200 Jahre Skat:

Reizen, Drücken, Stechen

Auf dem Skatbrunnen balgen sich die Wenzel. Wer seine Karten mit dem Brunnenwasser tauft, kann auf stetes Kartenglück hoffen. ·
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Auf dem Skatbrunnen balgen sich die Wenzel. Wer seine Karten mit dem Brunnenwasser tauft, kann auf stetes Kartenglück hoffen.

Altenburg - Von Veit-Mario Thiede. „Skater“ sind in Altenburg nicht etwa auf rollenden Brettern unterwegs, sondern sitzen gesittet am Tisch – und spielen Skat.

Sie „skaten“, wie man das in der ostthüringischen Kleinstadt nennt, schon so lange wie nirgendwo sonst: Seit 200 Jahren. Stichtag der Ersterwähnung des Skatspiels ist zwar der 4. September 1813. Aber die Sonderschau des im Residenzschloss ansässigen Spielkartenmuseums läuft bereits.

Zu sehen sind historische Dokumente wie das Festprogramm vom „Ersten Deutschen Scatkongreß“ (1886) und seltene Spielkarteneditionen. Das wichtigste Ausstellungsstück aber ist die Spielkladde des Hans Carl Leopold von der Gabelentz. In dieses Büchlein hat der damalige Regierungsrat und spätere Kanzler von Sachsen-Gotha-Altenburg in den Jahren 1798 bis 1829 seine Gewinne und Verluste beim Kartenspiel notiert. Gerd Matthes berichtet: „Am 4. September 1813 taucht in der Liste zum ersten Mal ein Spiel namens 'Scat' auf.“ Der gebürtige Altenburger Matthes ist Spielkartensammler, Skathistoriker und Produktmanager der den deutschen Markt beherrschenden örtlichen Spielkartenfabrik. Ende der 1980er-Jahre entdeckte er im Familienarchiv derer von der Gabelentz die besagte Spielkladde.

Die Ausstellung verdeutlicht, dass Skat keine völlige Neuerfindung war, sondern Merkmale anderer Kartenspiele mischte. Vom Solo-Spiel wurde das Blatt mit 32 Karten übernommen. Vom L'hombre stammt das Reizen. Schafkopf lieferte den Wert der vier Wenzel, auch Unter oder Buben genannt. Vom Tarock kommt das Weglegen zweier Karten, auf Italienisch „scartare“. Daraus hat sich die Spielbezeichnung „Skat“ entwickelt. Skat gilt als Intelligenzspiel, dessen Könner neben dem Kartenglück auf strategisches Denken, Kopfrechnen und Erinnerungsvermögen setzen.

Nach Verbandsschätzung spielen in Deutschland rund 20 Millionen Menschen Skat. Doch gilt das Reizen, Drücken und Stechen bei der Mehrheit der Jugendlichen als „uncool“. So beurteilt das jedenfalls Jan Ehlers, Vizepräsident des Deutschen Skatverbandes. Schatzmeister Hans-Jürgen Homilius ergänzt: „Es gibt Nachwuchsprobleme, und die Älteren machen die Mücke.“ Derzeit hat der Skatverband rund 26 000 Mitglieder.

Doch noch ist das Skatspiel eine quicklebendige Tradition. In Altenburg gehört sie zum Stadtbild, wie der „Skatpfad“ beweist. Zu dessen Attraktionen gehört der Skatbrunnen. Wer an ihm seine Karten tauft, kann mit stetem Kartenglück rechnen. Der Skatpfad endet in der „Skatheimat“. Deren Schöpfer ist der „Pix“ genannte Altenburger Bildhauer und Maler Otto Pech. Dieser Raum ist die Keimzelle des 1923 eröffneten und damit ältesten Spielkartenmuseums der Welt. Die Wände der Skatheimat sind mit einer Landschaft bemalt, in der sich Spielkartenfiguren der Liebe und der Jagd hingeben. Darüber hinaus ist Otto Pech Erfinder eines berühmt-berüchtigten Kartenspiels, das mindestens so viel Leid und Schadenfreude wie „Mensch ärgere dich nicht“ über die Spieler bringt. Es heißt „Schwarzer Peter“.

Schloss- und Spielkartenmuseum, Residenzschloss Altenburg. Bis 20. Oktober. Di.-So. 9.30 bis 17 Uhr. Eintritt 6 Euro. Informationen:

03447-512712

http://www.residenzschloss-altenburg.de

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