Bremer Museum zeigt neun Positionen der olfaktorischen Kunst

Eine Nase voller Erinnerung in der Städtischen Galerie

Eine mobile Küche mit Zutaten, Herdplatte und Waschbecken steht mitten im Ausstellungsraum.
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Eine funktionstüchtige Küche erwartet die Besucher bei der Arbeit von Mari Lena Rapprich.

Welche Assoziationen können bestimmte Gerüche wecken? Bei welchen Düften ekeln wir uns? Und was hat Desinfektionsmittel mit Erinnerung zu tun? Fragen, die aktuell in der Städtischen Galerie Bremen beantwortet werden.

Bremen – Ein übler Geruch hängt in der Luft, breitet sich nach und nach im Raum aus. Er könnte aus den blauen Rohren kommen, die auf dem Boden verlegt und offenbar nicht ganz dicht sind. Unter jedem Verbindungsstück ist nämlich eine dunkle Pfütze – was dann wohl auch den dominanten Pups-Gestank erklären dürfte. Oder auch nicht. Denn in Laura Pientkas Arbeit „Ultimate Benefical Pipeline. Construction System 2.0“ ist manches nicht so, wie es scheint. Sicher, der Geruch (übrigens Buttersäure) und die Pupsgeräusche aus den Lautsprechern sind echt. Aber undichte Abwasserrohre sind nicht für die Pfützen verantwortlich. Nein, sie sind Überbleibsel einer Performance – in der Pientkas versucht hat, die Keramikrohre mit Melasse abzudichten. Damit sie endlich zusammenpassen.

Spiel mit Assoziationen und Erinnerungen

Das Spiel mit Assoziationen und Erinnerungen findet sich des Öfteren in der Städtischen Galerie Bremen. Unter dem Titel „Olfaktor: Geruch gleich Gegenwart“ zeigt das Haus seinen Beitrag zum „Smell it!“-Projekt, der 19 Künstler versammelt. Während das Augenmerk eindeutig auf dem Bremer Raum liegt, sind auch vier internationale Kreative dabei. Dazu zählt Peter De Cupere – Besucher aller Ausstellungen werden seine Werke bereits aus dem Zentrum für Künstlerpublikationen kennen. In der Städtischen Galerie wird schon bald – die Pandemie hat für etwas Verzögerung gesorgt – ein Smokeroom installiert. Ein kleiner Raum, der aus Zigarettenstummeln besteht. Wände, Tisch und Stuhl, all das soll mit Kippen beklebt werden – und für einen äußerst unangenehmen Geruch sorgen. Damit dieser sich nicht überall ausbreitet, wird es ein Fenster geben, durch das der Besucher seinen Kopf stecken kann: für eine Nase voll alter Zigaretten.

Zwischen Orangen und Verwesung

Besser riecht es dagegen bei Brian Goeltzenleuchter, der insgesamt sieben Hygienestationen entwickelt hat, die in fast allen teilnehmenden Häusern zu finden sind. Ausgehend von Gesprächen mit Menschen mit Migrationshintergrund hat er einen Duft kreiert, der sich aus ihren Erinnerungen und Assoziationen speist. In der Städtischen Galerie stehen zwei dieser „Scents of Exile“. Der Erste, direkt im Eingangsbereich, ist nach den Monaten mit Desinfektionsmitteln eine wahre Wohltat – riecht dieses Mittel doch nach Orangen und Mandarinen. Eine Duft-gewordene Erinnerung an Weihnachten. Etwas weniger schön ist die zweite Station, bei der vor allem der Geruch von Moder und Verwesung dominiert. Ein Gestank, der an einen Fluss in Argentinien erinnern soll, dessen Ökosystem in den 80ern durch Müll und Dreck zerstört wurde. Was dies für die Menschen in der Nähe bedeutet haben mag, lässt sich nun ziemlich gut nachempfinden. Da kann auch der beigemischte Hauch von Blüten nicht mehr helfen, dieses Desinfektionsmittel will nun wirklich niemand an der Hand haben.

Funktionsfähige Küche in der Ausstellung

Ganz ohne Geruch, zumindest für den Moment, kommt derweil Mari Lena Rapprichs „Sound Kitchen“ aus. Zu sehen ist, der Name dürfte es verraten, ein mobiles Küchenmodul, bestehend aus Kochplatte, Schneidbrett, diversen Schüsseln und einem Waschbecken. Alles steht verlassen da – und doch können wir die Gerüche, die beim Kochen entstehen, riechen. Nicht nur wegen des Aufbaus, sondern auch, weil aus einem Lautsprecher typische Küchengeräusche ertönen. Da wird gehackt und gebrutzelt, während wir uns an vergangene Mahlzeiten und deren Gerüche erinnern.

Im Video „Smell it“ hat Susann Hartmann Freunde und Familie mit unbekannten Düften konfrontiert – und die Reaktionen gefilmt.

Wie sich das Zusammenspiel zwischen Gehirn und Nase in unserem Gesicht widerspiegelt, lässt sich derweil sehr gut im Video „Smell it“ von Susann Hartmann ablesen. Sie hat Freunden und Familie verschiedene Düfte und manchmal auch Getränke unter die Nase gehalten und ihre Reaktionen gefilmt. Hier wird einmal mehr deutlich: Was wir gut riechen können und was nicht, hängt immer auch von unserer persönlichen Geschichte ab.

Sehen

Die Ausstellung ist noch bis zum 11. Juli geöffnet. Die Öffnungszeiten der Städtischen Galerie sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

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