Bach-Chor legt überzeugende Einspielung von Werken seines Namenspatrons vor

Protestantisches aus München

Kreiszeitung Syke
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Syke - Von Johannes BruggaierWer in München von der katholischen Asamkirche weiter zur nicht minder katholischen Frauenkirche und schließlich an der tiefkatholischen Theatinerkirche vorbei läuft, der merkt bald: Jetzt wird‘s evangelisch.

Unweit des Odeonsplatzes nämlich liegt die Markuskirche. Und die steht schon rein optisch im Kontrast zur Architektur der allermeisten Gotteshäuser dieser Stadt: ein vergleichsweise schlichter Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, errichtet, um den zugezogenen Protestanten eine geistliche Heimstatt zu bieten. Hier fand seinen Ausgang, was sich als musikalische Reformation Münchens beschreiben lässt. Es geht um die späte Entdeckung der geistlichen Musik Johann Sebastian Bachs, die bis dahin als Sinnbild des Protestantismus ein Mauerblümchen-Dasein fristete.

Karl Richter, Kruzianer und Thomasorganist aus Sachsen, übernahm 1951 ein Ensemble, das sich „Heinrich-Schütz-Kreis“ nannte. Wenig später wurde daraus der „Münchener Bach-Chor“ und damit eine klare Ansage an die von guten Katholiken wie Anton Bruckner geprägte lokale Musikszene. Heute genießt der Münchener Bach-Chor ein Renommee weit über die Grenzen Bayerns hinaus, wenngleich seine große Zeit unter Karl Richter schon lange zurückliegt. Heute heißt der künstlerische Leiter Hansjörg Albrecht, ein Sachse auch er. Anders als Richter allerdings hat er keine Überzeugungsarbeit mehr zu leisten. Bach ist heute auch in München allerorten zu hören, und so stellt sich für die Avantgarde von einst die Frage, woraus sich eine neue Inspiration beziehen ließe.

Anlässlich seines sechzigjährigen Bestehens hat der Bach-Chor gemeinsam mit dem Münchener Bach-Orchester jetzt eine Jubiläums-CD herausgegeben. Die Einspielung der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ (BWV 147), einer „Sinfonia D-Dur“ (BWV 1045), die einer unbekannten Kantate zugerechnet wird, sowie des Magnificats in D-Dur (BWV 243) offenbaren einen Zugriff, der auf bemerkenswerte Weise historisch informierte Aufführungspraxis mit romantischen oder gar modernen Einflüssen paart.

Das gilt insbesondere für die Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“, in der einer strengen Agogik eine umso freiere dynamische Ausgestaltung gegenübersteht. Der reichhaltige Gebrauch von Crescendi und Decrescendi mag Barock-Puristen missfallen, im Ergebnis steht er für eine sorgsam ausdifferenzierte Interpretation aus einer heutigen Perspektive – ganz abgesehen davon, dass tradierte Vorstellungen über barocke Dynamik ohnehin manchem Zweifel unterliegen. Frappierend ist nicht zuletzt im Magnificat die brillante Tongebung über sattem Continuo, ein Klangbild, das für Chor und Orchester gleichermaßen gilt.

Auf die Literatur seines Namenspatrons ist der Bach-Chor schon längst nicht mehr beschränkt, zu seinem Repertoire zählen inzwischen auch Werke von Mahler bis Pärt, von Poulenc bis Bernstein. Mit ihrer aktuellen Jubiläums-Einspielung aber lassen die Münchener Choristen an einem Umstand keinen Zweifel: Bach können sie immer noch am besten.

Johann Sebastian Bach: „Kantate Herz und Mund und Tat und Leben / Sinfonia D-Dur / Magnificat C-Dur“, Münchener Bach-Chor, Münchener Bach-Orchester, Hansjörg Albrecht; Oehms Classics: 16,98 Euro.

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