Die Bayreuther Festspiele zeigen „Den fliegenden Holländer“ speziell für Grundschüler / „Lebenslange Bindung“

Richard Wagners Weltspartag

„Das Live-Erlebnis ist nicht ersetzbar“: Alexander Busche hat Wagners „Fliegenden Holländer“ umgeschrieben.

KASSEL (Eig. Ber.) n In diesem Jahr werden die Bayreuther Grauköpfe ordentlich aufgemischt. Das Festivalpublikum verjüngt sich, denn auf der Probebühne des Festspielbetriebs wird erstmals eine Kinderoper aufgeführt. Die zehn Aufführungen für je 199 junge Besucher waren in kürzester Zeit ausgebucht.

Gezeigt wird eine kindgerechte Fassung von Richard Wagners Oper „Der fliegende Holländer“, die Alexander Busche umgeschrieben hat. Wir sprachen mit ihm über Live-Erlebnisse, Windmaschinen und das Heranführen des Nachwuchses an Kultur.

?Das Playmobil-Piratenschiff ist ein Kinderzimmer-Renner, die Fluch-der-Karibik-Filme sorgen stets für volle Kinosäle. Will Bayreuth an diese Beliebtheit anknüpfen, wenn gerade „Der fliegende Holländer“ als Kinderoper gezeigt wird?

!Klar. Die Thematik kennen Kinder nunmal. Das hilft. Vielleicht machen wir nächstes Jahr den „Tannhäuser“ – das kennen die Kinder von „Deutschland sucht den Superstar“.

?Sie haben das Stück selbst gekürzt und umgeschrieben. Wie sind Sie da vorgegangen?

!Christoph Ulrich Meier, der die Musikfassung geschrieben hat, und ich haben uns zusammengesetzt und überlegt, welche Teile der Musik drinbleiben müssen. Entweder weil man sie szenisch braucht, oder weil die Kinder sie dann später wiedererkennen können, wenn sie eine große Oper besuchen.

?Wie ist das Werk jetzt?

!Es ist auf eineinviertel Stunden gekürzt und wir haben einen Erzähler eingeführt, der die Übergänge schafft und da erklärt, wo der Text vielleicht nicht so verständlich ist, etwa in den Duetten. Das ist ein alter Steuermann.

?Katharina Wagner hat vorab mit Grundschülern aus Schulen im ganzen Bundesgebiet zusammengearbeitet. Was hat das Bayreuther Produktionsteam vom Nachwuchs gelernt?

!Dass man die Kinder komplett unterschätzt. Dass sie unterfordert sind. Die Sechs- bis Zehnjährigen haben noch keine Angst, uncool zu sein. Die quellen über vor Ideen. Die Schüler aus Köln zum Beispiel haben tolle Kostüme entwickelt: Das haut uns vom Hocker. Ich glaube, Erwachsene müssen generell viel mehr Impulse geben.

?Nike Wagner hat einmal gesagt, man könne sich Kunst nicht erkrabbeln – Katharina widerspricht dem. Was können Kinder hier lernen?

!Nike hat natürlich recht. Man muss sich schon geistig auseinandersetzen. Das tun die Kinder auch, sie arbeiten das Libretto durch, sie hören die Musik. Bei Proben habe ich gemerkt: Für die Kinder war das Live-Erlebnis toll. Sie dürfen auf der Bühne die Windmaschinen bedienen. Oder die Sänger setzen sich mitten ins Publikum, da erleben die Kinder, welche Kraft das Singen erfordert. Die werden später nicht nur DVDs schauen. Die wissen: Das Live-Erlebnis ist nicht ersetzbar.

?Der Eintritt ist frei, die Karten waren in kürzester Zeit weg. Wie erklären Sie sich den großen Andrang?

!Das liegt einerseits natürlich an der Region: Hier gibt es nicht so viele Angebote, das wäre in Berlin vielleicht anders. Aber die Eltern sind auch froh, etwas vom Festival mitzukriegen – es stehen Nachwuchssänger aber auch Bayreuth-Sänger auf der Bühne.

?Was sagt die Musik Wagners den Grundschülern?

!Sie werden mit der Musik vertraut und an Kultur herangeführt, darum geht es. Brutal gesagt: Das ist wie beim Weltspartag. Man geht als Kind in die Sparkasse und bekommt etwas geschenkt. Das kann eine lebenslange Bindung begründen.

Alexander Busche (31, ledig) ist Assistent der Festspiel-Chefin Katharina Wagner und Marketingleiter der Festspielgesellschafts-Tochter BF Medien GmbH. Der Detmolder hat Publizistik-, Theater-, Musikwissenschaften und Musiktheaterregie studiert.

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