Reinhold Buddes „To Palermo“ in Bremen / Anlehnung an Blinky Palermo

Der Raum – neu gedacht

Reinhold Budde: „To Palermo“. ·
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Reinhold Budde: „To Palermo“.

Bremen - Von Johannes Bruggaier. Eine Widmung an Palermo, da mag man an die reiche Zierde barocker Paläste denken, an all die Schnörkel und Voluten der so zahlreichen historischen Brunnen, Kirchen und Kapellen.

Aber nicht an eine so schlichte Gestalt wie jene sechs schmalen Pfeiler im Pavillon des Gerhard Marcks Hauses. Unten stehen sie auf denkbar profanen Filzfüßen, damit der Fliesenboden nicht zerkratzt. Oben tragen sie einen weißen Balken, von dem man nicht ganz sicher ist, ob er nicht schon immer dazugehörte: zu dem kleinsten Ausstellungsgebäude Bremens.

Wo um Himmels willen soll sie sein, die Verbindung von Reinhold Buddes Werk „To Palermo“ zur südlichsten Metropole Italiens? Nirgends. Denn tatsächlich ist hier keineswegs die Stadt, sondern Blinky Palermo gemeint, ein deutscher Künstler und Beuys-Schüler, der sich in den sechziger und siebziger Jahren mit Wandzeichnungen einen Namen gemacht hatte. Seine Kunst galt als Schnittstelle zwischen Fläche und Dreidimensionalität, als Erweiterung der Malerei in den Raum hinein. So sollte man also auch bei Buddes unscheinbaren Pfeilern weniger nach architektonischen Vorbildern aus der Barockzeit suchen als vielmehr nach einer mehr technischen Raumwirkung jenseits kulturhistorischer Bezüge.

Um sie zu finden, muss man sich bewegen. Stellt man sich nämlich auf die andere Seite dieser Pfostenreihe, kommt plötzlich Farbe ins Spiel. Der Querbalken leuchtet in sattem Rot, und in der dahinter befindlichen Dachgaube wird eine gelbe trapezförmige Fläche sichtbar. Weil über dem Quer- auch noch ein weißer Kehlbalken den Raum durchkreuzt, fügen sich Trapez, Balken und Pfeiler zu einem räumlichen Geometrie-Spiel. Je nach Standort nämlich zerfällt das Trapez in Dreiecke, der Querbalken wird zur Trennlinie, die Pfeiler bilden ein Raster. Gelb, Rot und Schwarz fügen sich zu einer in sich stimmigen Fläche, obgleich doch alle Farben auf verschiedene Raumebenen verteilt sind.

Blinky Palermo, heißt es in einem Begleittext von Marcks-Haus-Direktor Arie Hartog, habe über seine Wandmalerei „räumliche Zusammenhänge sichtbar gemacht“ und „neues Denken über Räume geprägt“. Das lässt sich ohne weiteres auf Buddes Reverenz übertragen. In dessen spielerischem, dabei aber keinesfalls beliebigem Umgang mit Raum und Fläche, enthüllen sich ungeahnte Verwandtschaftsbeziehungen von Farbe und Form. Das ist in unaufdringlicher Weise erhellend, so einfach wie evident. Blinky Palermo hätte seine Freude.

Bis 12. Januar im Gerhard Marcks Haus, Am Wall 208, Bremen. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag 10-18 Uhr, Donnerstag 10-21 Uhr.

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