Englands Geschichte von Richard II. bis Heinrich VI. an der Bremer Shakespeare Company

Am Quell der Niedertracht

Macht und Recht: Szene aus „Shakespeares Könige. Mord Macht Tod“ im Theater am Leibnitzplatz. ·
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Macht und Recht: Szene aus „Shakespeares Könige. Mord Macht Tod“ im Theater am Leibnitzplatz.

Bremen - Von Andreas Schnell. Reichlich kompliziert sind die Familienverhältnisse des britischen Königshauses im ausgehenden Mittelalter.

Und wo die Familie in der modernen Gesellschaft als Keimzelle der Gesellschaft gilt, scheint sie seinerzeit eher Quell von Mord und Niedertracht gewesen zu sein. William Shakespeare verdanken wir eine historisch wohl nicht akkurate, aber ausführliche Schilderung von Leben und Werk Könige Richard II und Heinrich IV bis VI.

Johanna Schall und Grit van Dyk haben nun aus diesem Konvolut einen knapp dreistündigen Abend („Shakespeares Könige. Mord Macht Tod“) destilliert, der es in seiner Konzentration auf die Kämpfe um den englischen Thron nicht notwendig erleichtert, die Familienbande und Konfliktlinien nachzuvollziehen, aber gerade in seiner Verdichtung eine nicht uninteressante Meditation über das spannungsvolle Verhältnis von Macht und Recht darstellt.

Schall hat das Stück selbst für die Shakespeare Company inszeniert und ließ dabei keinen Zweifel daran, dass es ihr weniger um eine Geschichtsstunde geht als um die Zeitlosigkeit von Macht und deren Missbrauch. Indem sie die Könige per Inszenierung enthistorisiert, macht sie den Gedanken plausibel, dass salopp gesagt auch in anderen Zusammenhängen und Staatsformen Recht immer wieder für Macht funktionalisiert wird. In diesem Sinne funktionieren „Shakespeares Könige“ vor allem im ersten Teil mit reichlich Tempo eher wie Textrauschen, aus dem ganz allmählich die politische Essenz heraustritt und auf der Oberfläche schillert.

Das Königskonzentrat hat Johanna Schall dabei für Shakespeare-Company-Verhältnisse ungewohnt streng, geradezu karg in Szene gesetzt. Außer einem großen runden Tisch und ein paar Stühlen bleibt die Bühne leer, das dominierende Schwarz wird lediglich mit pointierten Lichteinsatz zerlegt. Und auch die Kostüme sind in der Hauptsache schlicht, erinnern bisweilen, was als Analogie schließlich etwas trifft, an Mafiosi des frühen 20. Jahrhunderts, nur den wenigen Frauenfiguren sind Kleider vergönnt. Wobei – darin dann wieder typisch Shakespeare Company –, das Geschlecht von Figur und Darsteller nicht notwendig kongruieren.

In diesem strengen Inszenierungsgeist hat Schall dem sechsköpfigen Ensemble die Flausen, zu denen die Company noch in den schwersten Stoffen neigt, überraschend gründlich ausgetrieben, auch wenn sie sich das Singen dann doch nicht ganz verbieten lassen. Sodass wir Theater sehen, wie es an dieser Stelle zumindest lange nicht, wenn überhaupt je zu sehen war. Das offenbart allerdings auch einige Schwächen: Schauspielerisch nämlich haben die sechs von der Company teils durchaus mit dem stark verdichteten Text zu kämpfen. Was gewiss sein Teil dazu beiträgt, dass zumindest die Sache mit den Königen und wer jetzt wen warum genau umbringt am Ende dann doch ein Rätsel bleibt.

Das Publikum, auch wenn es von „seiner“ Company wohl kaum je einen derart politischen und ästhetisch strengen Abend vorgesetzt bekam, fand’s unterdessen wieder wundervoll – glücklich darf sich ein Theater schätzen, das so treue Fans hat.

Kommende Vorstellungen: heute sowie am 7. und 15. Februar, jeweils um 19.30 Uhr im Theater am Leibnitzplatz, Bremen.

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