Revue „Da Da Da“ - Apokalypse-Visionen und Geschmacksverirrungen

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Eine Szene aus der 80er-Jahre-Revue "Da Da Da", die am Staatstheater in Braunschweig Premiere feierte. 

Braunschweig - Von Alexander Kohlmann. In Braunschweig lassen das Staatstheater und die Band Jazzkantine in „Da Da Da“ die 80er Jahre als Bühnenrevue wiederauferstehen. Regisseur Peter Schanz zeigt eine Zeit, die zwischen Apocalypse-Visionen und Pop-Kultur wankt.

Ein riesiger Zauberwürfel, magisch angeleuchtet wie eine Inka-Statue - erst als die Show beginnt, offenbart das Relikt wie ein riesiges Überraschungsei sein Geheimnis. Eine Band spielt im Inneren des Würfels. Es ist die Braunschweiger Jazzkantine, die am Donnerstagabend bei der Premiere der Bühnenrevue „Da Da Da“ noch einmal ihre 80er Jahre Outfits aus dem Fundus geholt hat.

Ein Moderator mit blonder Dauerwelle führt die Zuschauer in die Typologie einer vergangenen Zeit ein. Über eine Luke im Bühnenboden lässt er die typischen Braunschweig-Bewohner von gestern auf die Bühne fahren. Wie Archetypen im Computer-Spiel „Die Sims“ wanken die sechs Schauspieler dort vor sich hin. Da ist der Popper, der mit rosa Lacoste-Shirt, weiter beiger Hose, Poppertolle und vollständig enthaartem Körper auf emotional wackeligen Beinen durch die Fußgängerzone streift. Oder die Ökotante, die in lila Latzhosen und Wallawalla-Gewändern mit missionarischer Attitüde die Welt verbessern will.

Und dabei vor allen möglichen Dingen Angst hat - und Angst verbreitet. Denn die 80er-Jahre waren auch das Jahrzehnt der vermeintlichen und tatsächlichen apokalyptischen Bedrohungen. Eine Collage aus Titel-Bildern des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ reicht von der „Klima-Katastrophe“ über den „sauren Regen“ bis zur „Angst vor dem Atomtod“. In ihren besten Momenten gelingt es der Inszenierung von Peter Schanz die kollektive German Angst als Gegenstück zu einer enthemmten Pop-Kultur zu begreifen, die neben Ikonen der Musikgeschichte, Geschmacksverirrungen und Trash hervorgebracht hat.

Wie Gespenster treten sie alle noch einmal auf die Bühne, Thomas Anders und Dieter Bohlen als infantiles Modern-Talking-Duo, Nena mit Achselhaar-Toupet und „hast du etwas Zeit für mich“ und natürlich Nicole, deren „ein bisschen Frieden“ das überwiegend ältere Publikum kollektiv zu den Klängen eines Braunschweiger Straßenmusikanten summt. Bevor ganz zum Schluss ein Trabi durch eine Papp-Mauer bricht und mit den Brüdern und Schwestern aus dem Osten das ehemalige Zonenrandgebiet Braunschweig endlich in der Mitte eines wiedervereinigten Deutschlands angekommen ist.

dpa

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