Steptext Dance Project sorgt sich vor Konkurrenz im eigenen Haus / Neue Produktion „Human Credit“ und Festival „Baila España“

Redebedarf und viel Bewegung: Droht Schwankhalle ein heißer Tanz?

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Anleihen beim Expressionismus und absurden Theater: Szene aus „No Drama“ von Antonio Ruz. ·

Bremen - Von Johannes BruggaierDie Bremer Schwankhalle erhält eine neue Leitung. Wieder einmal. Anders als so oft aber steht ihr diesmal ein wirklicher Neuanfang ins Haus. In Pirkko Husemann und Stefanie Wenner nämlich werden künftig Persönlichkeiten in Verantwortung stehen, die mit der seit Jahrzehnten die Geschicke der Schwankhalle bestimmenden alten Garde nichts gemein haben.

Doch was in vielfacher Hinsicht für Optimismus und neue Aufbruchstimmung sorgt, löst bei manchem böse Vorahnungen aus. Helge Letonja vom Steptext Dance Project sorgt sich um das Profil seiner Einrichtung. Husemann hat angekündigt, die Programmatik der Schwankhalle um Produktionen aus dem Tanz zu bereichern.

Zwar sei eine Stärkung des Tanzbereichs selbstverständlich nur zu begrüßen, sagte er gestern im Rahmen einer Vorstellung neuer Projekte. Allerdings möge diese Neuausrichtung doch bitte in Kooperation mit Steptext geschehen – und zwar „auf Augenhöhe“, wie Letonja betonte. „Schließlich sind wir es, die mit ihrer Arbeit hier über Jahrzehnte hinweg ein Publikum für den Tanz gewonnen haben.“ Sollten Steptext und Schwankhalle bei der Fördermittelakquise künftig im selben Becken fischen, werde es „kompliziert“.

Weil das Forum für zeitgenössischen Tanz nicht mehr zur Trägergemeinschaft der Schwankhalle gehört, war sein künstlerischer Leiter nicht in die Findungskommission berufen worden. Doch das scheint nicht das größte Problem zu sein: „In der Ausschreibung war auf die Präsenz des Steptext Dance Projects in der Schwankhalle gar nicht hingewiesen worden.“ Die neue Führungsspitze könne sich deshalb gar nicht darüber im Klaren gewesen sein, dass sie bei der Entwicklung eigener ambitionierter Tanzprojekte Rücksicht auf ein bereits etabliertes Unternehmen nehmen muss.

Es wird also Redebedarf geben in der Schwankhalle. Vorerst aber gibt es vor allen Dingen Tanz. „Human Credit“ heißt das kommende Steptext-Projekt, das sich mit den Konsequenzen der Digitalisierung befasst. Ausgangspunkt ist eine an der Universität Bremen entwickelte Software, die Choreografen künftig die Arbeit erleichtern soll. Ein Avatar ist in der Lage, jegliche Bewegung einer Tanzproduktion nach- oder auch vorauszubilden, was die Vision einer rein digitalen Proben-, ja womöglich irgendwann auch Aufführungssituation nährt.

Die Choreografen Felix Berner und Augusto Jaramillo Pineda haben sich davon zu zwei konträren Sichtweisen auf das Phänomen der technologischen Durchdringung unserer Lebenswirklichkeit inspirieren lassen. Berner beschreibt die Auswirkungen digitaler Reize auf das Individuum. Pineda nähert sich dem Thema von der anderen Seite und träumt den alten Traum vom künstlichen Menschen weiter: der Tänzer als digitaler Frankenstein. „Human Credit“ ist vom 24. bis zum 27. April jeweils um 20 Uhr in der Schwankhalle zu erleben.

Zum Festival „Baila España“ tritt Steptext als Kooperationspartner in Erscheinung. Veranstalter ist das Instituto Cervantes, was insoweit von Bedeutung ist, als es sich um das bundesweit einzige Tanzfestival handelt, für welches die spanische Kulturinstitution verantwortlich zeichnet. Deren Bremer Chef, Carlos Ortega, hob gestern zwei Produktionen hervor, die aus dem Madrider Teatro del Canal hervorgegangen sind – dem „wichtigsten Produktionszentrum des Tanzes in Spanien“, wie Ortega sagte. „No Land“ von der Compañía Lucio Baglivo (am 2. Mai um 20 Uhr) betrachtet die Auswirkungen der ständig zunehmenden Mobilität auf die Raumerfahrung des Menschen. Am 3. Mai (20 Uhr) ist Antonio Ruz mit seiner Compagnie zu Gast, ein Choreograf, den Steptext nach Aussage von Letonja schon lange nach Bremen habe holen wollen. Ruz gilt als Vertreter eines aus Stils, der sich aus expressionistischen und absurden Motiven speist, wie sich in seiner Choreografie „No Drama“ zeigt. Guy Nader und Maria Campos mit „Btwin Barcelona Beirut“ (30. April, 20 Uhr) sowie Joseph Caballero García mit „No Rait of Spring“ (4. Mai, 19 Uhr), alle drei aus Barcelona, vervollständigen das Festivalprogramm.

Alle Veranstaltungen des Festivals finden in der Schwankhalle statt, wie übrigens auch ein eigens organisierter Tanz in den Mai (30. April ab 22 Uhr). Festivalbedingt seien zu dieser Party lauter professionelle Tänzer zu erwarten, sagt Letonja: „Das wird der tänzerischste Tanz in den Mai aller Zeiten!“

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