Prinzenparty

Tina Dico stellt in der Bremer Glocke in neues Album „Fastland“ vor

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Nicht nur musikalische Fähigkeiten, sondern auch feiner Humor und Ausdruckskraft zeichnen Tina Dicos Auftritt aus. 

Bremen - Von Mareike Bannasch. Wenn gekrönte Häupter runde Geburtstage feiern, stehen die Untertanen für gewöhnlich Kopf. Selbst im 21. Jahrhundert, und meist reicht die royale Begeisterung auch noch für den Kronprinzen. Kein Wunder also, dass Kopenhagen den 50. von Frederik von Dänemark im Juli ausgiebig feierte, inklusive Galakonzert mit seinen Lieblingsmusikern. Dazu zählt auch die dänische Songwriterin Tina Dico, die bisher vor allem mit melancholischem Folk-Pop von sich reden machte. Bisher, denn wenn der Kronprinz Geburtstag feiert, kann man natürlich nicht minutenlang über gescheiterte Beziehungen oder das Elend der Welt schwadronieren.

Es musste also etwas anderes her, schneller und fröhlicher. Keine leichte Aufgabe, wie Tina Dico am Donnerstagabend auf der Bühne der Bremer Glocke zu Protokoll gibt. Dort stellt die Dänin, die in ihrer Heimat weitaus bekannter ist als hierzulande, ihre neue Platte „Fastland“ vor, natürlich nicht ohne Erklärungen zu den einzelnen Stücken. Auf dem Album, das zu deutsch Festland heißt, findet sich auch das Geburtstagsständchen „Adams House“. 

Eine gefällige Upbeat-Nummer, die mit von Gitarren und Klavier geprägtem Rhythmus überzeugt und sich vordergründig an der Studienzeit des Kronprinzen in Boston und den anonymen Partynächten in „Adams House“, dem Sitz einer Bruderschaft, abarbeitet. Allerdings ist der Wunsch, für einen Abend alles zu vergessen, was uns so belastet, ist nicht nur in Blaublütern verankert.

„Adams House“ ist aber nicht der einzige Song, der zeigt, dass sich Dico auf ihrem neuen Album künstlerisch enorm weiterentwickelt hat. Sicher, nachdenkliche, hochintelligente Texte und fein komponierte Harmonien gibt es immer noch. Nun werden sie aber häufig von dominantem Bass, E-Gitarren oder Synthesizer-Klängen begleitet, was dem Ganzen ein tanzbares, und ja, auch radiotaugliches Antlitz verpasst. Bei vielen Musikern würde so eine Veränderung nach Kommerzanpassung und Selbstaufgabe schreien. Nicht so bei Tina Dico, ihr neues Album erscheint vielmehr als Konsequenz eines künstlerischen Reifeprozesses.

Drei Kinder und ein Haus auf Island - ist das noch „fancy“?

So auch in „Fancy“, in dem die 41-Jährige, begleitet von pulsierendem Beat, zur Bestandsaufnahme ihres Wohlstandsdaseins ansetzt – und sich fragt, wo die junge Frau geblieben ist, die mit ihrer Akustikgitarre durch die Weltgeschichte gezogen ist. Irgendwo ist sie verschwunden, zwischen Nightliner, drei Kindern und dem Haus auf Island.

Allein mit dem neuen Album kann die Dänin das Programm aber nicht beschreiten, es ist nur 34 Minuten lang. Und so gibt es – zum Glück – auch ältere Songs zu hören. Darunter „Love and War“, bei dem Ehemann Helgi Jónsson die Gelegenheit zu einem fabelhaften Posaunen-Solo bekommt. 

Er ist an diesem Abend übrigens nicht die einzige Begleitung der Sängerin, es stehen ihr außerdem noch Marianne Lewandowski (Drums) und Dennis Ahlgren (Gitarre, Bass) zur Seite. Gemeinsam bilden sie eine brillante Rhythmusgruppe, die noch einmal verdeutlicht, dass Tina Dico eben nicht nur gute Texterin, sondern auch eine ausgezeichnete Komponistin ist.

2009 sang Dico mit Ina Müller - das war ihr Durchbruch hierzulande

Aber nicht nur musikalisch kann die Begleitung mit der Frontfrau mithalten, sondern auch stimmlich wie „Ain’t no time to sleep“ eindringlich beweist. Eine Revoluzzer-Hymne, die zu Wachsamkeit und mehr Engagement animiert – und von den Vier auf der Bühne ohne jegliche elektrische Verstärkung performt wird. Nur mit Gitarren und ihren Stimmen singen sie ihren Zuhörern in die Selbstherrlichkeit – bevor das Publikum selbst den Refrain als mehrstimmigen Chor immer wieder anstimmt. 

Ein erster Vorgeschmack auf die letzte Zugabe, in der die Menge gemeinsam mit den Musikern „Count to Ten“ anstimmt. Jener Song, den Tina Dico im Jahr 2009 zusammen mit Ina Müller im „Schellfischposten“ gesungen hat – ihr Durchbruch in unseren Breitengraden.

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