Benefizkonzert des Bundespräsidenten

Rasant, transparent, trennscharf

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Bundespräsident Steinmeier in der Glocke.

Bremen - Von Markus Wilks. Dem Anlass entsprechend. Auf diese Formel könnte man Interpreten und Stückauswahl des Benefizkonzertes des Bundespräsidenten in der Bremer Glocke zusammenfassen. Pianist Fazil Say und Dirigent Steven Sloane stehen ebenso für das Internationale und Völkerbindende wie die ausgewählten Stücke von Mozart, Gershwin und Bernstein. Mindestens genauso wichtig: Es war ein hervorragend musizierter Gute-Laune-Abend mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Seit 1988 gibt es die Benefizkonzerte des Bundespräsidenten, deren Erlöse einem guten Zweck zugeführt werden, in diesem Jahr der „Haifa Arts Foundation“ sowie „Erinnern für die Zukunft e.V.“. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bremens Bürgermeister Carsten Sieling stellten in ihren Grußworten aber nicht nur die Projekte vor, sondern gedachten auch des verstorbenen Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft, Christian Weber, der mit zum Konzert geladen hatte.

Gespielt wurden bei diesem Benefizkonzert leicht zu rezipierende Werke von drei Komponisten, die jeweils auch als Pianisten erfolgreich waren: Mozart, Gershwin, Bernstein. Zum Auftakt gab es eine rasant, transparent und trennscharf musizierte „Don Giovanni“-Ouvertüre, bei der die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen noch nicht das Höchstmaß an Präzision erreicht hatte. Dann ein Bruch nebst Umbaupause hin zu Mozarts beliebtem C-Dur-Klavierkonzert (KV 467), in dem Fazil Say seinem Ruf als außergewöhnlicher, durchaus eigensinniger Interpret gerecht wurde. 

Er vermochte quasi durch das Klavier zu singen und die Melodien klangvoll vorzutragen. Sein Mozart war vergleichsweise kraftvoll und mit sattem, oft derbem Klavierton, aber immer hochmusikalisch. Die pfiffigen Kadenzen hätten vermutlich dem Komponisten gefallen, denn man glaubte in diesen Solomomenten dessen Schalk zu hören. Grandios auch die Zugabe: eine jazzige Bearbeitung von Gershwins „Summertime“, die zum etwas kurz geratenen zweiten Konzertteil überleitete.

Der amerikanisch-israelische Dirigent Steven Sloane (designierter Leiter des Jerusalem Symphony Orchestra) animierte das aufmerksame Orchester mit deutlicher Zeichengebung und so manchem Hüftschwung zu einem feurigen, virtuosen Spiel. Er scheute kein Risiko und wählte in Bernsteins „Candide“-Ouvertüre (fast zu) rasende Tempi, klangvolle Effekte und erzeugte Jazz-Swing-Gefühl.

Die überragenden Solisten der Kammerphilharmonie trugen meisterhaft zum bisweilen luxuriösen Sound bei, der lediglich durch die eher kleine Streicherbesetzung beeinträchtigt wurde. Gerade bei blechlastigen Stücken wie den drei Tanzepisoden aus Bernsteins „On the Town“ und den Auszügen aus Gershwins „Porgy and Bess“ waren Grenzen hinsichtlich der Aussteuerung der Instrumente deutlich hörbar. Lautstarker Jubel beendete einen unterhaltsamen Abend und leitete zum öffentlichen Empfang des Bundespräsidenten über.

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