Pointiert und unterhaltsam

Stadttheater Bremerhaven eröffnet Saison mit Musical „Sunset Boulevard“

Exzellente Besetzung: Vikrant Subramanian als Joe Gillis (l.) und Sascha Maria Icks als Norma Desmond. - Foto: Manja Herrmann
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Exzellente Besetzung: Vikrant Subramanian als Joe Gillis (l.) und Sascha Maria Icks als Norma Desmond.

Bremerhaven - Von Erik Hermann. Das war ein Auftakt nach Maß! Seit das Stadttheater Bremerhaven die neue Spielzeit regelmäßig mit einem Musical eröffnet, war das Ergebnis eigentlich immer begeisternd. Das ist in diesem Jahr mit „Sunset Boulevard“ von Andrew Lloyd Webber nicht anders. Die Produktion dürfte bei jeder Aufführung für ein volles Haus sorgen. Denn Regisseur Ansgar Weigner ist eine rundum stimmige, mit einer bis in die kleinsten Rollen treffsicheren Besetzung gelungen.

Billy Wilder hatte mit seinem Film „Boulevard der Dämmerung“ (mit Gloria Swanson) einen Klassiker geschaffen, den Andrew Lloyd Webber 1993 zu seinem Musical verarbeitete. Die Geschichte der alternden Diva Norma Desmond, die nicht wahrhaben will, dass ihr Ruhm aus Stummfilmzeiten längst vergangen ist, bietet eine Story, die packend und anrührend ist. Norma vereinnahmt den verarmten Drehbuchautor Joe Gillis für sich und hofft mit seiner Hilfe auf ein Comeback. Gillis wird schließlich ihr Liebhaber. Als er sich aber in seine Kollegin Betty Schaefer verliebt, kommt es zum Eklat. Joe will Norma verlassen, nicht ohne sie vorher brutal mit der ungeschminkten Wahrheit über ihren Realitätsverlust zu konfrontieren. Da greift Norma zum Revolver. In dem Musical erzählt Joe die Ereignisse im Rückblick als Toter.

Für die beiden Hauptpartien Norma und Joe kann Bremerhaven mit einer exzellenten Besetzung aufwarten: Sascha Maria Icks und Vikrant Subramanian erfüllen ihre Rollen perfekt. Icks gehört dem Schauspielensemble an und hat beispielsweise als Edith Piaf begeistert. Sie hat zwar keine ausgesprochene Musical-Stimme, aber sie ist eine Meisterin der feinen Nuancen. Dabei gibt sie die verblendete Diva durchaus herrschsüchtig und kraftvoll. Aber es sind auch gerade die leisen Töne, die von der Verletzlichkeit ihrer kranken Seele künden und die unter die Haut gehen. Der Song „Nur ein Blick“ wird bei ihr zu einer träumerischen Erinnerung an vergangene Zeiten. Icks kann die Fallhöhe der tragischen Figur, die von ihrer verblendeten Selbsteinschätzung „Kein Star wird jemals größer sein“ bis zum totalen Zusammenbruch ihres Weltbilds reicht, beklemmend verdeutlichen. Vikrant Subramanian verschmilzt mit seiner Rolle als Joe zu einer Einheit. Ähnlich wie im vergangenen Jahr als Zorro liefert er auch diesmal ein grandioses Rollenporträt. Seinen schönen Bariton setzt er dabei in der langen Rolle, die zwischen Sprechgesang und ariosen Momenten pendelt, gekonnt und geschmackvoll ein. Mit Patrizia Häusermann steht eine sympathische Betty zur Verfügung, die ihre unbeschwerte Jugendlichkeit überzeugend ausspielt.

Die Rolle des geheimnisvollen, etwas unheimlichen Dieners Max ist Andrea Matthias Pagani (dem einzigen Gastsänger) anvertraut. Seine Auftritte sind von großer Präsenz geprägt. Dieser Max erweist sich schließlich als Normas erster Ehemann und Regisseur Max von Mayerling. Er liebt sie noch immer und ist um ihr Seelenheil besorgt. Die Fan-Briefe, die Norma erhält, sind alle von ihm geschrieben. Leo Yeun-Ku Chu macht als Cecile B. DeMille eine eindrucksvolle Figur. Der Chor hat hier überwiegend solistische Aufgaben. Fast jede Sängerin und jeder Sänger übernimmt eine der vielen kleinen Rollen.

Die Inszenierung von Ansgar Weigner ist pointiert und unterhaltsam. Die Welt des Films wird ebenso gut getroffen wie die bittere Einsamkeit von Norma Desmond. Vergnügliche Szenen gibt es bei der Riege von Herrenschneidern, die Joe neu einkleiden, oder bei den ausgelassenen Partys der Filmcrew. Das hübsche Duett „Ein gutes Jahr“ wird bei ihm zu einem gespenstischen Tango. Die opulent ausgestatteten und mittels Drehbühne variierten Schauplätze (Bühne und Kostüme von Barbara Bloch) verfehlen nicht ihre Wirkung.

Das Philharmonische Orchester Bremerhaven unter Ektoras Tartanis zeigt sich in Höchstform. Tartanis kostet die süffige Musik von Andrew Lloyd Webber mit schwelgerischem Klang in vollen Zügen aus. Eine Eröffnungspremiere, wie sie besser und fesselnder nicht sein könnte!

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