Trommler aus Japan in Bremen: „Yamato“ gastiert mit dem Programm „Rojyoh – The Beat on The Road“ im Musical Theater

Pulsierende Werbung für Vitalität und Persönlichkeit

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Unterhaltsame Perkussion: Die Frauenriege von „Yamato“. ·

Bremen - Von Rainer BeßlingMit den ersten Schlägen erfüllt die Wucht der Trommeln den ganzen Raum. Die Körperlichkeit des Klangs bleibt bis zum letzten Takt spürbar. Tiefe Töne aus den dickbäuchigen Instrumenten nisten sich umweglos in der Magengrube des Zuhörers ein. Die Bewegungen der agilen Akteure fesseln den Blick: Präzise Choreographie stützen das komplexe perkussive Geschehen.

Zum einen begeistert die Artistik der durchtrainierten Virtuosen. Zugleich fesselt spirituelle Eindringlichkeit den Zuschauer. Das Ensemble „Yamato“ stellt sein neues Werk vor. Anfang Februar sind „The Drummers Of Japan“ im Musical Theater Bremen zu sehen.

Hinter jedem einzelnen Titel des aktuellen Programms „Rojyoh“, in dem die Gruppe prägende und herausragende Stücke aus einer inzwischen 20-jährigen Ensemblegeschichte bietet, stehen eine bestimmte Wahrnehmung, Haltung und Botschaft. Mit einer pulsierenden, zugleich rhythmisch vielschichtigen Erinnerung an die Anfänge ihrer Taiko-Kunst beginnt die Show. Anklänge an das Eröffnungsstück eines früheren Programms schwingen mit: Hier machte eine Verbeugung vor dem Sonnenaufgang sensibel für die immerwährenden kleinen Neuanfänge in Alltag und Natur.

Die Kraft des Menschen, die jeder Trommelschlag verkörpert, die Macht des Beginns, die in den Bewegungen der Trommler sichtbar wird, sind Thema der folgenden Nummern. Stets geht es um bestimmte Spieltechniken, häufig um Zusammenspiel und Auseinandersetzung, immer mal wieder zwischen Mann und Frau, die in meist humorvolle Szenen eingebettet sind. Bisweilen lässt sich hinter der Energie ein Umkreisen von Erstarrung und Leere entdecken, Reflexion über Beharrungsmomente, die jedem Veränderungswillen zu widerstehen scheinen. Doch auch wenn die Welt in Beton gegossen scheint und selbst die Leidenschaft der jungen Generation die bleierne Schwere nicht aufzubrechen vermag – die vitalen japanischen Trommler feiern den Enthusiasmus jedes einzelnen Menschen, der einer bestimmten Leidenschaft und einem bestimmten Lebensplan folgt. Nur diese vermögen das Tor zur Zukunft aufzustoßen.

Dem Individuum widmet sich auch eine Nummer mit dem Titel „Der konzentrierte Geist“. Während Informationsflut und Bilderstrom Überfluss und permanente Entgrenzung auf den Thron heben, lenken die Trommler von „Yamato“ mit ihrer eindringlichen Musikalität und Präsenz den Blick auf den Kern des einzelnen Menschen. Auch wenn sich Persönlichkeit „nur“ aus einer einzelnen Regung oder einem singulären Interesse speist, darf sie ungeteilte Aufmerksamkeit beanspruchen. Durch die Mauer aufgetürmter Rhythmusschichten, tönendes Bild für den alltäglichen lärmenden medialen Output, scheint ein einzelner Funke das Individuum zu erhellen und zu beleben.

Gelingt es dem Ensemble einerseits, auf seine Weise Naturbilder zu schildern und Traditionen anzurufen sowie eine von Brüchen und Konflikten geprägte Gegenwart zu zeichnen, beschwört „Yamato“ andererseits die Kräfte eines über ständigen Austausch miteinander verschweißten Kollektiv, Kontroversen eingeschlossen. Das permanent Dialogische, das Konzertierende ist nicht nur Resultat eines musikalischen Miteinanders. Die Ensemble-Mitglieder leben auch zusammen, absolvieren ihre täglichen Trainingseinheiten und Proben gemeinsam. Neben dem Ineinandergreifen der einzelnen perkussiven Linien ist es der gemeinsame Takt der Lebensführung, der die bewusst an ihre kulturelle Überlieferung anschließenden japanischen Trommler als intensive Einheit erleben lässt.

„Yamato“ mit dem Jubiläumsprogramm „Rojyoh“ im Musical Theater Bremen: Di, 4. bis

Fr, 7. Februar, jeweils 20 Uhr;

Sa., 8. Februar, 16 und 20 Uhr; So, 9. Februar, 15 Uhr.

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