Interview

Kunsthallendirektor Christoph Grunenberg zur Coronakrise: „Relevante Perspektiven auf Krise“

Vieles liegt noch im Dunkeln, aber die Norbert-Schwontkowski-Ausstellung der Bremer Kunsthalle ist zumindest online zu sehen. Foto: Jochen Littkemann
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Vieles liegt noch im Dunkeln, aber die Norbert-Schwontkowski-Ausstellung der Bremer Kunsthalle ist zumindest online zu sehen.

Bremen - Mitte März verkündeten vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Bremer Museen ihre Schließung – wie viele andere Einrichtungen des öffentlichen Lebens. Seit Kurzem beginnen die ersten Lockerungen der Maßnahmen, auch die Museen sollen nun möglichst schnell öffnen. Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, hat uns per Mail unsere Fragen zur Lage in seinem Museum beantwortet.

Wo sehen Sie die Kulturszene in Bremen nach bald zwei Monaten im Lockdown?

Die Menschen sind hungrig nach Kultur. Den Eindruck erhalten wir durch Zuschriften unserer Mitglieder und Kommentare in den Sozialen Medien. Es ist erstaunlich wie viele Kunstwerke – von den Alten Meistern bis zur neuesten zeitgenössischen Kunst – uns relevante Perspektiven und neue Einsichten auf die aktuelle Krise bieten. Als Museum sind wir privilegiert diese ästhetischen und intellektuellen Erlebnisse hoffentlich bald wieder anbieten zu können.

Der Bremer Kultursenator Bovenschulte hat ein einem Interview mit unserer Zeitung vor der Coronakrise Kultur als ein Grundnahrungsmittel bezeichnet. Warum müssen wir auf dieses Nahrungsmittel so viele Wochen lang verzichten?

Wir müssen alle unsere Verhaltensweisen und liebgewonnen Gewohnheiten ändern. Es lässt sich bestimmt darüber streiten, inwieweit Baumärkte oder Autohändler systemrelevante Dienste anbieten und Kultureinrichtungen nicht. Hoffentlich müssen wir aber nicht mehr zu lange auf visuelle und intellektuelle Grundnahrungsmittel verzichten. Bis dahin sollten wir uns aber etwas in Geduld üben.

Die Kultureinrichtungen haben einen Teil ihrer Aktivitäten ins Internet verlegt. Gibt es belastbare Daten dazu, wie das angenommen wird?

Auf Social Media werden die zusätzlichen Angebote wie Live-Führungen im Rahmen der Norbert-Schwontkowski-Ausstellung genutzt und positiv kommentiert. Da wir dieses Format zum ersten Mal anbieten, haben wir keine Referenzzahlen. Der Online-Katalog der Kunsthalle Bremen erhält während der Corona-bedingten Schließzeit einen deutlichen Zuspruch: Die Aufrufe sind im Vergleich zum Jahresbeginn um das 2,5-fache und im Vergleich zum Vorjahr sogar um das 4,75-fache gestiegen. Die Nutzung des E-Mail-Newsletters der Kunsthalle hat sich seit der Schließung deutlich verändert: Weiterführende Links im Newsletter wurden im Vergleich zu den letzten fünf Monaten im Schnitt 44 Prozent häufiger angeklickt!

Entstehen dabei möglicherweise Formate oder Inhalte, die auch nach der Krise Ihr Programm prägen werden?

Auf jeden Fall. Gewisse Formate wie virtuelle Rundgänge, einführende Filme auf Youtube und die wöchentliche Live-Führung würden wir gerne weiterführen, wenn sie auch mit einem gewissen zusätzlichen Aufwand verbunden sind. Sie werden aber immer nur ergänzende Angebote bleiben, denn den analogen Museumsbesuch ersetzen sie nicht. Außerdem arbeiten wir derzeit an neuen digitalen Formaten für unsere Seminare.

Christoph Grunenberg

Lassen sich die wirtschaftlichen Schäden für Ihr Haus beziffern?

Die Kunsthalle ist ein vom Kunstverein privat getragenes Museum und muss sich, neben den Zuwendungen der Stadt, zu einem substanziellen Teil selbst um seine Finanzierung kümmern. Uns fehlen auf Grund der Schließung Eintrittsgelder, Umsätze im Museumsshop, Teilnahmegebühren für Kurse, Einnahmen aus Vermietungen. Zu diesen fehlenden Einnahmen erwarten wir stark reduzierte Eintrittseinnahmen im Sommer auf Grund von ausbleibendem Städtetourismus. Vor dem negativen wirtschaftlichen Hintergrund sind ein weiteres, ernsthaftes Risiko ausbleibende Sponsorengelder, auf die wir für unsere Ausstellungen essentiell angewiesen sind.

Was könnte die Politik kurz-, mittelfristig und langfristig tun, um die Folgen der Krise abzufedern?

Klarheit über den Zeitpunkt und die Bedingungen einer Wiedereröffnung wären willkommen. Und natürlich Fördergelder, die wenigstens einen Teil der Verluste kompensieren.

Um möglichst schnell wieder öffnen zu können, wären neben verschärften Hygienemaßnahmen auch Besucherbeschränkungen denkbar. Haben Sie dazu schon Pläne in der Schublade?

Wir haben ein detailliertes Sicherheitsmaßnahmenpaket erstellt, das einerseits unsere Besucher und andererseits auch unsere Mitarbeiter schützt. Dies umfasst Sicherheitsabstand, Mundschutz und Handschuhe für Personal, Tröpfchenschutz an der Kasse, keine Auslage von Drucksachen wie Katalogen. Unser Veranstaltungsprogramm müssen wir leider vorerst weitestgehend reduzieren oder den Vorschriften anpassen.

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