Enrik Hüpeden in der Galerie Oberem

Räume und Rotationen

Bremen - Von Rainer BeßlingZuerst der Wiedererkennungseffekt: Formationen, wie Enrik Hüpeden sie derzeit in der Bremer Galerie Oberem unter dem Titel „Drostett“ präsentiert, waren schon einmal groß in Mode.

Unter dem Etikett „Op Art“ spielten Künstler in den 1960er-Jahren virtuos mit der Wahrnehmung. Vorrangig geometrische Muster gerieten durch Verschiebungen und Überlagerungen in Bewegung, zogen den Blick in einen Strudel und bescherten empfindsamen Gemütern schon mal den einen oder anderen Schwindelanflug. Die Kompositionen passten in die Zeit: Psychedelisches hatte Konjunktur, dem Bewusstsein sollten sich neue Räume öffnen. Neugierig und staunend erkundete der Mensch das All und seinen inneren Kosmos.

Soweit zum Déjà-vu. Ein genauerer Blick lässt erkennen, dass sich Hüpedens Werke nicht auf Remakes der op-artistischen Effektmalerei reduzieren lassen. Seine Kompositionen sind weniger offensiv. Vor allem in den jüngeren kleinformatigen Arbeiten fügen sich schmale strahlenförmige Bänder zu stern- oder kristallartigen Gebilden, die auf subtile Weise den Eindruck von Räumlichkeit und Rotation erwecken. Die konkreten Formationen besitzen keinen deutlichen Gegenstandsbezug, dennoch lassen sich manche Brücken zur sichtbaren Wirklichkeit bauen. Mehr aber noch ebnen die Kompositionen Assoziationen zu Phänomenen, die sich mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmen lassen, die wir aber als Bilder über eine mediale Vermittlung abgespeichert haben: Aufnahmen aus dem Mikro- und Makrokosmos, Einblicke in Strukturen und Prozesse, die in der Natur, aber auch in konstruktiven Systemen und Architekturen zu finden sind.

Vor allem aber laden Hüpedens Kompositionen zu einer reizvollen Reise in ihre eigene vielschichtige Welt ein. Die mittels Klebeband und Sprühdose aufgebrachten Lineaturen ziehen den Blick von den gleißend hellen bis zu stufenweise dunkleren Partien immer tiefer ins Bild. Ein schwarzer Grund, der an historisches Fotopapier erinnert, schafft dem dynamischen grafischen Farb- und Lichtereignis eine magische Kulisse. Das künstliche oder besser konkrete Kolorit verweist auf den artifiziellen Charakter der Formfindungen. Zu der plastischen Anmutung der Linienkörper kommt eine innere Rhythmisierung infolge von Unregelmäßigkeiten, die in der Bildfertigung begründet sind. Hüpedens Bilder stellen imaginäre Körper in illusionäre Räume und wirken konkret mit Bewegungsimpulsen in den Ausstellungsraum hinein. Hier spiegelt sich eine Abteilung im Werk des gebürtigen Hamburgers wider, die im Galerie-Kontext nicht gezeigt werden kann: die Wandmalerei, die auf Räume reagiert und diese zum Schwingen und Atmen bringt.

Galerie Oberem, Bremen, Mendestraße 11. Bis 19. April. Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 12-14 Uhr.

Eröffnung heute, 19 Uhr.

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