40 Jahre „Thick as a Brick“: Ian Anderson in der Bremer Glocke

Retromania auf einem Bein

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Als Hausmeister unterwegs: Ian Anderson entstaubt sein Instrument.

Bremen - Von Andreas Schnell. Angeblich hatte Ian Anderson, Kopf und Hauptkomponist der britischen Progressive-Rock-Band Jethro Tull, wenig Freude daran, das 1972 erschienene Album „Thick as a Brick“ in voller Länge live aufzuführen.

„Das war die einzige Zeit, in der ich je daran gedacht habe, keine Konzerte mehr zu geben“, gab er einmal zu und schuf eine verkürzte Fassung für die Bühne.

Zum vierzigjährigen Jubiläum des Werks besann er sich eines besseren. Nicht nur veröffentlichte er eine Fortsetzung von „Thick as a Brick“ („Thick as a Brick 2“), sondern führte nun sogar beide Alben in ganzer Länge auf, erweitert noch um einige weitere Stücke aus dem Repertoire seiner alten Band wie die berühmte Adaption der „Bourrée“ von Johann Sebastian Bach. Seine alte Band steht ihm dafür allerdings nicht zur Verfügung, weshalb die Show unter dem Namen „Jethro Tull’s Ian Anderson“ firmiert.

Nun sind derlei „Reenactments“ klassischer Alben seit einigen Jahren schwer in Mode. Ein Umstand, den Pop-Kritiker Simon Reynolds als ein Symptom der „Retromania“ versteht, die als so eine Art letzte Krise der Popmusik zu verstehen wäre. Natürlich hat eine derartige Aufführungspraxis nichts mehr zu tun mit Rock als Aufstand. Was um 1970 als progressiver Rock entstand, kann genau das natürlich vierzig Jahre später in seiner originalgetreuen Reproduktion nicht mehr sein.

Ian Anderson ist immerhin schlau genug, das zu reflektieren, indem er seine Band vor dem Auftritt zur Musik von Captain Beefheart als Hausmeistertrupp auf die Bühne fegen und den Staub von den Instrumenten wischen lässt. Und später per Skype eine Violinistin zuschaltet.

Die musikalische Substanz des berühmten Konzeptalbums blieb dabei weitgehend unangetastet. Zwar hatte sich Anderson mit Ryan O’Donnell einen Sänger zur Seite geholt, der ihn stimmlich entlastete, aber immer wieder auch Gerald Bostock, den Protagonisten der beiden „Thick as a Brick“-Alben, personifizierte. Die Band, zu der außerdem der Bassist David Goodier, Keyboarder John O’Hara (beide noch aus der letzten Tull-Besetzung), der Gitarrist Florian Opahle und ein kurzfristig eingesprungener Schlagzeuger gehörten, legte einen behutsam modernisierten Sound auf, und ein sichtlich gut gelaunter Anderson stand bei seinem virtuosen Flötenspiel mehr als einmal auf einem Bein – sein altes Markenzeichen, das er aus gesundheitlichen Gründen lange Zeit vernachlässigt hatte.

Neben der Musik der beiden „Thick as a Brick“-Alben und der erwähnten Bourrée gab es als Dreingabe unter anderem auch noch den Klassiker „Locomotive Breath“, das begeisterte Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen.

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