Moks und Junge Akteure zeigen Tanzstück „Für vier“

Platz zum Denken

Suchbewegungen unternehmen Raúl Torrijos, Julian Anatol Schneider, Anna Jäger und Hanna Mencz in „Für vier“. Foto: Jörg Landsberg

Bremen - Von Rolf Stein. Wer nicht fragt, bleibt dumm, das wissen nicht nur die Zuschauer der Sesamstraße. Und es gehört zu den Binsenweisheiten der Kulturkritik, dass Kunst, Theater zum Beispiel, eben keine Antworten geben könne, sondern höchstens Fragen aufwerfen. Und auch wenn das nur ein Teil der Wahrheit ist: Es ist immerhin ein Teil von ihr.

In einer reizvollen Versuchsanordnung zeigt die Choreografin Birgit Freitag mit vier Akteuren am Theater Bremen, wie sich theatrale Erkundungen entfalten können, um mit spielerischer Leichtigkeit gewichtige Fragen zu verhandeln. Wo wir herkommen zum Beispiel und was die Zukunft bringt.

Stellvertretend erörtern diese und andere Fragen Anna Jäger, Moks-Schauspieler Julian Anatol Schneider, Hanna Mencz und Raúl Torrijos. Zunächst hören wir nur ihre Stimmen, dann sehen wir sie auf der Tanzfläche, an deren Rand eine elektrische Gitarre samt Verstärker steht. Nebst Perücken und wenigen Kostümen ist der Raum leer, an der Rückwand läuft ein Projektionsband mit Fragen. Das Performerquartett ist dabei geschlechterparitätisch besetzt und altersmäßig gemischt, die noch relativ jungen Erwachsenen Jäger und Schneider begegnen den Heranwachsenden Torrijos und Mencz. Es kommen weitere Ebenen hinzu: Bei allen gibt es in der Familie Migrationsgeschichten. Aufgewachsen wurde oder wird in verschiedenen Ausprägungen von Familie. Aspekte individueller Geschichte werden verschaltet mit dem Alltag und – wenig erstaunlich – eher pessimistischen Einschätzungen der nahen Zukunft.

Auch wenn das viel ist und nach noch mehr klingt, gerät die knapp eine Stunde dauernde Inszenierung nirgends ins Straucheln, sondern schultert bemerkenswert leicht seine Themen. Der knusprige elektronischen Soundtrack von Michael Henn trägt dazu seinen Teil bei, die hübschen ausstatterischen Details wie eine leuchtende Kappe, das weiße Wuschel-Kostüm oder die Perücken, mit denen das Ensemble dezent verwandelt wird, nehmen den Fragen nach Identität einiges von ihrer Schwere – kurz: Birgit Freitag lässt vor unseren Augen einen Raum entstehen, in dem so etwas wie die Freiheit des Denkens sichtbar wird. Das glückt auch ästhetisch, weil Freitag ihren vier Akteuren auch tänzerische Freiheit gibt, die sie in präzisen Soli und suchenden Kollektiven nutzen.

Selbst sehen:

Morgen, Sonnabend und Sonntag, jeweils um 19 Uhr, Brauhaus am Theater Bremen.

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