Die Kunst macht mal Pause, Teil 1: Die Schlagzeugerin Rose Eickelberg von den Bremer Philharmonikern

„Quick and gay“ mit rhythmischer Präzision

Rose Eickelberg

SYKE (Eig. Ber.) n Auch eine Kulturnation gönnt sich eine kulturlose Zeit. Zwischen Anfang Juli und Ende August herrscht in den meisten Theatern und Konzerthäusern Stille, sowohl Künstler als auch deren Publikum befinden sich im Urlaub. Eigentlich aber kennt Kunst keinen Urlaub, wie unsere Sommerserie beweist.

Schauspieler, Tänzer und Musiker kontaktieren wir in ihren Ferien und fragen: Was machen Sie jetzt eigentlich?

Trommeln, hieß es, seien im Preis inbegriffen. Ob der Anbieter des Urlaubsdomizils in der Türkei damit auf die verstärkte Anreise von Berufsschlagzeugern hofft, ist freilich zu bezweifeln. Das Schlagwerk in der Ferienanlage, sagt Rose Eickelberg, diene jedenfalls mehr dem Freizeitvergnügen als professionellen Ambitionen. Macht nichts: „Hauptsache, ich kann regelmäßig ein wenig üben.“ Die Qualität des Instruments sei nicht entscheidend.

In diesem Sommer hat die Schlagzeugerin der Bremer Philharmoniker bewusst auf ein kulturelles Programm verzichtet. Das ist keineswegs selbstverständlich: Letztes Jahr hatte sie erst einen Jazzkurs absolviert und dann in Weimar Wagners „Ring des Nibelungen“ besucht. Anstrengend sei das gewesen, sagt Eickelberg – nicht zuletzt deshalb, weil sie das Zuhören kaum weniger fordere als die künstlerische Tätigkeit selbst. Angesichts des anspruchsvollen Programms in der kommenden Spielzeit muss diesmal die Erholung im Vordergrund stehen: „Gerade der Anfang wird sehr kräftezehrend sein. Und wir haben ja nur diese eine längere Auszeit im Jahr.“

Auszeit, das bedeutet die Einschränkung des Übungspensums auf das bloße Erhalten des Status quo. Von „Gleichmäßigkeitsübungen“ spricht Eickelberg: kleine Trainingseinheiten, die verhindern, dass die rhythmische Präzision abhanden kommt. Amateurtrommeln wie die in der türkischen Ferienanlage seien dafür vollkommen ausreichend. Verzichtete sie auf das Spielen ganz, hätte das anschließend einen erheblichen Arbeitsaufwand zur Folge. Denn je länger ein Schlagzeuger aussetze, desto mehr Zeit müsse er anschließend wieder investieren, um wieder den gewohnten Leistungsstand zu erreichen. Und Verzögerungen sind in der Vorbereitung zu vermeiden: Am 1. September steht Benjamin Brittens „War Requiem“ an. Eine CD-Aufnahme hat sich Eickelberg schon besorgt, auch eine Partitur. Gleich nach dem Urlaub gehe es mit dem Üben los, sagt sie. Aufgefallen sei ihr bislang lediglich die seltsam zweideutige Tempobezeichnung gleich zu Beginn des Werks: „Quick and gay.“

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