“ spielt ebenfalls im Mitsommer. Hier ist aber Edinburgh der magische Wald, in dem sich besondere Dinge zutragen. Und dann ist da noch der Name der Hauptperson: Helena – genau wie im „Sommernachtstraum“.

Angucken

„Midsummer“ feiert heute Abend um 19.30 Uhr Premiere im Theater am Leibnizplatz.

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