Das „Quartett für das Ende der Zeit“ von Messiaen in einer überragenden Interpretation

Keine Sterne, dafür Einsamkeit

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Der Cellist Leonard Elschenbroich beschwört in Suzanne Farrins Komposition die Einsamkeit.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. „Christliche Musik im säkularen Zeitalter“ – so der Titel des letzten Philharmonischen Kammerkonzertes. Sie sollte dem Neuen verpflichtet sein, so wie die Musik des Franzosen Olivier Messiaen oder auch die der Russin Sofia Gubaidulina. Lange, sagt der programmgestaltende Cellist Leonard Elschenbroich, hat er da nichts gefunden, bis er auf die amerikanische, 1976 geborene, Komponistin Suzanne Farrin traf: „Die Matthäus-Passion hat einen fundamentalen Einfluss auf meine Sprache“. Farrin erhielt einen Kompositionsauftrag, der jetzt uraufgeführt wurde: innerhalb eines schlüssigen Programmes, dessen weiterer Aspekt die Musik von Johann Sebastian Bach war (die von der lettischen Akkordeonistin Ksenija Sidorova ungemein sensibel und transparent gespielte Ouvertüre). - Von Ute Schalz-Laurenze.

Leider wurde durch die Verbalisierung im Programmheft „A riveder le stelle“ (und dann sehen wir die Sterne) für Cello und Akkordeon das Hören eher erschwert als erleichtert: weder konnte man die Sterne durch das kleine, in Dantes Inferno beschriebene Loch empfinden noch Bachs „Herr, warum hast du mich verlassen?“ als „Mord“ erkennen. Dafür aber klang die Einsamkeit und Verlassenheit einer Cellolinie, fast wie Weinen eines Kindes, die sich mit den Klangflächen des Akkordeons verbindet. An die bohrende Intensität von „In Croce“ von Gubaidulina mit seinen Cello-Schreien und einer quälend langsamen Steigerung reichte Farrins Stück noch nicht heran und noch weniger an das Herzstück des Abends, das das Konzert zum Ereignis werden ließ.

Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“, das der Komponist 1941 in deutscher Kriegsgefangenschaft geschrieben hat, und das im Lager mit kaputten Instrumenten aufgeführt wurde, erzählt von der Apotheose Göttlicher Ewigkeit aus der Offenbarung des Johannes. Der Ausdrucksreichtum der acht Sätze, der sich allein aus Interpretationsanweisungen wie „unendlich langsam“, einem „desolaten“ Piano oder auch „furchtbar“ und „paradisisch“ ablesen lässt, wurde von Elschenbroich, dem Klarinettisten Michael Collins, dem Geiger Alexander Sitkovetsky und der Pianistin Wu Quian in einer geradezu erschütternden Perfektion realisiert, die dem kammermusikalischen Jahrhundertwerk in jeder Hinsicht gerecht wurde.

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