Programmkinos kämpfen mit großer Konkurrenz / Bremer Kinos müssen sich behaupten

Filme, die berühren

+
Die Schauburg im Bremer Viertel: Im Kampf gegen die großen Multikomplex-Kinos sind die Programmkinos auf Hilfe von außerhalb angewiesen.

Düsseldorf/Münster - Ein schwul-lesbisches Filmfestival, Länderreihen mit Beiträgen aus Südamerika oder Polen, dazu Publikumsgespräche mit dem Regisseur: Im „Cinema & Kurbelkiste“ in Münster gibt es ein außergewöhnliches Programm und ein besonderes Flair. Das brauchen die Programmkinos auch, um gegen die Multiplex-Kinosäle bestehen zu können. Denn die Konkurrenz um die Zuschauer ist hart – und zwar nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Auch die Bremer Programmkinos müssen sich behaupten.

Um den kleinen Lichtspielhäusern zu helfen, verleiht die Film- und Medienstiftung des Bundeslandes ihre „Kinoprogrammpreise“. Gestern Abend wurden in Köln die diesjährigen Auszeichnungen verliehen. Seit 1991 hat die Stiftung so nach eigenen Angaben rund 8,1 Millionen Euro ausgeschüttet. Für die Programmkinos geht es bei den Preisverleihungen manchmal sogar um die Existenz.

„Wir würden viele Sachen nicht machen, wenn wir diese Prämien nicht kriegen würden“, sagt Thomas Behm, einer der beiden Chefs der „Kurbelkiste“. Anders als zum Beispiel Theater und Opernhäuser bekommen Programmkinos keine direkten Subventionen. Öffentliche Gelder gebe es nur in Form von Zuschüssen bei Renovierungen oder durch zweckgebundene Förderungen.

Udo Heimansberg betreibt mit den „Düsseldorfer Filmkunstkinos“ fünf Programmkinos in der Landeshauptstadt. „Ohne die Unterstützung durch die Preise hätten wir enorme Schwierigkeiten zu existieren“, sagt er. „Wir müssten vielleicht Kinos schließen.“

Filmliebhaber und Kinogänger wie Sebastian Aperdannier würden das sehr bedauern. Der Münsteraner schaut sich im Jahr rund 100 Filme im Kino an. „Das Cinema Kurbelkiste ist für mich persönlich in Münster neben der Stadtbücherei die wichtigste Kultureinrichtung“, sagt Aperdannier. Er schätzt am „Cinema“ vor allem die breite Auswahl an Filmen: „Ich will von einem Film in erster Linie berührt werden – mit der Thematik, einer Szene oder der Fragestellung.“

Solche Filme zeichnen die Programmkinos aus. Aber es geht auch um das Ambiente: Die Gebäude sind auch in der Hansestadt Standorte mit jahrzehntelanger Kinotradition, die Gänge sind liebevoll mit alten Filmplakaten ausstaffiert. Zur Aufführung wird ein Glas Wein gereicht.

Um den Umsatz zu steigern und das im Vergleich zu Großkinos meist etwas ältere Publikum zu verjüngen, experimentieren die Besitzer: Behm vermietet seine Kinosäle in Münster auch für Privatvorstellungen, Heimansberg schenkt im Winter Glühwein aus und will bald einen Computerspiel-Wettbewerb im Kino austragen.

„Man muss sich immer neu erfinden“, sagt der Düsseldorfer: „1965 haben mir Freunde gesagt: „In zehn Jahren gibt es keine Kinos mehr.“ 1979 haben wir dann die Kinos in Düsseldorf übernommen und ich wurde gefragt: „Bist du verrückt?“ Dann kam die VHS-Videokassette, später die DVD, mittlerweile gibt es Downloads, es gibt Streams – und wir sind immer noch da.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Kampfabstimmung um CDU-Vorsitz: CDU vor Richtungsentscheid

Kampfabstimmung um CDU-Vorsitz: CDU vor Richtungsentscheid

Furcht vor Huawei: Trump macht Indien Druck beim Thema 5G

Furcht vor Huawei: Trump macht Indien Druck beim Thema 5G

Karneval in Stolzenau: Prunksitzung 2020

Karneval in Stolzenau: Prunksitzung 2020

Anonyme Drohung an Göttinger Hainberg-Gymnasium: Polizei im Großeinsatz

Anonyme Drohung an Göttinger Hainberg-Gymnasium: Polizei im Großeinsatz

Meistgelesene Artikel

Unverkennbar menschlich, wundersam verformt

Unverkennbar menschlich, wundersam verformt

Gibt es „schwarzes Bewusstsein“?

Gibt es „schwarzes Bewusstsein“?

Der zweite Blick

Der zweite Blick

Zur Entspannung etwas Mozart

Zur Entspannung etwas Mozart

Kommentare