Offene Türen: Das Künstlerhaus Bremen lädt am Wochenende zu Atelier-Rundgängen ein

In der Produktion

Aus den Ateliers des Künstrlerhauses Bremen: Thomas Behlings „Lost Idol“

Bremen - Von Rainer Beßling(Eig. Ber.) · Für die Künstlerinnen und Künstler ist es die Gelegenheit, ihr Atelier aufzuräumen. Dem Publikum bietet sich die Chance zu einem Einblick in das aktuelle Schaffen.

Groß war der Ansturm, als das Künstlerhaus Bremen beim vergangenen Mal die Türen zu den Produktionsstätten fürs Publikum öffnete. Nun steht an diesem Wochenende am Bremer Deich wieder ein Hausbesuch an. 18 Künstlerinnen und Künstler können heute und morgen neben ihren Werken besichtigt und befragt werden. Einführende Erläuterungen zum jeweiligen Schaffen bietet ein Team aus Vertretern des Künstlerhauses, Kuratoren und Kritikern.

Die Atelierrundgänge repräsentieren in kompakter Form nicht nur konkrete Arbeiten, sondern auch das Grundkonzept des Künstlerhauses. Die Einrichtung ist nicht nur Produktionsstätte, sondern auch Schaufenster, Diskussionsforum und zentraler Knotenpunkt des Bremer Kunstbetriebs. Für die Kunstschaffenden selbst ist es eine der ersten Adressen am Ort. Eine Fachjury entscheidet über die Vergabe der Ateliers für eine Höchstdauer von fünf Jahren. Auf 20 bis 70 Quadratmetern bieten sich Raum und Arbeitsmöglichkeit für unterschiedlichste künstlerische Techniken. Auch Druckwerkstatt, Werkstatt für Holz und Design, Grafikbüro und Studios für Film und Klangdesign sind in dem großen Gebäudekomplex untergebracht.

Der Austausch unter den Akteuren ist nicht bloß Anspruch, sondern gefragte und gelebte Praxis im Haus. Der Atelierbesuch spiegelt das Interesse an der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen wider. Neben künstlerischen spielen auch berufspraktische Fragen eine zentrale Rolle in der Praxis des Künstlerhauses. Mit dem BBK und der Gedok sind zwei einflussreiche Verbände mit ansässig. Das von Künstlerhaus-Geschäftsführerin Waltraut Steimke initiierte Netzwerk Bildende Kunst koordiniert für 13 Bremer Kultureinrichtungen die Mitarbeit in Projekten.

Der Erfolg des Hauses ist nicht zuletzt an Preisen und Stipendien abzulesen, die nun angemessen selbstbewusst im neuen Internetauftritt des Künstlerhauses aufgelistet werden. Auf wichtigen nationalen Gruppenausstellungen sind die Künstlerhäusler gut vertreten. Insbesondere ehemalige Studenten aus der viel beachteten, qualitätvollen Kneffel-Klasse, die derzeit einen starken Malerei-Akzent am Bremer Deich setzen, sammeln Erfolge am Kunstmarkt.

Geschäftsführerin Waltraut Steimke ist der Hinweis wichtig, dass die Künstlerinnen und Künstler ihr Leben auf der Basis ihrer künstlerischen Leistungen führen und nicht, wie bisweilen kolportiert, auf einem Sozialticket fahren. Stipendien und Preise, die neben Dozententätigkeit oder anderen Jobs den Lebensunterhalt sichern, sind an Qualität gebunden, nicht an Bedürftigkeit. Seit der Sozialtransfers mit der Einführung von Hartz IV auf Bundesebene organisiert ist, gibt es das Bremer Modell der Sozialen Künstlerförderung nicht mehr. Ein tragfähiges Modell der Förderung künstlerischer Produktion befindet sich seit längerer Zeit im Entwurfsstadium bei den zuständigen senatorischen Stellen. Derweil denkt der Vorstand des Künstlerhauses darüber nach, ob und wie sich Abteilungen anlagern ließen, die eine zählbare Verwertung künstlerischer Arbeit leisten könnten.

Das Künstlerhaus versteht sich mit Ateliers und Ausstellungsräumen als in sich geschlossene Einheit. Als Brücke zur nationalen und internationalen zeitgenössischen Kunst wie auch als Portal zur Öffentlichkeit versteht sich die Galerie im Künstlerhaus. Stefanie Böttcher konnte hier als Leiterin ein profiliertes Programm mit jüngeren Positionen entwickeln, das in Bremen Alleinstellungsrang hat.

Neben Malerei, Zeichnung, Video, Installation und Objekt bieten die Hausbesuche Gelegenheit, die Atmosphäre im Künstlerhaus kennen zu lernen. Wechselseitiges Interesse an der Kollegen-Arbeit ist im wettbewerbreichen Kunstbetrieb nicht selbstverständlich. Abgesehen von branchenüblichen Sticheleien funktioniert die Szene in Bremen nicht zuletzt dank des Künstlerhauses gut.

Zwei Atelierrundgänge wird es heute (15 und 17 Uhr), einen morgen geben (15 Uhr). Beteiligte Künstler: Norbert Bauer, Ralf Tekaat, Patricia Lambertus, Barbara Rosengarth, Marlies Nittka, Kornelia Hoffmann, Susanne Katharina Willand, Ina Raschke, Marina Steinacker, Christian Helwing, Christian Holtmann, Thomas Behling, Claudia Christoffel, Kerstin Drobek, Christiane Fichtner, Marina Schulze, Sibylle Springer, Mia Unverzagt.

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