Deutscher Hispanist hat 111 Gründe, weshalb Costa Rica das schönste Land ist

Reiche Küste

Syke - Von Juliane Klug. Roland Berens hat das Paradies gefunden. Zumindest sein irdisches. Es liegt in Zentralamerika und heißt Costa Rica. Weil ihn das Land schon lange begeistert, hat Berens „111 Gründe, Costa Rica zu lieben – Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt“ geschrieben. Diese Gründe sind in 14 Kapiteln verpackt, die sich um das Land drehen, seine Menschen, Feste, Exportgüter – und viel Natur.

Besonders das zweite Kapitel sticht hervor. Darin vermittelt Berens eine gute Vorstellung von umweltpolitschen Anliegen des Landes, der Gesellschaft und gibt Lesern Zahlen sowie Daten an die Hand. Die zweite Buch-Hälfte ist primär geprägt von Natur-Beschreibungen und Ausflugstipps.

Berens, der aus dem nordrhein-westfälischen Verl stammt, bringt viele Anekdoten ein, um Lesern das lateinamerikanische Land nahe zu bringen. Davon hat er zahlreiche gesammelt, denn seit 27 Jahre bereist der Blues-Liedermacher und promovierte Hispanist das Land immer wieder. Seit 2011 besitzt er einen costa-ricanischen Personalausweis.

Nach vielen der 111 Gründe versorgt der 1949 geborene Mann seine Leser mit Links zu jeweiligen Ausflugsorten, Restaurants oder Regionen. Zudem gibt es zwei Bildblöcke, sodass auch Menschen, die es nicht bis in das Land zwischen Panama und Nicaragua schaffen, eine lebhafte Vorstellung der Hunderte Kilometer langen Strände bekommen, die sich an der Karibik- und an der Pazifik-Seite entlangziehen, von türkisen Vulkanseen, Ananas-Plantagen, Tierschutzgebieten sowie Nationalparks, Wasserfällen, frisch geschlüpften Meeresschildkröten, Hängebrücken oder dem Göttervogel Quetzal.

Das war eine lange Aufzählung. Viele ähnlich lange erwarten diejenigen, die „111 Gründe“ lesen. Zudem wiederholt sich Berens an einigen Stellen wortgleich – etwa wenn er vom „Brettsalat“ an beliebten Surfspots schreibt oder von der Aufforderung, an Vulkanen so zu parken, dass die Fahrer im Falle einer Eruption schnell fliehen können. Aber: Die Gründe funktionieren dadurch noch besser allein. Wer das Buch also nicht in einem Rutsch liest, kann davon profitieren – ebenso von Querverweisen.

An wen sich das Buch, das zu einer Reihe von Liebeserklärungen verschiedener Autoren zu unterschiedlichen Ländern gehört, richtet, bleibt allerdings unklar. Vielleicht an Menschen, die bereits in Costa Rica waren und sich zurückerinnern möchten. Denn um es als Reiseführer zu benutzen, wären Karten nötig gewesen und für einen vollständigen Überblick kommt die Geschichte ein bisschen kurz. Sicher: Berens erwähnt, wann Kolumbus Costa Rica erreicht hat, jüngere Ereignisse und die Agrargeschichte, an der die United Fruit Company einen großen Anteil hatte. Aber hätte der Autor an einigen Stellen jeweilige Einflüsse – gerade die präkolumbischen; auch wenn es heute nur noch wenige Indigene in Costa Rica gibt – näher beleuchtet, würde seinen Lesern die eine oder andere Stelle weniger „exotisch“ vorkommen.

Nicht nur durch distanzierende Beschreibungen wirkt Berens teils wie ein Tourist, der mit eurozentrischer Brille auf das Land und seine Bewohner schaut. Den Eindruck unterstreicht Berens zudem, wenn er mit dem Leser eins werden, und seine Sicht zur gemeinsamen machen möchte mit Sätzen wie: „Für uns nicht zu verstehen, aber es ist so: Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Pfirsiche, Kiwis und auch Weintrauben (!) gedeihen nicht in Costa Rica, müssen also importiert werden und sind deshalb teuer.“ Wer das gar nicht so unverständlich findet, möchte widersprechen.

Lesen

Roland Berens, „111 Gründe, Costa Rica zu lieben“, 316 Seiten, 14,99 Euro, Schwarzkopf & Schwarzkopf

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